Adoptiertes Glück

Illustrierte Filmbühne Nr. 113 und 1221 (E. S.) – Die kesse norwegische Eiskunstläuferin Sonja Henie vergoldet ihr Talent schon seit 1936 in Revuefilmen – natürlich immer auf Eis – und der begabt-geniale Bandleader Glenn Miller gibt in diesen Jahren mit seinem berühmten Sound ebenfalls richtig Vollgas. In der Musical-Komödie Adoptiertes Glück sind beide zu sehen, Miller gibt dabei nicht nur den flotten, musikalischen Takt vor, sondern auch sein Debüt als Darsteller (Phil Corey).

Adoptiertes GlückAls der Film nach dem Zweiten Weltkrieg (1947) vom amerikanischen Militärverleih und der Export-Organisation der Verleiher (MPEA) in die deutschen Kinos gebracht wird, ist der Musiker schon seit drei Jahren verschollen. Als Todestag von Miller gilt der 15. Dezember 1944. An diesen Tag befindet sich der Musiker auf einem Flug von London nach Paris, wobei die kleine Maschine mit Glenn Miller an Bord über dem Ärmelkanal abstürzt. Über den Tod von Glenn Miller gibt es viele Theorien, wovon eine besagt, Millers Flugzeug sei von britischen Bombern getroffen worden, als diese sich auf dem Rückflug nach England ihrer überzähligen tödlichen Last – wie damals von den britischen Militärs aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben – vor der Landung in England „entledigt” hätten.

Doch wie auch immer es gewesen sein mag, bietet mir dieser Film zum ersten Mal den Genuss des legendären Miller-Klangs und gleichzeitig die Auftritte von Sonja Henie. Diese Filmshow und die Musik sind wie geschaffen dafür, um die schrecklichen Erlebnisse der vergangenen Jahre und die entbehrungsvolle Nachkriegszeit in den Hintergrund zu drängen.

Wer den Film (wie ich) erst 1949 sieht, ist ohnehin natürlich längst über Millers tragisches Schicksal informiert, doch schmälert dies den Genuss an dem bunten Streifen kaum, verstärkt sogar das allgemeine Interesse. Denn es sind ja nicht allein die herrlichen Naturaufnahmen, die Sonne, der Pulverschnee und die rasanten Skiabfahrten, welche die 86 Filmminuten zu einem unvergessenen Erlebnis für den Zuschauer werden lassen, es ist eben gerade der Glenn-Miller-Sound, der die Zuschauer anlockt. Miller glänzt vor allem mit der Eigenkomposition „Chatanoga Choo Choo”, spielt aber auch andere Stücke, darunter die einfühlsame „Moonlight Serenade”.

Komplikationen unvermeidbar

Die Filmhandlung ist nur Staffage für das schillernde Treiben und auch ein bisschen dürftig. Die als Werbegag gedachte Adoption eines norwegischen Flüchtlingskindes löst jedenfalls in dem reisenden Tanzorchester ziemlich viel Wirbel aus, vor allem als sich herausstellt, dass es sich bei der Adoptierten keineswegs um ein Kind handelt, sondern um  eine junge Frau. Da sind Komplikationen unvermeidbar.

Die herzige Norwegerin Sonja Henie, die von den Deutschen schon immer liebevoll „Häseken” genannt wird, hat nebenbei bemerkt nach drei Olympiasiegen, zehn WM- und sechs Europatiteln ihre sportliche Laufbahn als Eiskunstläuferin zugunsten einer Filmkarriere beendet.

Daten zum Film

Adoptiertes Glück (Filmbühne Nr. 23 des II. Jahrgangs, später neu sortiert und als Nr. 113 der Illustrierten Filmbühne aufgelegt, in einer Neuauflage als Nr. 1221 katalogisiert) heisst im Original Sun Valley Serenade und ist eine amerikanische Musicalkomödie der 20th Century Fox aus dem Jahr 1941. Regisseur H. Bruce Humberstone lässt auf der Leinwand die ehemalige weltberühmte Eiskunstläuferin Sonja Henie als Karen Benson agieren; neben ihr sind John Payne (als Ted Scott) und Glenn Miller (als Phil Corey) zu sehen.

Die deutschen Stimmen kommen von Erik Schumann (John Payne), Renate Barken (Sonja Henie) und Rolf Heydel (Glenn Miller). – Der Film startete zunächst mit deutschen Untertiteln, wurde aber 1949 in München synchronisiert. – Die Erstaufführungen: 21. und 29. August 1941 in New York und den USA, in der US-Zone Anfang März 1947, gesehen vom Autor im Jahr 1949 in der Harmonie in Frankfurt-Sachsenhausen.