Fantomas

Illustrierte Filmbühne Nr. 595 (E. S.) – An diesen Film erinnere ich mich nur noch ungenau. Vor allem habe ich mir auf dem Filmprogramm nicht notiert, in welchem Kino ich diesen Reißer gesehen habe. Wahrscheinlich trieb der überaus unartige Herr Fantomas sein Unwesen auf der Leinwand der Harmonie-Lichtspiele in Frankfurt-Sachsenhausen. Immerhin eines meiner Lieblingskinos, aber diese Feststellung treffe ich ohne Gewähr.

FantomasRelativ harmlos beginnt in der „Illustrierten Filmbühne” Nummer 595 die Beschreibung des Films. Erzählt wird dabei die Geschichte eines Verbrechers, der die Welt beherrschen will – es wirkt alles wie eine Parabel auf frühere und noch kommende Diktatoren. Der Text lautet: “Fantomas, der geheimnisvolle Verbrecher, ‘Fürst der Schrecken’ genannt, ist tot – so glaubt man. Seine Tochter Helene kann endlich den Mann heiraten, den sie liebt, Fandor, den Journalisten. Kaum haben die jungen Leute das Rathaus verlassen, da entdeckt man die Leiche des Bürgermeisters… Fantomas, in der Maske des ermordeten Bürgermeisters, hat die ungültige Trauung vollzogen.” Doch danach geht es in der Filmhandlung erst richtig los. Der Pariser Bösewicht setzt viele Hilfsmittel ein, um seine gewalttätigen Ziele zu erreichen. Die Einsätze von Hubschraubern und weiteren  elektronischen Hilfsmittel aller Art  stimmen das Publikum schon auf die moderne, technisch geprägte Zukunft hin.

Die weiteren Zutaten sind Erpressung, Gift, Todesstrahlen… Kommissar Juve (Alexander Rignault) und Journalist Fandor (Andre La Gall) vernichten zwar am Ende des Films den Gangster Fantomas (Marcel Herrand), gleichwohl fühlt sich niemand wirklich sicher. Ist Fantomas wirklich tot? Fragen über Fragen.

Die Machtgelüste der real Herrschenden jedenfalls sind ungebrochen in dieser Zeit. Korea-Krieg, Integration der Bundesrepublik in das westliche Militärbündnis, die Gründung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW – später Warschauer Pakt) sind keine ermunternden Zeichen für eine friedliche Welt.

Unabhängig von all dem sind die Fantomas-Romane von Marcel Allein und Pierre Souvestre aus vier Jahrzehnten ein gefundenes Fressen und ein überaus dankbares Thema für die Filmemacher. Allerdings sind sie nach jeweiliger politischer Konjunktur mal ernster oder heiterer (wie zum Beispiel die späteren, klamaukhaften Luis de Funes-Filme).

Daten zum Film

Fantomas ist ein französischer Kriminalfilm der „Latino Consortium Cinéma” aus dem Jahr 1947. Unter der Regie von Jean Sascha spielen Marcel Herrand (als Verbrecher Fantomas), Simone Signoret (als seine Tochter Helene), Andre La Gall (als Journalist Fandor) und Alexander Rignault (als Kommissar Juve) die Hauptrollen. Der Film beruht auf Motiven der Fantomas-Romanserie von Pierre Souvestre und Marcel Allain aus dem frühen Zwanziger Jahren.

Erstaufführungen am 18. September 1947 für Frankreich, am 23. April 1950 für die Bundesrepublik Deutschland. Vom Autor gesehen in Frankfurt, Kino nicht mehr erinnerlich, wahrscheinlich im Harmonie.