Der Mann, der sich selber sucht

Illustrierte Filmbühne Nr. 839 (E. S.)  – Schon einige Jahre nach dem Ende des Krieges schwappen immer mehr Filme aus deutscher Produktion in die Kinos. Einer dieser Streifen ist Der Mann, der sich selber sucht mit Wolf Albach-Retty und Vera Molnar in den Hauptrollen. Am 18. August 1950 wird er im Turmpalast in Frankfurt in deutscher Erstaufführung gezeigt. 

Der Mann, der sich selberVon den bulgarischen Brüdern Peter und Michael Margaritoff – sie sind beide im Textilgeschäft tätig und sie verdienen ihr Geld hauptsächlich mit der Produktion von Opal-Nylonstrümpfen –, wird das Ganze finanziert. Der Vorgang ist typisch für die Fünfziger Jahre, als Branchenfremde ihr Vermögen in Filme investieren. Der Profit lockt viele an, anscheinend ist gutes Geld zu verdienen. Doch das stimmt nicht immer. Zwar sind die Kinos gut besucht und die Menschen stehen oft in Schlangen an den Kassen, doch es ist inzwischen auch ein Überangebot an seichter Unterhaltung auf den Leinwänden präsent. Deshalb wohl wird in Frankfurt wieder kräftig die Werbetrommel gerührt. Großspurig werden die Hauptdarsteller Wolf Albach-Retty und andere wichtige Mitwirkende als Premierengäste angekündigt, tatsächlich kommen dann aber nur die Schlagersängerin Rita Paul und der Komiker Bobby Todd. Gleichwohl ist das Publikum zufrieden, sieht es doch einen unterhaltsamen Film, der sich  positiv von anderer Massenware abhebt.

Autor und Regisseur Ceza von Cziffra, dem im Laufe der Zeit auch schon einige Filme aus dem Ruder gelaufen sind, hat diesmal jedoch hier eine gute Arbeit abgeliefert. Spritzige Dialoge und gute Schauspielerführung setzten einige Glanzpunkte. Vor allem die Komiker sprühen in diesem ereignisreichen Streifen vor guter Laune. Paul Kemp gibt einen etwas vertrottelten, doch auch goldigen Privatdetektiv, Hubert von Meyerinck ist als Hoteldirektor ein Meister der nervösen Pointen, Rudolf Platte glänzt als „Samba-Heini“ und Bobby Todd ist als Portier hilflos und zugleich vertrottelt. Außerdem glänzt Karl Schönböck als Hochstapler; Wolf Albach-Retty und Vera Molnar sind in ihren Hauptrollen in gelöster Stimmung.

Der Film ist natürlich nicht herausragend, aber doch unter der Vielzahl belangloser Streifen ein kleiner Lichtblick. Immerhin etwas möchte man sagen. Und nebenbei bemerkt: Wer das ganze  filmische Spektakel nun finanziert hat  – ob Banken oder Nylonstrumpf-Fabrikanten – ist dem geneigten Publikum ohnehin völlig wurscht.

Daten zum Film

Der Mann, der sich selber sucht (Illustrierte Filmbühne Nr. 839) ist ein deutscher Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1950. Produktion NEO-Film im Verleih der Allianz. Unter der Regie von Géza von Cziffra spielen Vera Molnar (als Victoria Miller), Wolf Albach-Retty (als ihr Verehrer Marius Aldon), Karl Schönböck (als Heiratsschwindler Jack dÀlimonte), Paul Kemp (als Privatdetektiv Theobald Finger), Hans Leibelt (als Vater von Victoria Miller), Rudolf Platte (als Samba Heini). Weiter sind noch Petra Trautmann, Hubert von Meyerinck, Bobby Todd, Rita Paul, Wolfgang Neuss und Joseph Offenbach mit von der Partie. Musik Michael Jary.

Deutsche Erstaufführung am 18. August 1950 im Frankfurter Turmpalast; anschließend in Nachaufführung in den Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen (Harmonie), Bockenheim (Titania), Höchst (Kammer) und Bornheim (Schauburg).