Symphonie einer Weltstadt

Illustrierte Filmbühne Nr. 847 (E. S.) – Die Weltstadt Berlin! Der Ku-Damm, Zoologischer Garten, Zeughaus, das Café Kranzler, Bolle, der Alexanderplatz, die Prachtstraße Unter den Linden – all das sind die überaus eindrucksvolle Schauplätze eines Dokumentarfilms von Leo de Laforgue, der am 12. Januar 1952 im Frankfurter Turmpalast seine westdeutsche Erstaufführung erlebt. Der Film spiegelt zwar „nur“ das Leben in der altdeutschen Metropole wider, schwappt unterschwellig auch in die Nachkriegszeit hinüber.

SymphonieIn einer Zeit, in der die große Stadt aufgrund des Untergangs des „Dritten Reiches“ schon gespalten ist, wird das Bild einer immer noch pulsierenden Weltmetropole gezeichnet, obwohl diese längst angeschlagen ist. Auch wenn der Film insgesamt eher einen Hauch von „Berliner Weiße mit Schuss“ vermittelt, enthält er  politische Akzente. Denn die zunehmend scharfen Querelen zwischen der UdSSR und der Westalliierten um den zukünftigen Charakter Berlins prägen stark das tägliche Klima – und so gerät der Blick in die Vergangenheit doch allzu nostalgisch. Gleichwohl ist der Streifen für die Politik wichtig genug, um Berlins Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter nach Frankfurt zur westdeutsche Erstaufführung zu entsenden. Mit geschickten Worten beschwört Reuter dann den Optimismus der Berliner Bevölkerung und fügt ein wenig pathetisch an, der „Wille zur Freiheit“ der ehemaligen Hauptstadt sei unsterblich („Wir beweisen das jeden Tag“). Auch Frankfurts OB Kolb erinnert in seiner Rede an die enge Verbundenheit der beiden Städte, was gerade in den Tagen der Luftbrücke zum Ausdruck gekommen sei.

Neben der Leinwand unterstreichen Berliner Fahnen mit dem aufrechten Bären das Anliegen der beiden Politiker. Die filmische Dokumentation, die dann über die Leinwand flimmert, zeigt mit Archivmaterial aus den Jahren 1940/41 und auch noch ohne die Trümmerlandschaften die Prachtstraßen und berühmten Lokalitäten der Stadt. Doch trotz des interessanten Bildmaterials ist das Dargebotene nach zeitgenössischen Berichten nicht vergleichbar mit dem hervorragenden alten Dokumentarfilm „Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt“ von Walter Ruttmann (1927). Immerhin aber wird der einstige Charme der Stadt deutlich spürbar.

Hier können Familien Kaffee kochen

Aufnahmen von Sechstagerennen, vom Flugtag in Tempelhof und dem Flug des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ über den Dächern der Stadt ergänzen die Dokumentation. Der nächtliche Lichterwald  mit den berühmten Unterhaltungstempeln Scala, Metropol und Wintergarten lassen die Metropole in besonderem Glanz erscheinen. Als Kontrast dazu Lastkähne auf der Spree oder der Blick auf Wannsee und Grunewald – und natürlich die berühmte Einladung der Wirtshäuser: „Hier können Familien Kaffee kochen“.

Sehr viel Idyllisches also dabei, aber doch auch der Realismus des täglichen Lebens. Der bekannte Berliner Theater- und Filmkritiker Friedrich Luft hat den Film mit Texten versehen, einige davon spricht er auch selbst und so entsteht am Ende ein etwas wehmütiger Rückblick, der aber gerade in der Nachkriegszeit seine Wirkung auf das Publikum nicht verfehlt.

Daten zum Film

Symphonie einer Weltstadt (Illustrierte Filmbühne Nr. 847) ist ein deutscher Dokumentarfilm von 78 Minuten Länge aus dem Jahr 1950 mit Verwendung von Filmmaterial aus dem Jahr 1941. Hergestellt von  Leo de Laforgue (Regie, Kamera, Drehbuch) und mit musikalischer Untermalung von Rudolf Kattnigg, Paul Lincke, Walter Kollo, C. Teichs und Leo Leux. Texte: Friedrich Luft. – Uraufführung in Berlin am…., die westdeutsche Erstaufführung erfolgt am 12. Januar 1952 im Frankfurter Turmpalast.