Die drei Musketiere

Illustrierte Filmbühne Nr. 494 (E. S.)  – Fechten als Sport ist nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack, viele Beobachter finden die Duelle auf der Planche sogar mehr als undurchsichtig und wenig attraktiv, wobei die Aktiven das selbst natürlich ganz anders sehen. Fechten im Film dagegen kann – wenn die Gefechte der Duellanten über Stühle, Bänke, Tische, Emporen, Kronleuchter und Treppen gehen – eine aufregende Angelegenheit sein.

Musketiere-neuKaum jemand weiß noch, dass der Fechtsport in den Besatzungszonen in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges verboten ist, was allerdings von den Fechtern fast ausnahmslos ignoriert wird. Nach Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates ist jedoch der Fechtsport für Deutsche untersagt, weil das Hantieren mit den Waffen als „militärische Übung” angesehen wird. Erst am 3. April 1950 geben die Alliierten – trotz der Gründung der Bundesrepublik Deutschland haben sie noch das Sagen in wichtigen Angelegenheiten – Grünes Licht für die Wiederzulassung des Fechtsports. Eine Maßnahme, die überfällig ist und vor allem auch von jenen Kreisen befürwortet wird, die bereits über die mögliche Gründung eines neuen Heeres nachdenken.

Anzeichen dafür häufen sich und Bundeskanzler Adenauer dreht in dieser Hinsicht am großen Rad. Da wäre ein Festhalten der Westalliierten am Verbot des Fechtens recht kontraproduktiv. Dass der Film Die drei Musketiere in dieser Zeit gestartet wird, ist natürlich reiner Zufall, doch der Streifen passt mit seinen glanzvollen Fechtszenen gut zu der neuen politischen Situation. Die drei Musketiere weiterlesen

Der Schatz der Sierra Madre

Illustrierte Filmbühne Nr. 383  (E. S.) – Mexiko, in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts: Der heruntergekommene Abenteurer Dobbs (Humphrey Bogart) schürft mit seinen Kumpanen Curin (Tim Holt) und Howard (Walter Huston) in der heißen Sierra Madre nach Gold. Je mehr sie ausbuddeln, umso stärker wird die Gier und das gegenseitige Misstrauen – und sie verlieren alles.

SchatzSierraMadreEine  Leihbücherei im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ist in den ersten Nachkriegsjahren täglich Treffpunkt vieler Schüler, die sich dort für kleines Geld Abenteuer- und Kriminalromane ausborgen. Hier nimmt der Filmbesuch von Der Schatz der Sierra Madre seinen Anfang. Zahlreiche Geschichten von Zane Grey und Max Brand über den Wilden Westen, dazu Krimi-Serien von Hermann Hilgendorff (FBI-Agent Jack Kelly, Inspektor Percy Brook) sind zu dieser Zeit die  beliebten Renner. Herr Zaun, der freundliche Besitzer des Ladens, macht eines Tages auf den Roman „Der Schatz der Sierra Madre” von B. Traven aus dem Jahr 1927 aufmerksam, der gerade in einer Neuauflage bei ihm angeliefert worden ist. Es ist eine gute Empfehlung, viele von uns lesen das Buch, was bald daran zu erkennen ist, dass auf der vorletzten Seite die Rubrik der Ausleihdaten überquillt.

Auch  fasziniert der mysteriöse Traven, weil niemand weiß, wer sich hinter den Pseudonym in Wahrheit verbirgt und darüber ein großes Rätselraten herrscht. Als dann der gleichnamige Film in die deutschen Kinos kommt, ist der Besuch geradezu Pflicht, zumal Humphrey Bogart – inzwischen ist er durch andere Filme für uns zu einem Begriff geworden – eine der Hauptrollen spielt. Der Schatz der Sierra Madre weiterlesen

Das Haus der sieben Sünden

Illustrierte Filmbühne Nr. 365 (E. S.) – Die attraktive  Barsängerin Mijou (Marlene Dietrich) und der Armeeoffizier Bruce Whitney (John Wayne) sind die Hauptdarsteller des Universal-Films Das Haus der sieben Sünden, bei dem nicht so schnell klar wird, ob er als Melodram oder vielleicht humoristischer Abenteuerfilm angelegt ist. Der Streifen ist 1940 in Filmstudios in Hollywood aufgenommen worden, einige wenige Außenaufnahmen werden in einem kalifornischen Hafen gedreht.  Also weit weg von der Südsee, die den Hintergrund der Handlung abgibt.

