Der Rächer von Texas

Illustrierte Filmbühne Nr. 520 (E. S.)  Anfang der Fünfziger Jahre läuft in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen der Film Der Rächer von Texas, was zwar ein recht unterhaltsamer Western ist, gleichwohl aber nicht an die großen Klassiker des Genres heranreicht. Immerhin hat der Film doch einige andere Qualitäten, die den Autor doch einigermaßen überraschen. Es sind geschliffene und durchaus humorvolle Dialoge zu hören. 

RächerIn der typischen Western-Geschichte reist der frühere Revolverheld John Sands, der als ehrbar gewordener Sheriff arbeitet, in’s ferne Texas, um seinen vor kurzem ermordeten Bruder zu rächen. Dort angekommen, wird er am Tresen eines Saloons sogleich angepöbelt und zum Duell aufgefordert. Doch John Sands wehrt lässig ab und erzählt dem Großmaul vom Ausgang einer Auseinandersetzung, die er zuvor mit einem Mann namens Billy gehabt hatte. Dieser habe ihn mit den Worten provoziert: „John, gleich gibt’s nen Mord, gleich liegst du im Dreck.” Sands zitiert nun selbst seine Antwort: „Billy sagte ich, fang mal an…”  – Sheriff Sands nippt am Whisky, ansonsten atemlose Stille im Raum. Der Schießlustige fragt nach kleiner Pause gespannt: „Und was geschah dann?” – John Sands: „Er schoss mich tot!” – Ziemlich cool und locker, wie die Jugend heute wohl sagen würde. Dieser trockene Dialog ist – als Autor erfahre ich das das erst Jahre später –, einem der ganz Großen der Branche zuzurechnen. Blake Edwards hat nämlich für den 1948 gedrehten Western als noch unbekannter Mann das Drehbuch geschrieben und auch eine kleine Rolle gespielt.

In späteren Jahre macht Blake Edwards dann eine große Karriere mit seinen Rosaroten Panther- und Inspektor Clouseau-Streifen und führt auch Regie bei den Komödien „Unternehmen Petticoat”, „Frühstück bei Tiffany” sowie „Victor/Victoria”. Donnerwetter! – Wer hätte das gedacht, beim Anschauen dieses Wildwest-Streifens.

Daten zum Film 

Der Rächer von Texas (Illustrierte Filmbühne Nr. 520) mit dem Originaltitel Panhandle ist ein Schwarz-Weiß-Western der Allied Artists (USA), Produktionsjahr 1947/48. Drehbuch: Blake Edwards, John Champion. Unter der Regie von Lesley Selander agieren Rod Cameron (als Sheriff John Sands) und Cathy Downs (als Jean Stewart). Außerdem wirken mit. Reed Hadley, Anne Gwynne, Blake Edwards, Dick Crockett (Elliott). – Deutsche Synchronsprecher nicht bekannt. Gezeigt ab 6. Januar 1950 in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen und dort vom Autor gesehen. Gleichzeitig läuft der Film im Hansa, in der Schauburg und im Titania.