Goldschmuggel nach Virginia

Illustrierte Filmbühne Nr. 887 (E. S.) – Der blutige amerikanische Bürgerkrieg in den Jahren von 1861 bis 1865 bildet den Hintergrund des Films Goldschmuggel nach Virginia, obwohl das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Der Konflikt, der mit der Niederlage der Konföderierten aus dem Süden endet, ist in den 105 Minuten allgegenwärtig, wenngleich das Ganze eher als einer der üblichen Western dargeboten wird. 

GoldschmuggelDer Film kommt mit allen Zutaten daher, die einen solchen unterhaltsamen Western eben ausmachen: die schrillen Saloons und Bars, staubige Straßen, Prügeleien, Revolverduelle, rasante Ritte, Kerle von Schrot und Korn, Schlauheit und Feigheit, Heldentum – und natürlich die große Liebe. Dass bei solchen Ingredienzien die tieferen Ursachen für den Krieg weitgehend ausgeblendet bleiben, ist aus Sicht der Filmproduzenten durchaus verständlich. Denn Aufklärung ist nicht ihre Sache, sie haben das kalkulierbare Geschäft mit viel Profit auf ihren Fahnen geschrieben. Wohl deshalb auch erfährt der Zuschauer nur ganz am Rande des Films von der permanent andauernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, von der Sklaverei in den Südstaaten, der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten und dem nach und nach folgenden Austritten von South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas, North Carolina aus der Union.

Der Inhalt des Westerns ist schnell erzählt und es bedarf dabei noch nicht einmal eines Blickes in das Filmprogramm. Im Jahr 1846 arbeitet Julia Haye (Miriam Hopkins) als Barsängerin und Agentin der Südstaaten in einem Tanzlokal in Nevada City, wobei sie sich gezielt an den Unionsoffizier Kerry Bradford (Errol Flynn) heranmacht, um einen für die Konföderierten der Südstaaten vorgesehenen Goldtransport gegen die Angriffe der Union abzusichern.

Humphrey Bogart als Bandit

Das klingt eher schlicht, und erinnert an zahllose andere Geschichten von Agenten und Spionen. Weil das Ganze jedoch nicht nur packend berichtet wird, sondern eben eingebettet ist in diesen historischen Krieg, wird das Ganze spannender als gedacht, obwohl es genau genommen doch nur ein melodramatischer Western ist.

Und wie es sich gehört sind am Ende alle vereint: sowohl die feindlichen Staaten als auch die Liebenden. Humphrey Bogart ist – nur wenige Monate vom großen Durchbruch entfernt – wieder mal als Gangster in einer Nebenrolle zu erleben. Als John Murrell ist er Anführer einer Räuberbande. Ein Jahr später schafft er mit High Sierra (Entscheidung in der Sierra) den endgültigen Durchbruch im amerikanischen Filmgeschäft.

Daten zum Film

Goldschmuggel nach Virginia (Illustrierte Filmbühne Nr. 887) trägt den Originaltitel Virginia City und ist ein Wildwest-Film der Warner Bros./First National aus den Jahr 1939/40. In den Hauptrollen sind unter der Regie von Michael Curtiz in den 105 Minuten langen Streifen Errol Flynn (als Unionsoffizier Kerry Bradford), Miriam Hopkins (als Tänzerin und Agentin Julia Hayne) und Randolph Scott (als Lagerkommandant Vance Irby) zu sehen. Humphrey Bogart (als John Murrell) spielt eine Nebenrolle. Als weitere Besetzung fungieren Frank McHugh, Alan Hale, Guinn Williams, John Litel, Moroni Olsen, Russell Hicks und Ward Bond. In dem von Hal B. Wallis produzierten Film führt Sol Polito die Kamera. – Die deutschen  Synchronrecher sind Walter Klam (Humphrey Bogart), Axel Monje (Errol Flynn), Wolfgang Eichberger (Randolph Scott).

Die Welturaufführung ist am 16. März 1940 in Virginia City (Nevada), am 23. März 1940 USA-weit, am 8. September 1950 in der Bundesrepublik Deutschland; Frankfurter Premiere am 7. Februar 1951 in der Scala.