Melodie des Schicksals

Illustrierte Filmbühne Nr. 922 (© E. S.) Am Anfang der Fünfziger Jahre schießen in Frankfurt am Main die Kinos wie Pilze aus dem Boden. Das oft zitierte und beschworene „Wirtschaftswunder” kommt langsam ins Rollen, die Menschen suchen ihr Vergnügen nach den Kriegsjahren in den Kinos, im April 1951 gibt es außerdem schon die erste „Internationale Automobilschau“ auf dem Messegelände an der Festhalle; ganz klar, die Massenmotorisierung wirft ihre Schatten voraus – und in der Mainzer Landstraße 430 wird am 28. Juni 1951 als 49. Lichtspieltheater nach Ende des Krieges das „Arkaden“ eröffnet. Kein Wunder, Lichtspielhäuser versprechen Profit.

Melodie-neuDas Lichtspielhaus befindet sich in einem Eckhaus im westlichen Gallus, einem Stadtteil, der vorwiegend von Arbeitern bewohnt wird und von den Frankfurtern aus nicht eindeutig geklärten Gründen auch „Kamerun” genannt wird. In diesem reinen Arbeiterviertel produzieren die „Adlerwerke” Schreibmaschinen und Motorräder, andere Industriebetriebe sind ebenfalls vorhanden. Der Eingang zum neuen Lichtspieltheater befindet sich direkt an der Abzweigung zur Rüsselsheimer Straße, der Namen bezieht sich auf die Arkaden, die den großzügigen Eingang zieren. Besitzerinnen sind die beiden Frauen Elisabeth Schneider und Else Maschauer. Es gibt eine sehr launige Eröffnungsrede von Botho Jung, einem in diesen Jahren sehr populären und beliebten Nachrichtensprecher von Radio Frankfurt und Hessischem Rundfunk. Als Eröffnungsfilm läuft  Melodie des Schicksals, ein Streifen, der seine Premiere in der Frankfurter Innenstadt allerdings schon einige Wochen hinter sich hat. In dem Melodram selbst geht es um Liebe, Leidenschaft, Sühne und Versöhnung  im Künstlermilieu.

Der bislang eher erfolglose Komponist Martin Ehrling (Matthias Wiemann) schießt dabei auf seinen besten Freund, den Dirigenten Ewald Bergius (Victor de Kowa),  nachdem sichbdieser sich mit Ehrlings Frau Carola eingelassen hat. Bergius erholt sich schnell wieder von seinen körperlichen Blessuren, ist aber seelisch angegriffen. Martin Ehrling dagegen – verurteilt wegen versuchten Totschlags – findet im Gefängnis zurück zur Musik: er komponiert ein Klavierkonzert, das nach seiner Entlassung mit großem Erfolg aufgeführt wird. Die tragischen Ereignisse haben ihn geläutert, und weil er erkennt, dass seine Frau Carola und Bergius sich immer noch lieben, gibt er großmütig seine Frau frei für Bergius. Am Ende sind also die drei Hauptakteure wieder friedlich vereint, was allerdings als ziemlicher Humbug erscheint.

Das Kino mit seinen 660 Plätzen selbst wird übrigens nur 15 Jahre überleben – danach muss es der Erfolgsgeschichte des Fernsehens weichen und seine Pforten schliessen. Und die Arkaden stehen auch nicht mehr.

Daten zum Film

Melodie des Schicksals (Illustrierte Filmbühne Nr. 922) ist ein deutsches  Schwarzweiß-Drama von 1950, hergestellt von der Jungen Film-Union. Die Länge des Films hat 88 Minuten. Unter der Regie von  Hans Schweikart spielen Victor de Kowa (als Dirigent Ewald Bergius), Matthias Wiemann (als Klavierlehrer Martin Ehrling), Brigitte Horney (als dessen Ehefrau Carola Ehrling). Außerdem sind Fita Benckhoff und Franz Schafheitlin zu sehen. Das Drehbuch stammt von Adolf Schütz und Paul Baudisch, die Kamera wird von Franz Weihmayr geführt. Die Musik ist komponiert von Werner Eisbrenner. – Deutsche Erstaufführung am 6. Oktober 1950, in Frankfurt vom Autor am 28. Juni 1951 bei der Eröffnung der Arkaden-Lichtspiele gesehen.