Bandito

Illustrierte Filmbühne Nr. 1132 (E. S.)  – Für den italienischen Film ist es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fast selbstverständlich, sich mit der schwierigen, sozialen Situation der einfachen Menschen zu beschäftigen. Unter diesen Umständen entstehen einige der besten Streifen der Filmgeschichte. Darunter ist auch „Bandito“ von Alberto Lattuada aus dem Jahr 1946.

BanditoBildViele Gründe spielen für das, was Filmhistoriker als Neorealismus bezeichnen, eine gewichtige Rolle. Weil die Filmstadt Cinecittà vor den Toren Roms von Flüchtlingen belegt ist, und es an allen Materialen fehlt, die zum Filmen notwendig sind, gehen die italienischen Filmemacher auf die Straßen, drehen in den Trümmer der Städte und zeigen das Elend des besiegten Landes. Oft wird nur mit Laiendarstellern gearbeitet, weil kein Geld vorhanden ist. So entstehen unter anderen die Rosellini-Streifen „Rom – Offene Stadt”, „Paisà”, „Deutschland im Jahre Null” sowie „Fahrraddiebe” und „Schuhputzer” (von Vittorio de Sica), um nur einige der wichtigsten zu nennen. Auch der Film Bandito von Regisseur Alberto Lattuada gehört zu diesem Filmen, obwohl sich in diesem Streifen reißerische Elemente mit melodramatischen Akzenten vermischen. Anna Magnani, die Hauptdarstellerin wie in vielen italienischen Werken der Nachkriegszeit, ist neben den Regisseuren der große Star dieser Zeit.

Bandito lebt von all den Elementen, die auch in anderen Filmen dieser Zeit eine zentrale Rolle spielen: Die Hoffnungslosigkeit von Kriegsheimkehrern, die Not in den Städten, das vom Elend hervorgerufene Verbrechen, Prostitution in der eigenen Familie, die dann zu Mord und Totschlag führt. Die melodramatischen Züge dieses neorealistischen Kriminalfilms sind verbunden – anders als andere Filme aus Nachkriegsitalien – mit einer ausgeprägten pessimistischen Grundeinstellung. Schauspielerisch jedoch wieder einmal herausragend.

Daten zum Film

Bandito (Illustrierte Filmbühne Nr. 1132) ist ein italienischer Kriminalfilm mit melodramatischem Charakter und dem Originaltitel Il Bandito. Hergestellt im Jahr 1946 von der Firma Lux in einer Länge von 82 Minuten. Unter der Regie von Alberto Lattuada sind in den wichtigsten Rollen die Darsteller Anna Magnani (als Lidia), Amedeo Nazzari (als Ernesto), Carla del Poggio (als Maria) und Carlo Campanini (als Carlo) eingesetzt. Produzent ist Dino De Laurentiis, das Drehbuch stammt von I. Biancoli, die Kameraarbeit verrichtet Aldo Tonti, die Musik komponiert Felice Lattuada. – Welturaufführung beim Filmfestival in Cannes im September 1946. Premiere in Italien am 5. Oktober 1946, deutsche Erstaufführung am 17. August 1951. Gesehen vom Autor Ende 1951 in einem Frankfurter Stadtteilkino.