Haus der 7 sündenZu dieser Zeit gilt der Pazifische Ozean aus Sicht der Produzenten trotz der bereits starken Präsenz der US-Flotte durchaus als ein paradiesisches Stück unserer Erde. Und niemand von den Filmemacher ahnt, dass am 7. Dezember 1941 – wenige Monate nach dem Ende der Dreharbeiten  – ein japanischer Angriff auf den Stützpunkt Pearl Harbor erfolgen wird, der dann den Kriegseintritt der USA zur Folge hat. Weil vorher alles noch ruhig ist auf dem großen Wasser zwischen dem amerikanischen und asiatischen Kontinent, haben es die Marines also hauptsächlich mit so renitenten Leuten wie der Barsängerin Bijou zu tun, die von Insel zu Insel reist und dabei nicht nur die Soldaten und Einheimischen mit ihren Liedern unterhält, sondern ständig für Ungemach sorgt. Schlägereien wegen ihr sind an der Tagesordnung. Immer wieder wird sie von den Behörden  ausgewiesen.

Bei ihrer ruhelosen und nicht immer freiwilligen Fahrt durch die Südsee – so verrät uns jedenfalls die „Illustrierte Filmbühne Nr. 365” – lernt sie jedenfalls auf dem Stützpunkt Boni-Komba in der Bar „der sieben Sünden” den jungen Marineoffizier Bruce Whitney (John Wayne) kennen, der sich nicht nur in sie verliebt und sie heiraten, sondern wegen ihr auch seinen Dienst quittieren will. Doch Bijou weist nach „schwerem seelischen Qualen” seinen Antrag ab, weil sie seine Karriere nicht zerstören will.

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Im Zeichen des Zorro

Illustrierte Filmbühne Nr. 346  (E. S.) – Der Film Im Zeichen des Zorro, den ich mit einigen Freunden im Winter 1949 in den Nidda-Lichtspielen in Frankfurt-Nied sehe, ist für unsere kleine Gruppe von Filmverrückten eine Unterhaltung nach Maß. Denn solche schwungvollen und auch noch mit Romantik versehenen Abenteuergeschichten samt ihrem „Mantel und Degen”-Milieu sind jedenfalls ganz nach unserem Geschmack.

ZorroNebenbei bemerkt geht nicht nur um ein Abenteuer um des Abenteuer willens, es geht im Grunde sowohl in der literarischen Erzählung wie auch im Film um Macht, Politik, Raffgier und Unterdrückung. Die Entrechtung von Menschen in aller Welt und der Widerstand dagegen finden in diesem Film den lokalen, kalifornischen Bezug, der überzeugend und gut verpackt ist in eine spannende Story mit durchaus humoristischen Elementen.

Der junge Diego Vega alias Zorro (Tyrone Power) ist am besten und überzeugendsten in jenen Szenen, in denen er den versnobten Stutzer spielt. Diese Momente erinnern stark an das Auftreten von Jefferson Destry (James Stewart) in dem Western „Der große Bluff”. Wie Destry in dem Western ist auch Diego Vega eben nicht nur der gockelhafte Dandy, sondern nächtens auch der mutiger Kämpfer für Recht und Ordnung, der gegen den despotischen und feigen Gouverneur Don Luis Quentero mit Pferd und Degen zu Felde zieht – ausgestattet mit einem breitkrempigen, schwarzen Hut und der dazu passenden dunklen Augenmaske. Zorro eben, der als Markenzeichen ein gezacktes Z zu hinterlassen pflegt. Im Zeichen des Zorro weiterlesen

