Das späte Mädchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1154 (E. S.) – Die Frankfurter erleben Anfang Juni 1952 ein zunächst nebensächlich erscheinendes Ereignis, das aber die Bundesrepublik in den Jahren danach entscheidend mit prägen wird. Am Ostbahnhof eröffnet nämlich Josef Neckermann das erste Versandhaus in Deutschland.

Das späte MädchenMitte Juni eröffnet im Nordend aber auch ein weiteres Frankfurter Kino. Es ist das inzwischen 54. Lichtspiel-Theater in der wachsenden Mainmetropole und ein Neubau im Erdgeschoss eines Geschäfts- und Wohnhauses. Betreiber sind die Brüder Friedrich und Helmut Wollenberg mit ihrer Hessenfilm GmbH. Nach der Straße, in dem es errichtet worden ist, wird das Theater Glauburg-Palast genannt. Die „Frankfurter Rundschau” schreibt am 23. Juni über das Theater: „Der geschmackvolle, in zartem Reseda und Altrosa gehaltene Zuschauerraum mit der muschelförmigen, hellen Decke macht einen behaglich-ruhigen Eindruck. Von allen 750 mit hellbraunem Cord bezogenen Flachpolsterstühlen hat man einen guten Blick auf die Leinwand.” Auf dieser Leinwand sehen die Premierengäste in festlicher Stimmung den deutschen Spielfilm Das späte Mädchen, von dem jedoch niemand genau einzuordnen weiß, ob es ein Melodram, ein Liebesfilm oder eine leichte Komödie ist.

Die Handlung ist auch ziemlich schlicht. Immerhin geht alles gut aus, dem Happyend steht nichts im Weg, also ist es vielleicht doch eher eine Komödie, auch wenn sie den meisten Besuchern nicht in allen Phasen locker-flockig entgegenkommt, sondern sich eher ein bisschen zähflüssig über die neue Leinwand quält.

Ob es vielleicht am norddeutschen Idiom liegt? Die ledige Hotelangestellte Ernestine Stengel (Carsta Löck) jedenfalls vergisst über ihrer verantwortungsvollen Arbeit in einem kleinen Hotel völlig die Liebe (und damit auch das Leben). Doch ein schriftstellernder Stammgast weckt ihr Interesse. Die beiden kommen sich bald näher, und als sie erfährt, dass dieser Dr. Hans Ahlgrimm (Hans Nielsen) sie in seinem Werk als Vorbildfigur darstellt, finden sie gemeinsam ein spätes Glück.

Daten zum Film

Das späte Mädchen (IFB Nr. 1154) ist eine Komödie aus Deutschland aus dem Jahr 1951 (Rondo-Film), Regisseur ist Hans Hinreich, die Hauptdarsteller sind Carsta Löck (als Hausdame Ernestine Stengel) und Hans Nielsen (als Schriftsteller Dr. Hans Nielsen), weitere Darsteller sind Rudolf Reiff, Maria Krahn, Harald Holberg und Marina Ried. Die deutsche Erstaufführung ist am 24. August 1951, Frankfurter Premiere am 21. Juni 1952 im Glauburg-Palast..