Unter Piratenflagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 747  (E. S.) – Fünf lange Jahre ist das so genannte „Reichssportfeld” im Frankfurter Stadtwald bereits von den US-Militärbehörden für eigene Zwecke beschlagnahmt gewesen und in Victory Park umbenannt worden, als nach und nach immer mehr Teilbereiche des Stadion wieder für die deutsche Bevölkerung freigegeben werden – als letztes im Sommer 1950 das von den Frankfurtern so sehr geschätzte Schwimmbad.

Unter PiratenflaggeDieser Vorgang ist durchaus erfreulich. Denn die sehr lapidare Feststellung, dass es in Deutschland zu dieser Zeit warm ist, wäre gewiss maßlos  und ziemlich untertrieben: Es ist gnadenlos heiss! Die Temperaturen steigen fast überall auf satte 30 Grad; in München werden Anfang Juli sogar knapp 35 Grad gemessen. Eigentlich keine Motivation für einen Kinobesuch. Gleichwohl zieht es mich aber in den Filmpalast in der Innenstadt. Dort wird seit dem 4. Juli der Abenteuerfilm Unter Piratenflagge gezeigt. Als Stars werden Errol Flynn und Olivia de Havilland offeriert. Der Seeräuber-Streifen, den wir hier vorgesetzt bekommen, hat zu dieser Zeit jedoch schon satte 15 Jahre auf dem Buckel (die Premiere war 1935 in den USA).

Nach fünf eher belanglosen und in Vergessenheit geratenen Filmen war Captain Blood  – so der amerikanische Originaltitel – Flynns erster großer Erfolg, der zugleich eine Konjunktur der Piratenfilme auslöste. Doch als sich im Sommer ‘50 der elegante Draufgänger Flynn vor unseren Augen über die große Leinwand kämpft, ist er im wirklichen Leben gezeichnet von Alkoholsucht und Drogenkonsum, so dass sich seine Karriere dem Ende zuneigt.

Im Mittelpunkt des Films steht das dramatische Geschehen an Bord des Piratenschiffes von Captain Blood. Gefochten und geentert wird dabei mehr als in einem ganzen Jahrhundert bewegter britischer Seegeschichte. Wegen eines Komplotts gegen den von allen gehassten König ist der englische Arzt Dr. Blood nämlich erst zum Tode verurteilt und danach aus einem pekuniären Grund „begnadigt” worden: in Jamaika herrscht Sklavenmangel und der König benötigt dringend Geld. Mit dem Menschenhandel lässt sich also Geld verdienen.

Unter diesem finanziellen Gesichtspunkt wird Blood auf dem Markt von der jungen Arabella Bishop, der Tochter eines wohlhabenden und korrupten Gouverneurs, als Sklave gekauft, vor allem, weil er der Frau wegen seiner charmanten Aufmüpfigkeit imponiert. Blood denkt natürlich nicht daran, sein weiteres Leben als gedemütigter Sklave zu verbringen, er wird zum Piraten und erlebt in der Karibik viele tollkühne Abenteuer, ehe er rehabilitiert wird und auch die Liebe zu ihrem Recht kommt. Das versteht sich in einem Streifen dieser Machart von selbst.

Daten zum Film

Unter Piratenflagge (Illustrierte Filmbühne Nr. 747) trägt den Originaltitel Captain Blood und stammt aus dem Jahr 1935. Produziert von Hal B. Wallis für Warner Brothers spielen unter der Regie von Michael Curtiz Errol Flynn (als Dr. Peter Blood, Arzt und Seeräuber), Lionel Atwil (als Colonel und Gouverneur Bishop), Olivia de Havilland (als seine Tochter Arabella Bishop) und Basil Rathbone (als Captain Levasseur) die Hauptrollen. Die deutschen Synchronsprecher sind nicht identifiziert . – Weltpremiere am 19. Dezember 1935 in Los Angeles, US-Erstaufführung am 26. Dezember 1935 in New York City, ab 28. Dezember landesweit in den Warner-Kinos der USA. Deutsche Erstaufführung am 26. Mai 1950, in Frankfurt am Main ab Dienstag, 4. Juli 1950 im Programm des Filmpalastes.