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„Beate” leidet an „künstlerischer Unterernährung”

(© ERICH STÖR): An Weihnachten 1948 wird im Apollo in Frankfurt-Bornheim der Film Beate gezeigt. Vier Monate vorher ist der Streifen im Hamburger Capitol uraufgeführt worden, er stammt aus dem britischen Sektor von Berlin, wo er während der monatelangen Berliner Blockade von einer Firma namens Tova belichtet worden ist. Es ist der erste und letzte Streifen dieser kurzlebigen Gesellschaft.

© Filmverlag Christian Unucka

Beate also! Nach einigen recht guten Ansätzen zeigt sich im Kino, dass der deutsche Nachkriegsfilm sich immer mehr im Unverbindlichen gefällt und der Aufarbeitung der Vergangenheit nur noch relativ bescheidenen Raum einräumt. Das ist auch kein Wunder, wächst doch gerade in dieser Zeit die allgemeine Lebenslust der Menschen – insbesondere in den Großstädten. So machen auch in Frankfurt am Main die Etablissements mit Tanzmusik guten Umsatz, darunter zum Beispiel die Scala-Stuben, das Café Tabaris, das Colloseus und das Milani in der Innenstadt. Wenn Beate auch noch als Nachkriegsfilm einzuordnen ist, werden Trümmern schon nichts mehr gezeigt, nur eine einsame Ruine „verschandelt” die heitere und (so die Werbung) „reizend geschilderte Ehegeschichte” eines Kriegsheimkehrers. Gefangenschaft wird im deutschen Film schon nicht mehr problembeladen und dramatisch abgehandelt, sondern eher komödiantisch dargestellt. Weiterlesen →

„Die Abenteuerin” auf der Jagd nach dem Mammon

(© ERICH STÖR): Irgendwie geht es fast immer um’s Geld. Und nicht nur um Liebe. In der Ausgabe der  Zeitung „Frankfurter Rundschau” von Heiligabend, 24. Dezember 1948, sucht eine gesunde und schlanke Bauerntochter einen Holzfachmann zum Heiraten, und offeriert ein zum Hof gehörendes Sägewerk als Zugabe. Gleich nebenan stehenden die Kinoanzeigen und dort wird kräftig für den Film Die Abenteuerin geworben. Und diese Abenteuerin sucht ebenfalls einen Mann – allerdings hat sie im Gegensatz zur Bauerntochter außer ihrem Aussehen nichts zu bieten.

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Aus diesem Grund hält die attraktive Claire Ledeaux (Marlene Dietrich) Ausschau nach einem gut betuchten Mann. Und sie entdeckt ihn in Gestalt des reichen Bankiers Charles Giraud (Roland Young). Dass aber am Ende dann aber der eher arme Mississippi-Kapitän Robert Latour (Bruce Cabot) das Rennen macht, ist nur der Liebe geschuldet. Als Claire am Tag der geplanten Hochzeit den Bankmenschen verlässt und mit Robert Latour auf dessen Dampfer davon schippert, wirft sie ihr Brautkleid erleichtert in den Mississippi. Wieder einmal: Ende gut, alles gut! Eine geläuterte Claire fährt in eine finanzielle zwar ungewisse, aber gleichwohl von Liebe geprägte Zukunft. Eine ansehnliche Romanze rund um New Orleans – angereichert mit vielen komödiantischen Elementen geht mit einem Happyend zu Ende. Wer hätte das nicht geahnt. Der Vorhang fällt… Weiterlesen →

Die Heurigen-Seligkeit der Wiener „Schrammeln”

(© ERICH STÖR): Schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben in Frankfurt zahlreiche Weinstuben in den Trümmern der Stadt geöffnet. Riart’s Bodega” am Dom ist eine erste Adresse, in der Petersstrasse empfängt das „Juliette” seine Gäste, der „Brückenkeller” in der Nähe der Obermain-Brücke kredenzt „gepflegte Weine und Unterhaltungsmusik”, in der kleinen Reblaus in Sachsenhausen klimpert ein immer übertrieben gut aufgelegter Mann sowohl rheinische Schunkel-Lieder als auch Wiener Heurigen-Seligkeit.

