Berliner Ballade

Illustrierte Filmbühne Nr. 363  (E. S.) – Als die Berliner Ballade Anfang 1949 in die deutschen Kinos (und auch nach Frankfurt) kommt, ist mancher Zuschauer verwirrt ob der kuriosen, irritierenden, satirischen  Handlung, andere – vor allem professionellen Kritiker – sind begeistert, dass es deutschen Filmemachern gelungen ist, in der mehr als tristen Nachkriegszeit so etwas wie eine Satire auf Zelluloid zu bannen.

Berliner BalladeDer Streifen ist nach „Die Kupferne Hochzeit” der zweite aus der Comedia-Produktion von Heinz Rühmann und Alf Teich. Die ganze Handlung beruht auf einem Programm des Kabarettisten Günther Neumann und ist eine Satire auf das Deutschland der verworrenen Nachkriegszeit, allerdings rückblickend betrachtet aus einer fernen Zukunft, nämlich dem Jahr 2049. Ein Blick in die Beschreibung des Berliner „Illustrierten Filmkuriers” klärt den interessierten Kinobesucher auf: Ein gewisser „Otto Normalverbraucher” – in Gestalt des schmächtigen, ausgemergelten Gert Fröbe – kommt aus der Gefangenschaft ins zerstörte Berlin zurück und findet ständig neue Widrigkeiten vor.

Der für den Wahnsinn dieser Zeit viel zu naive und gutgläubige „Otto Normalverbraucher” durchwandert auf der Suche nach Arbeit und Brot die Trümmerlandschaft Berlins, besucht gelegentlich politische Veranstaltungen, erlebt Egoismus, Missmut, Gleichgültigkeit sowie alten und neuen Militarismus. Doch dann darf er sogar seiner eigenen Beerdigung beiwohnen und erlebt auch noch privates, persönliches Glück in einer Ehe.

Während die Zuschauer eher zurückhaltend auf das Dargebotene reagieren, ist die Kritik durchaus angetan von der Idee. Dem Film wird allgemein Laune, Witz und Spritzigkeit attestiert und nach der Aufführung des Film im südhessischen Darmstadt schreibt die ortsansässige Zeitung „Echo”: „Sieh da: über diesen Nachkriegsstreifen ist Rühmliches zu vermelden! Es ist ein kabarettistischer Film, … nicht boshaft, nicht wehleidig, nicht niederdrückend, sondern menschlich und, man glaubt es kaum, voll echten Humors …”

Daten zum Film

Berliner Ballade (Illustrierte Filmbühne Nummer 363 und andere) ist ein satirisch-komödiantischer Film der Comedia aus dem Jahr 1948. Unter der Regie von Robert A. Stemmle spielen Gert Fröbe (als Otto Normalverbraucher), Tatjana Sais (als Ida Holle), Aribert Wäscher (als Anton Zeithammer), Ute Sielisch (als Eva Wandel). Mit dabei sind auch O.E. Hasse, Hans Deppe, Rita Paul und Karl Schönböck. Das Drehbuch schreibt Günther Neumann nach der Kabarett-Vorlage „Schwarzer Jahrmarkt”.

Die deutsche Erstaufführung ist sinnigerweise am Silvestertag des Jahres 1948 in Westberlin, danach folgt Anfang 1949 der überregionale Start mit der Aufführung im Frankfurter Luxor (ab 11. März).