Absender unbekannt

Illustrierte Filmbühne Nr. 623  (E. S.) – Wieder einmal gemeinsam zeigen die vier Stadtteilkinos Schauburg (Bornheim), Titania (Bockenheim), Harmonie (Sachsenhausen), Kammer-Lichtspiele (Höchst) ab Freitag, 17. März 1950, in Frankfurt am Main in Zweitaufführung den Film Absender unbekannt, nachdem die Komödie am 24. Februar im Metro im Schwan gestartet ist.

Absender unbekanntDer locker gedachte Streifen ist durchaus nett und mit einigen hübschen Dialogen versehen, allerdings klatschen sich die Kino-Besucher nicht gerade vor Begeisterung auf die Schenkel. Das wäre gewiss auch zu viel verlangt. Die „Real-Film“ aus Hamburg versucht immerhin in Ansätzen etwas mehr zu bieten als nur Geplapper an einer Mädchenschule. Der Kritiker der „Frankfurter Rundschau” meint jedenfalls, die Handlung sei zwar belanglos, „aber witzig pointiert.” Dabei wird auch in einigen karikierenden Szenen die Prüderie der beginnenden Adenauer-Ära auf’s Korn genommen, aber diese Versuche sind eher halbherzig und bleiben in Ansätzen stecken. Real-Boss Walter Koppel hat zu dieser Zeit gewiss anderes im Sinn als sich in scharfer Gesellschaftskritik zu üben. Der Produzent muss zwangsläufig einiges an seichter Unterhaltung abliefern, um mit den Gewinnen aus solchen Streifen dann ambitioniertere Projekte verwirklichen zu können. Dem von den Nazis verfolgten Koppel geht es in dieser Hinsicht genauso wie dem Berliner CCC-Chef Arthur Brauner. Nur erfolgreiche leichte Ware macht Ernsthaftes  möglich.

Regisseur Ákos von Ráthonyi nimmt einige aus anderen Schülerfilmen bereits bekannten Elemente – auch aus „Der Feuerzangenbowle” aus dem Jahr 1944 – auf, ohne allerdings nur im entferntesten den Witz dieser in den letzten Kriegstagen fertig gestellten und erst nach der Kapitulation gezeigten Schulkomödie zu erreichen. Immerhin gibt es auch an dieser Mädchenschule die obligatorischen Streiche, die meisten Lehrer werden gründlich karikiert, wobei auch eine Liebesgeschichte mit all ihren üblichen Verwicklungen nicht fehlen darf.

Weil in der Zeitungswerbung lauthals versprochen wird, es handele sich bei dem Film um ein Lustspiel mit „Bombenbesetzung” (siehe: Filmdaten unten), ist der Zuspruch durchaus beachtlich. Gleichwohl bleibt der Film nicht lange im Gedächtnis haften; erst das vergilbte Programmheft der „Illustrierten Filmbühne” weckt noch einmal die Erinnerungen an diesen Nachkriegsfilm.

Daten zum Film

Absender unbekannt ist eine Unterhaltungskomödie der Real-Film aus dem Jahr 1950. In Österreich bekannt als Paulchen und die Mädchenschule. Ákos von Ráthonyi heisst der Regisseur, Darsteller sind unter anderen Bruni Löbel (als Magda Lehmann), Käthe Haack (als ihre Mutter), Cornell Borchers (als Dr. Elisabeth Markert), Henny Porten (als Schuldirektorin), Hans Richter (als Dr. Alfred Braun), Paul Kemp (als Schuldiener). Außerdem dabei sind Ursula Herking, Rudolf Platte, Volker von Collande. Mit Willy Winterstein an der Kamera und Franz Grothe als Musikmacher sind durchaus auch Schwergewichte des Films an Bord.

Die deutsche Erstaufführung ist am 10. Februar 1950, in Frankfurt am Main wird der Film am 24. Februar im Metro im Schwan gestartet (anwesend dabei Henny Porten, Cornell Borchers und Hans Richter), vom Autor gesehen am 17. März 1950 in der Harmonie. – Erstaufführung in Österreich: 8. Dezember 1950.