Kalkutta

Illustrierte Filmbühne Nr. 59  (E. S.) – Es ist gewiss kein herausragender Film, der im Winter 1948 in den Nidda-Lichtspielen in Nied zu sehen ist, aber er bringt wenigstens eine erstmalige Leinwand-Begegnung mit Alan Ladd in einem Schmuggel- und Fliegerdrama, das im Fernen Osten angesiedelt ist, wobei zwischen Kalkutta in Indien und Chungking in China Juwelen verschoben und illegal über die Grenzen gebracht werden. 

KalkuttaDie ganze Schieberei erinnert zwangsläufig an die Zeit vor der Währungsreform in Deutschland, doch obwohl es noch hier und da an Konsumgütern mangelt, ist die Zeit des Schwarzmarktes vorbei. Nach dem Geldumtausch von 20. Juni sind plötzlich viele Dinge in den Läden aufgetaucht, von denen der Bürger nicht einmal ansatzweise ahnt, dass sie wirklich existieren, und die von „cleveren” Geschäftemachern lange gebunkert worden sind, um möglichst schnell an das neue und stabile Geld zu kommen. Dem Filmbesucher ist es zu dieser Zeit aber fast schon egal, denn er erfreut sich an der aufregenden Exotik des Fernen Ostens und den vielen dramatischen Abenteuern.

Die Piloten Neale Gordon (Alan Ladd) und Pedro Blake (William Bendix) suchen die Mörder ihres Freundes, lassen sich dabei auch nicht durch schmerzhafte Gegenaktionen der Gangster aus der Fassung und von ihre Vorhaben abbringen. Tatsächlich gelingt es ihnen, die Drahtzieher des kriminellen Schmuggelrings zu entlarven. Kalkutta weiterlesen

Das große Treiben

Illustrierte Filmbühne Nr. 54  (E. S.) E– in spannender englischer Abenteuerfilm, der in Australien spielt und auf einer wahren Begebenheit beruht, kommt im Herbst 1947 in die deutschen Kinos; er zeigt eine  Kombination von persönlichem Engagement in den Kriegszeiten sowie Leidenschaft und Romantik, garniert mit überaus beeindruckenden Landschaftsaufnahmen: Das große Treiben, so der Titel, bezieht sich auf ein Ereignis zu Beginn des Weltkrieges, das eine Gruppe entschlossener Farmer bei der Rettung ihrer Rinder zeigt.

Das große TreibenIn den Frankfurter Metzgereien wird gegen die Vorlage der Lebensmittel-Marken im Herbst des Jahres 1947 gelegentlich auch Hammelfleisch aus Australien verkauft. Der Geschmack ist miserabel, und so ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Abneigung gegen das Vieh aus dem fünften Kontinent. Mit solchen Vorbehalten geht jedenfalls mancher Besucher in einen Film, der in Australien spielt, wobei das natürlich völliger Blödsinn ist. Der Film entschädigt dann auch für das zähe Fleisch auf dem Mittagstisch, zumal die Geschichte spannend genug ist. Als nämlich japanische Truppen 1942 dem australischen Kontinent immer näher kommen, werden die dortigen Einwohner von der Regierung aufgefordert, ihre Heimat zu verlassen, ihre Habe zu vernichten und auch die Rinder zu töten. Doch eine kleine Gruppe von Ranchern und Führung von Dan McAlpine beschließt stattdessen, mit dem Vieh einen Monate anhaltenden Treck quer durch das endlose Land zu unternehmen. 1600 Meilen weit.

Es ist ein Film mit halb dokumentarischem Charakter, da er sich teilweise auf tatsächliche Ereignisse bezieht. So ist ein fesselnder und zugleich auch großartig fotografierter Bericht über ein durch Kriegsgefahren hervorgerufene Situation entstanden. Das große Treiben weiterlesen