Arche Nora

Illustrierte Filmbühne Nr. 48  (E. S.) – Trotz vieler Widrigkeiten des Lebens geht es in und rund um Frankfurt am Main im Jahr 1948 auch irgendwie mit der Unterhaltung weiter voran; die Menschen lechzen drei Jahre nach dem Ende des Krieges verstärkt auf bessere Zeiten, brauchen immer noch Ablenkung vom tristen Alltag und freuen sich wirklich auf jede Abwechslung.

Arche NoraDas Programm weitet sich täglich aus. Im bekannten „Franz Althoff-Bau“ im Frankfurter Zoo – in den ersten Nachkriegsjahren eine Unterhaltungsstätte für die Frankfurter Bevölkerung – gastiert das „Deutsche Theater München“ mit dem Singspiel „Im weißen Rössl” und in den Scala-Stuben in der oberen Schäfergasse spielt das bekannte Trio Eugen Kratz zum Tanz auf, in der Bornheimer Palette (in der Bergerstraße) schließlich gastiert das Kabarett „Plus und Minus” mit Nachtvorstellungen  („Nach der Vorstellung Straßenbahnanschluss nach allen Richtungen”), wobei auch die beliebte Filmschauspielerin Mady Rahl auftritt. Und im Casino in Stadtteil Höchst läuft der deutsche Film Arche Nora, der sich noch auf Kriegserlebnisse bezieht, aber schon längst kein „Trümmerfilm“ mehr sein will. Die Handlung ist deshalb auch eher belanglos, soll aber durchaus den Eindruck erwecken, dass man auch nach Nackenschlägen nicht aufstecken soll, und Lebensmut in allen Lagen gefragt ist. Wirkt allerdings in dieser Zeit als zu moralisierend und aufgesetzt.

Zwei junge Männer (Harry Meyen als Peter Stoll) und Klaus Hofer (als Klaus Schriewer) zimmern sich in einem Schiffswrack namens Arche Noah eine neue Unterkunft zurecht. Doch als die schwangere Nora Wendler (Edith Schneider) nach einem Suizid-Versuch in ihr Leben tritt, wird das Schiffchen natürlich schnellstens – wer hätte das nicht gedacht? – auf den Namen Arche Nora umgetauft.

Doch das Problem für die jungen Burschen ist Noras Ehemann (Peter Schütte) der vom Krieg gebeutelt ist und sich im Leben nur noch schwer zurecht findet. Wie nicht anders zu erwarten, geht aber alles gut aus. Die vier jungen Leute begeben sich allesamt mit einigen Anflügen von Humor (und dem Willen alles besser zu machen) in ein neues Leben.

Daten zum Film

Arche Nora (Illustrierte Filmbühne Nr. 48) ist ein deutscher Nachkriegsfilm der Real-Film von Walter Koppel aus dem Jahr 1948 und zählt schon nicht mehr zur Kategorie der so genannten „Trümmerfilme”. Es ist der erste Spielfilm der Real. Die Regie führt Werner Klingler, als Darsteller agieren unter anderen Edith Schneider (als Nora Wendler), Claus Hofer (als Klaus Schriewer), Harry Meyen (als Peter Stoll), Willy Maertens (als Grundstücksbesitzer Willi Lüdecke), Peter Schütte (als Ehemann Jochen Wendler). Die Erstaufführung war am 6. Februar 1948 im Waterloo in Hamburg; in Frankfurt wird der Film in der Zweitverwertung Ende August 48 im Höchster Kino Casino gezeigt.