Artistenblut

Illustrierte Filmbühne Nr. 286  (E. S.) – Das Schwanen-Kino in der Leipziger Straße 91, nahe des großen Straßenbahn-Depots an der Bockenheimer Warte, wünschen uns allen per Zeitungsanzeige ein „Frohes Weihnachtsfest 1949”. Aus diesem schönen Anlass wird dort der Film Artistenblut gespielt. Gelegenheit für einen Besuch, ergibt sich für mich erst nach den Feiertagen.

ArtistenblutDoch wer weiß schon vorher, was ihn erwartet? Versuch und Irrtum liegen dicht beieinander. Nach 96 Minuten weiß man, dass es einer jener vielen belanglosen Filme ist, die vier Jahre nach Ende des Krieges vermehrt  in die Kinos schwappen. Die Zeit, in der engagierte Filmemacher sich bemühten, kritisch mit der jüngsten Vergangenheit umzugehen,  geht dem Ende entgegen; vor einigen Monaten ist die  Bundesrepublik als neuer Staat entstanden und nun rückt immer mehr der kommerzielle Aspekt in den Vordergrund, wobei törichte Unterhaltung immer modischer wird. Gedreht von den zwei Firmen Komet und Ondia, die nach diesem Streifen geschäftlich nicht mehr so recht reüssieren können, wird die Zeit im Kino dann doch weniger zu einem wirklichen Genuss und Festprogramm. Zwar werden einige in diesem Genre populäre Darsteller, darunter Hans Richter, Hubert von Meyerinck und Grethe Weiser ins Rennen geschickt, aber trotz dieser Namen bleibt die Angelegenheit dünn. Die Handlung bietet jedenfalls insgesamt wenig Spritziges, auch der Einfall, einen als Kaufmann eher unzufriedenen Ex-Clown (Hans Richter), per Verwechslung mit einem Doppelgänger wieder in seinem geliebten, alten Beruf zu hieven, ist wenig überzeugend.

Der Kaufmann findet zurück zu den alten Wurzeln und am Ende sind im Film alle zufrieden, die meisten Kinobesucher offensichtlich auch, ich jedoch bin von diesem Lustspielchen mehr als enttäuscht.

Daten zum Film

Artistenblut (Illustrierte Filmbühne Nr. 286) ist ein deutsches Lustspiel aus dem Jahr 1949. Die Regie liegt in den Händen von Wolfgang Wehrum, er schreibt auch am Drehbuch mit und besorgt zudem den Schnitt. Als Darsteller treten Hans Richter (als Artist Antonio und als Kaufmann Anton Lammbein), Dorit Kreysler (als Dolmetscherin Lissy Schilling), Fritz Odemar (als Fabrikbesitzer Steffens), Karin Jacobsen (als seine Tochter Hannelore), Hubert von Meyerinck (als Manager Ricardo Pisetti) und Grethe Weiser (als Kabarettistin) auf. – Die Firma Komet dreht nur diesen einen Film, die Ondia bringt es immerhin auf drei, ehe bei ihr die Lichter ausgehen.

Die Erstaufführung ist am 26. August 1949, in Frankfurt startet der Film Anfang November 1949 im Filmpalast, gesehen vom Autor  im Schwanen (zwischen Weihnachten und Neujahr 1949/50).