Das gibt es nur in Texas…

Illustrierte Filmbühne Nr. 840 (E. S.) – Fast täglich ist 1950 die Sängerin Evelyn Künneke entweder zusammen mit Horst Winter oder Hans Albers im Radio mit dem Schlager „Was wissen sie von Texas“ (amerikanisches Original: „Deep in the Heart of Texas“) zu hören. Solche Hits versprechen gute Werbung und so ist es kein Wunder, dass noch im August ein Film mit dem Titel Das gibt es nur in Texas in die Kinos kommt. Klappern gehört eben zum Handwerk der Kinobranche.

Das gibt es nur in TexasDer amerikanischer Western aus dem Serial der „Drei Musketiere“ ist im Original nur 55 Minuten lang, das übliche Format für einen B-Film; hierzulande hat er aber plötzlich – und angepasst an den Zwei-Stunden-Rhythmus deutscher Kinos – eine Länge von fast 90 Minuten. Verlängert wohl mit einigen Resten des übrigen Schnittmaterials. Die  deutsche Werbeabteilung des Verleihs macht aus dem eher läppischen Film mehr als er tatsächlich ist. In den Zeitungen erscheinen dann auch Anzeigen, in denen ein „aufregender Wild-West-Film mit den drei Musketieren der Prärie” und mit dem bekannten Schlager „Was wissen sie von Texas…“ angepriesen werden. Als die großen Western-Helden werden Ray („Crash”) Corrigan, John („Dusty”) King sowie Max („Alibi”) Terhune für die Frankfurter Erstaufführung in den Eden-Lichtspielen angekündigt. Und dieses Trio gibt es den Bösewichten dann auch ordentlich. Halsbrecherische Hetzjagden zu Pferde und prächtige Knockouts reihen sich aneinander oder wechseln sich fast nahtlos ab.

Reiten und Schießen ist das tägliche Brot dieser Gutmenschen bei der Entlarvung der bösen Gangster. Boden- und Ölspekulanten entpuppen sich im Film dabei (natürlich) als eiskalte Mörder eines (natürlich) aufrechten Farmers. Die kriminellen Machenschaften werden umrahmt von fröhlichem Gesang und den Scherzen von Max Terhune, der auch mit seiner Puppe Elmer als pfiffiger Bauchredner auftritt.

Farina wird Formel 1-Weltmeister

Obwohl solche einfach gestrickten Western nicht unbedingt meine Welt sind, ist das Eden andererseits für mich – ich wohne in der Nähe des Lokalbahnhofs in Sachsenhausen – auch zu Fuß schnell erreichbar, ein Gang über die Obermain-Brücke genügt; es ist das am schnellsten erreichbare Kino jenseits des Mains. Und das spielt eine wichtige Rolle. Weil ich mich im Kino „vergnüge“ verpasse ich jedoch eine interessante Radio-Übertragung im Sportfunk – vielmehr habe ich sie glatt vergessen. In Monza wird nämlich zur gleichen Zeit, als ich den Film sehe, der Italiener Guiseppe Farina als erster Rennfahrer Weltmeister in der Formel 1-Geschichte. Außer mir hat das aber ohnehin kaum jemand zur Kenntnis genommen, wie auch den eher dürftigen Berichten im Sportteil am Montag zu entnehmen ist.

Daten zum Film

Das gibt es nur in Texas… (Illustrierte Filmbühne Nr. 840) mit dem Originaltitel Texas Trouble Shooters ist ein Film der Monogram im deutschen Verleih der Viktoria-Film, hergestellt im Jahr 1942. Unter der Regie von S. Roy Luby spielen Ray Corrigan (als „Crash“ Corrigan), John King (als „Dusty“ King), Max Terhune (als „Alibi“ Terhune). Erstaufführung in den USA am 12. Juni 1942, in der Bundesrepublik erstmals am 1. August 1950 in den Kinos. In Frankfurt im Eden am 1. September angelaufen; vom Autor gesehen am Sonntag, 3. September.  Ray Corrigan hat bereits in den Jahren 1938 und 1939 mit dem damals noch weitgehend unbekannten John Wayne in acht B-Western für die Republic-Film in der früheren „Musketier-Serie“ mitgewirkt. Diese Titel lauten: Freunde im Sattel, Gold in den Wolken, Aufstand in Santa Fee, Red River Range, Reiter in der Nacht, Three Texas Steers, Wasser für Arizona, Der Bandit von Wyoming.