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Und überall in diesen Lokalen – noch ist das knappe Angebot an Speisen und Getränken überschaubar –  ist auch ein Schuss Schrammel-Musik dabei. Sie steht unsichtbar auf den noch dürftigen Speisenkarten. Doch was ist das nun eigentlich, Schrammel-Musik? Sie gilt Ende des 19. Jahrhunderts als typische Wiener Volksmusik und erhält ihren Namen nach den Geigen spielenden und selbst komponierenden Brüdern Johann und Josef Schrammel. Die beiden haben zusammen mit Anton Strohmayer (Gitarre) und Georg Dänzer (Klarinette) ganz Wien im Sturm erobert. Die Männer gelten neben Johann Strauß (Vater und Sohn) als wichtige Repräsentanten der leichteren Musik in Österreich. Deshalb ist es unvermeidbar, dass aus ihrer Lebensgeschichte der Film Schrammeln gemacht wird. Neben dem beachtlichen musikalischem Erfolg werden auch frühere finanzielle Not und  Streitigkeiten zwischen den Beteiligten ausgiebig abgebildet. Als der Film in den Harmonie-Lichtspielen gezeigt wird, strömt das Publikum in Scharen in’s Kino. Die gespielte Musik ist so recht nach dem Geschmack der Menschen in der Nachkriegszeit, um bei gefühlsduseligen Weinliedern Not und Elend der vergangenen Jahre zu vergessen. Weiterlesen →

„Die Frau ohne Herz” in Herrn Kilians Kinopalast

(© ERICH STÖR): Viele Lichtspielhäuser, die noch aus  der Vorkriegszeit stammten, mussten Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre nach dem Fernseh-Boom ihre Tore schließen. Eines davon war das Wall-Kino in der gleichnamigen Straße. Doch hier laufen nach 1945 viele englische Filme wie zum Beispiel Die Frau ohne Herz (mit Margaret Lockwood und James Mason), „Der Herr in Grau” (James Mason),die „Gefährliche Reise” oder auch „Papagini” (beide mit Stewart Granger).

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Frankfurt-Sachsenhausen, am Ende der 40er Jahre: zwei Kinos gibt es damals in diesem Frankfurter Stadtteil südlich des Mains, dessen Bewohner etwas auf sich halten, unter dem launigen Motto: „Jeder Sachsehäuser is en Frankforder, awwer en Frankforder is noch lang kaan Sachsehäuser…” Das Harmonie am Lokalbahnhof, das auch heute noch existiert, ist eines der beiden Kinos, das „Wall” in der gleichnamigen Straße und in direkter Nähe zum berühmten Ebbelwei-Viertel, das andere. Von den Besuchern wird das ältere Kino damals nach dem grauhaarigen Besitzer mit der hohen Stirn, der meist selbst an der Kasse sitzt, Karten verkauft und die Billetts höchstpersönlich entwertet, auch ironisch „Ki-Ki-Pa“ genannt (für Kilians Kino-Palast), aber ein Palast ist das wahrlich nicht, vielmehr ein schmales Handtuch, vielleicht um die 170 Sitzplätze, an der rechten Seite bullert im Winter ein mit Kohle oder Briketts betriebener Ofen – und weil die Filme vom Vorführer mit Rückprojektion von hinten auf die Leinwand geworfen, und von einem Spiegel umgelenkt werden, geht auch einiges an Leuchtkraft verloren. Weiterlesen →

George Gershwin und die „Rhapsodie in Blau”

(© ERICH STÖR): Die Nazis mochten Jazzmusik nicht besonders und versuchten sie zwischen 1933 und 1945 auf Sparflamme zu halten und zu unterdrücken, ohne jedoch ein offizielles Verbot auszusprechen. Die deutschen Jazzer konnten ihre Lieblingsklänge aufgrund der Diktatur deshalb vor allem im Verborgenen genießen, dennoch gab es nach Kriegsende einen starken Nachholbedarf für diese Musik.

© Filmverlag Christian Unucka

Viele Besessene versuchten nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den vielen amerikanischen Offiziersklubs Fuß zu fassen, um sich dort an den frischen Klängen der dort aufspielenden Bands zu erfreuen. Als dann 1948 der Film Rhapsodie in Blau in die Kinos kam, war das ein weiterer Schritt, um der Musikgattung hier zum entsprechenden Stellenwert zu verhelfen. Dabei geht George Gershwins Bedeutung weit über den Jazz hinaus, hat er doch durch die Oper „Porgy and Bess”, durch  die Tondichtung „Ein Amerikaner in Paris”, weitere Musicals und symphonischen Jazz wie der „Rhapsodie in Blue” die gesamte amerikanische Musikszene in vielen Stilrichtungen beeinflusst und mit geprägt. „Der Spiegel” sah in einer Besprechung nach der Aufführung des Films in Deutschland jedenfalls in Gershwin den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.” Weiterlesen →

„Die Kupferne Hochzeit” mit alten Strickmustern

(© ERICH STÖR): Es ist schon eine seltsame Sache mit dem deutschen Kino in der Nachkriegszeit. Nach einer kurzen Periode mit einigen  „Trümmer- und Problemfilmen” flimmern auch schon wieder so genannte Reprisen (also Filme aus der der Nazizeit) über die Leinwände und bei den Produzenten geht es relativ rasch im alten und gewohnten Trott mit der Zelluloid-Belichtung weiter. Trümmer werden immer weniger gezeigt, die Macher verlegen die Handlungen deshalb oft aufs Land.

