Die Frau, von der man spricht

Illustrierte Filmbühne Nr. 22 (© E. S.) – Zwei Jahre nach Kriegsende wird im Herbst 1947 in den Scala-Lichtspielen in der Schäfergasse, ganz am hinteren Ende, wo links die Stephanstraße einmündet und rechter Hand Alte Gasse und Große Friedberger Straße mit der Vilbeler Straße eine Kreuzung bilden, der Film Die Frau, von der man spricht gezeigt. Kurz zuvor erst hat das Kino mit dem Abenteuerstreifen In Ketten um Kap Horn nach Wiederaufbau und umfangreicher Renovierung eröffnet.

Die Frau, von der Man sprichtDie Schlange der Andrängenden ist riesig an diesem Sonntag,  alle wollen eine der Eintrittskarte ergattern, denn Unterhaltung wird in diesen Tagen, Monaten und Jahren als Therapie zur Bewältigung der jüngsten Vergangenheit groß geschrieben. Egal, ob Kino oder etwas anderes: Ablenkung von täglichen Sorgen hat für die Menschen eine hohe Priorität. Auch der Sport trägt seinen Teil dazu bei. Tags zuvor hat am Bornheimer Hang die Frankfurter Eintracht in der Süddeutschen Fußball-Oberliga gegen die Sportfreunde aus Stuttgart 3:1 gewonnen, wobei Albert Wirsching, Adam Schmitt und Heinz Baas vor 8000 Zuschauern die Tore schießen.

Der blonde Wirsching ist ein bekannter Fuball-Star in Frankfurt, der in der Sachsenhäuser Wallstraße an der Einmündung zum Abtsgäßchen und neben dem Fichtekränzi (Werbespruch: „Wo’s Kränzi hängt, werd’ Ebbelwei heut ausgeschenkt”) wohnt. Wenn er sommerabends aus dem Fenster guckt, spielen die Buben auf der Straße intensiv mit dem notdürftig hergerichteten Ball, um ihm zu imponieren.

Das Scala-Theater hat als eines der wenigen Kinos in Frankfurt die Bombenangriffe einigermaßen unbeschädigt überstanden. Es ist eines der ältesten Kinos in Frankfurt, wurde schon vor 1920 zum ersten Mal bespielt. Direkt links neben der Scala stehen nur noch die Außenmauern eines Hauses, rechts gibt es massive Beschädigungen, die Scala-Fassade aber ist erhalten geblieben, von Einschlägen der Bombensplitter einmal abgesehen.

Eine breite Plakattafel über dem Eingang kündigt die Hauptdarsteller Spencer Tracy und Katharine Hepburn an, synchronisiert von Walter Richter und Carola Höhn. Wie schön, keine Untertitel; sogar auf dem Filmprogramm wird vermerkt: „In deutscher Sprache“.

Die meisten im Kino haben keine Ahnung, wer die beiden US-Stars sind, aber es ist eine vergnügliche Geschichte. Beworben wird der schon 1942 entstandene Film auch mit dem Hinweis, dass es in Hollywood einen Oscar für das Original-Drehbuch gegeben hat.

Die Story spielt im Zeitungsmilieu und das interessiert viele Besucher. Eine recht eigenwillige und kesse Polit-Kolumnistin heiratet einen eher bodenständigen Sportreporter und bis die beiden sich endlich zusammen gerauft haben, fließt viel Ebbelwei durch durstige Kehlen. Die Screwball-Comedy ist flott und mit viel Humor gewürzt.

Daten zum Film 

Die Frau, von der man spricht (Illustrierte Filmbühne Nr. 22 – zuvor erschienen als Nr. 22 des dritten Jahrgangs) ist eine US-Komödie aus dem Jahr 1942, produziert von Metro-Goldwyn-Mayer unter der Leitung von George Stevens. – Darsteller: Katharine Hepburn (als Zeitungskolumnistin Tess Harding), Spencer Tracy (als Sportreporter Sam Craig), Fay Bainter, Reginald Owen, William Bendix. – Deutsche Stimmen: Carola Höhn (Katharine Hepburn), Walter Richter (Spencer Tracy). – Welturaufführungen am 19. Januar 1942 in den USA und am 5. Februar 1942 in New York City, ab  September 1947 in Deutschland, darunter ab 26. 9. 1947 in der Frankfurter  Scala.