13 Stühle

Illustrierter Filmkurier Nr. 2840 ( E. S.) – Die reisenden Wanderkinos sind in den 30er und 40er Jahren meist kleine Familienunternehmen, die ihren Ursprung in Zirkuszelten haben, meist mit einem Last- oder Lieferwagen über die kleinen Dörfer tingeln und den Einwohnern ein wenig Aufheiterung in den meist tristen, dörflichen Alltag bringen. In dem winzigen Ort Reichenborn (Westerwald) kommen auf diese Weise beim Lustspiel 13 Stühle viele Dorfbewohner und Evakuierte in Berührung mit den Komikern Heinz Rühmann und Hans Moser. Der Krieg tobt, und es gibt immer noch Unterhaltung dieser Art. Irgendwie ist es komisch. 

13 StühleBeim reichsten Bauern des Dorfes steht eine große Scheune, die für Feste aller Art genutzt wird: Tanzabende, Versammlungen – und sie dient auch dem Wanderkino als Vorführsaal. Ein altes und bereits ziemlich klappriges Auto mit Holzvergaser rumpelt über die holprige Straße auf den Hof; eine Leinwand wird ausgeladen und schnell aufgestellt, Lautsprecher und dazu ein 16-Millimeter-Projektor installiert. Es ist ein Sonntag im wahrhaft sonnigen Frühjahr 1945, die Alliierten sind im Sommer zuvor bereits an der Küste der Normandie gelandet, aus den Volksempfängern tönt nach den Berichten „über die Lage“ vor allem Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung. Doch das tägliche Brot der aus der Stadt Geflüchteten hieß bisher Fliegeralarm, Entwarnung, Bunker, Brand- und Sprengbomben, Hunger und viel Angst.

Nach mehrtägigen, schweren Fliegerangriffen im März 1944 sind viele „Ausgebombten” aus Frankfurt nach Reichenborn evakuiert worden. Doch auch die Kinder spüren – obwohl es hier vorerst noch einigermaßen ruhig zugeht – das Kriegsende nahen. Auf der etwas entfernten Landstraße ziehen Kolonnen von deutschen Militärfahrzeugen vorbei, eindeutig auf dem Rückzug, am Frühlingshimmel transportieren amerikanische und britische Fliegerbände ihre tödliche Last in die Großstädte. Und nun also als Abwechslung der Kinotag.

Die Jugendlichen und Kinder im Dorf wissen gar nicht, was gezeigt werden soll, der Vorführer macht ein Geheimnis daraus, warum auch immer – dann flimmert der Titel über das provisorische aufgespannte weiße Tuch: 13 Stühle mit Heinz Rühmann und Hans Moser. Rühmann macht eine Erbschaft, die aus 13 Stühlen besteht; enttäuscht verkauft er das anscheinend nutzlose Mobilar an den Trödler Hans Moser. Erst später findet er einen Brief der verstorbenen Tante, die ihm mitteilt, in einem der 13 Stühle seien 100 000 Mark eingenäht.

O Schreck! Die Stühle sind längst verscherbelt. Rühmann verspricht Moser eine Beteiligung und beide beginnen, fieberhaft die Stühle zu suchen. Diese Suche ist verbunden mit allerlei Verwicklungen, wobei beide sogar zwischenzeitlich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Alle Stühle werden schließlich gefunden, erst im letzten ist das Geld versteckt, und der wird ausgerechnet in einem Kinderheim gefunden. Die Heimleiterin und die Kinder glauben an eine großherzige Spende, was Rühmann und Moser (natürlich) veranlasst, edelmütig auf das Geld zu verzichten.

Doch das wäre kein schönes Ende für ein Lustspiel dieser Prägung. Rabe erfindet ein Haarwuchsmittel, wird reich und beteiligt auch Moser. Ende gut, alles gut! Nicht ganz: Die Idee des Films beruht auf dem Roman Zwölf Stühle der sowjetischen Schriftsteller Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, doch wegen der jüdischen Herkunft eines der beiden Autoren darf in der Nazizeit und nach dem „Anschluss“ Österreichs  – angeordnet vom Propaganda-Ministerium – im Vorspann davon nichts erwähnt werden. Doch das erfahren die meisten, die in Reichenborn dabei sind, erst viel später.

Daten zum Film

13 Stühle  (Illustrierter Filmkurier 2840) ist ein deutsch-österreichisches Lustspiel der Emo-Film Wien von 1938 nach einer Vorlage von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow.  Unter der Leitung von  Regisseur E. W. Emo spielen Heinz Rühmann (als Friseur Felix Rabe), Hans Moser (als Trödler Alois Hofbauer) sowie Annie Rosar (Karoline), Hedwig Bleibtreu (als Oberschwester im Waisenhaus) sowie Rudolf Carl (als Portier) die wichtigsten Rollen. Weitere Darsteller sind Inge List, Alfred Neugebauer, Maria Walter. Das Drehbuch ist von Peer Schwenzen, an der Kamera steht Eduard Hösch, Musik komponiert von Nico Dostal.

Erstaufführungen am 16. September 1930 im Capitol in Dresden und am 20. September 1938 in Wien. Gesehen vom Autor im Frühjahr 1945 im Wanderkino in Reichenborn (Westerwald)