© Filmverlag Christian Unucka

Ein Film, der sich überaus ambitioniert gibt, aber doch nur die Strickmuster und alten Klischees wiedergibt, ist der Streifen Die Kupferne Hochzeit, der am 15. Dezember 1948 im Luxor-Kino am Frankfurter Hauptbahnhof großspurig als Welturaufführung annonciert wird, obwohl er gleichzeitig auch in anderen Städten startet. „Sieben Jahre Ehe heiter betrachtet” – das  verspricht die freundlich-nette Werbebotschaft in der Zeitung „Frankfurter Rundschau”. Als Darsteller werden Hertha Feiler, Peter Pasetti, Sybille von Gymnich, Hans Nielsen, Hilde Classen, Bum Krüger, Albert Florath und Erich Ponto ins Rennen geschickt. Die Regie hat Heinz Rühmann übernommen, der mit seiner Comedia auch als Produzent auftritt. Drei befreundete Ehepaare, in deren Beziehungen es kriselt, treffen sich am Tag der kupfernen Hochzeit, dem verflixten 7. Jahr also, um Wege aus ihren Alltagsproblemen zu finden, was ihnen dann auch dank der Ratschläge eines inzwischen verstorbenen Lehrers gelingt.  Ganz hübsch von Rühmann in Szene gesetzt, aber auch nicht umwerfend. Weiterlesen →

Juwelenschmuggel und Mord im fernen „Kalkutta”

(© ERICH STÖR): Es ist ganz gewiss kein herausragender Abenteuerfilm, der im Winter 1948 in den Nidda-Lichtspielen in Nied zu sehen ist, aber er bringt eine Leinwand-Begegnung mit Alan Ladd in einem spannenden Schmuggel- und Fliegerdrama, das im Fernen Osten angesiedelt ist, wobei zwischen Kalkutta in Indien und Chungking in China Juwelen verschoben und illegal über die Grenzen gebracht werden. 

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Die ganze Schieberei erinnert an die Zeit vor der Währungsreform in Deutschland, doch obwohl es noch hier und da an Konsumgütern mangelt, ist die Zeit des Schwarzmarktes vorbei. Nach dem Geldumtausch von 20. Juni sind plötzlich viele Dinge in den Läden aufgetaucht, von denen der Bürger nicht einmal ansatzweise ahnt, dass sie wirklich existieren, und die von „cleveren” Geschäftemachern lange gebunkert worden sind, um möglichst schnell an das neue und stabile Geld zu kommen. Dem Filmbesucher ist es zu dieser Zeit aber fast schon egal, denn er erfreut sich an der aufregenden Exotik des Fernen Ostens und den gebotenen Abenteuern. Die Piloten Neale Gordon (Alan Ladd) und Pedro Blake (William Bendix) suchen die Mörder ihres Freundes, lassen sich dabei auch nicht durch schmerzhafte Gegenaktionen der Gangster aus der Fassung und von ihre Vorhaben abbringen. Tatsächlich gelingt es ihnen, die Drahtzieher des kriminellen Schmuggelrings zu entlarven. Weiterlesen →

Eine neue Erfahrung mit der „Geisterkomödie”

(© ERICH STÖR): Es ist eine durchaus geistvolle Komödie mit Fantasy-Charakter, die zu Weihnachten 1948 über die Leinwand der Zoo-Lichtspiele in Frankfurt flimmert. Regisseur David Lean liefert mit Geisterkomödie eine überaus witzige Arbeit ab (so empfindet es jedenfalls das Publikum), während Bühnenautor Noel Coward mit der Arbeit eher unzufrieden ist, und dem Regisseur vorwirft, sein Stück kaputt gemacht zu haben. 

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Gleichwohl wird David Lean im  Verlauf seine Karriere noch Welterfolge wie „Lawrence von Arabien”, „Die Brücke am Kwai” und auch „Doktor Schiwago” drehen. Dem Publikum aber gefällt auch die Geisterkomödie. Das hängt sicher damit zusammen, dass solcher „schwarzer” britischer Humor hier noch weitgehend unbekannt ist und auch die allgemeine Situation in den einzelnen Besatzungszonen ja nicht gerade zu Freudensprüngen verleitet. Immerhin ist auch das Weihnachtsgeschäft trotz der im Juni erfolgten Währungsreform meilenweit hinter den Erwartungen des Einzelhandels zurückgeblieben. Unter solchen misslichen Umständen sind viele Menschen im Lande jedenfalls erst einmal froh, sich für knapp zwei Stunden auf dem Kinostuhl richtig entspannen zu können, auch wenn die eingeblendeten deutschen Untertitel einiges an Konzentration abverlangen. Für die meisten Zuschauer, die das nicht kennen, ist das Texte-Lesen am Anfang gewöhnungsbedürftig. Weiterlesen →

Bei „Martin Roumagnac” muss niemand frieren

(© ERICH STÖR): Die Hansa-Lichtspiele in der Friedrich Ebert-Straße, wie die alte Kaiserstraße nach dem Krieg von 1947 bis zum 12. Mai 1955 in Frankfurt am Main offiziell bezeichnet wird  – eine Umbenennung, die der Neuordnung nach dem Krieg geschuldet ist, in der Bevölkerung aber wenig beliebt ist –, machen 1948 in einer Werbeanzeige darauf aufmerksam, dass „das Theater gut geheizt” ist, eine keineswegs absurde Einlassung der Kinobesitzer.

© Filmverlag Christian Unucka

Der wertvolle Hinweis auf ein warmes Plätzchen ist der Tatsache geschuldet, dass die Winter der Nachkriegsjahre bitterkalt waren in Frankfurt am Main und Heizmaterial trotz der bereits durchgeführten Währungsreform noch immer Mangelware ist. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür. Gezeigt wird an den Feiertagen der Spielfilm Martin Roumagnac. Die Hauptdarsteller in dem vielschichtigen Melodram sind Marlene Dietrich und Jean Gabin. In den Tageszeitungen wird berichtet, Jean Gabin habe nach sieben Jahren Abwesenheit – er war vorübergehend (relativ erfolglos) in Hollywood und danach in der französischen Armee tätig – erstmals wieder einen Film in seinem Heimatland Frankreich gedreht, Marlene Dietrich dagegen steht nach dem Kriegsende erstmals wieder in Europa vor der Kamera. Es ist also durchaus eine filmische Attraktion. Weiterlesen →

Drei Männer verlassen die „Wege im Zwielicht

(© ERICH STÖR): Die überaus schwierige Nachkriegszeit mit ihren vielfältigen wirtschaftlichen Problemen ist in den alliierten Besatzungszonen ein Nährboden für harte und weiche Kriminalität. Schwarzhändler, Schieber und Nepper haben Hochkonjunktur, wie sich auch an der Tatsache ablesen lässt, dass die deutsche Polizei im April 1948 an der belgischen Grenze einen international agierenden Schmugglerring aushebt.

© Filmverlag Christian Unucka

Die Kriminalität und ihre Folgen spielen auch in vielen deutschen Filmen eine zentrale Rolle. Als am 9. April 1948 Wege im Zwielicht uraufgeführt wird, liegt noch vieles im Argen. Immerhin aber ist auch die Zeit der so genannten „Trümmerfilme” schon wieder vorbei, die Themen Nazi-Diktatur, Vernichtung und Krieg rücken in den Hintergrund, nun blicken die Filmemacher – gewiss durchaus dem Zeitgeist entsprechend –, verstärkt auf den Wiederaufbau des zerstörten Landes und tun dabei so, als sei die Zukunft des Landes und seiner Bewohner ein echtes Anliegen für sie. Dabei geht es oft genug aber nur um reißerische Kolportage. Die Handlung um drei junge Männer, die in Hannover nicht nur unter lichtscheues Gesindel, sondern in kriminelles Zwielicht und in Mordverdacht geraten, und erst durch einen resoluten Bürgermeister bei einem Brückenbau auf dem Land ihre persönlichen Perspektiven entdecken, ist so ein Beispiel. Die schlichte Botschaft lautet, sich nicht auf dunkle Geschäfte einzulassen, sondern lieber beim Wiederaufbau des Landes mitzuhelfen – wobei der Zeigefinger allerdings zu deutlich erhoben wird. Für unsere Kino-Clique, die sich den Film ansieht, bleibt das Ganze jedenfalls ohne nachhaltige Wirkung. Man spürt die Absicht, und ist verstimmt. Weiterlesen →