Inspektor Goddard

Illustrierte Filmbühne Nr. 1137 (E. S.) – Wieder einmal ein Besuch im Roxy in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Geschuldet ist dies dem Hauptdarsteller Alan Ladd, der sich diesmal als Inspektor Goddard von der Kriminalabteilung der US-Bundespost auf Verbrecherjagd begibt.

Alan Ladd ist mit seiner unterkühlten und lässigen Art ein beliebter Darsteller in Kriminal-, Abenteuer- und Acitionsfilmen dieser Jahre. Seine trockene und zugleich nonchalante Art machen ihn bei den Jugendlichen besonders beliebt. Und viele amerikanische Kriminalfilme dieser Zeit haben halbdokumentarischen Charakter, der das jugendliche Publikum ebenfalls anspricht. Diese Streifen orientieren sich meist an der Tätigkeit der Sicherheitsorgane großer US-Institutionen wie etwa des Schatzamtes oder – in diesem gezeigten Fall – der US-Post. Ähnliche Filme dieser Art sind „Der Todeskuss”, „Straße ohne Namen”, „Polizeirevier 21” oder „Geheimagent T”, um nur einige zu benennen. Auch Inspektor Goddard reiht sich hier ein und versucht ein realistisches Bild von der Arbeit der Beamten im Kampf gegen das Verbrechen zu zeichnen. In diesem Fall geht es um einen geplanten Raub von einer Million Dollar. Einer der Sicherheitsleute ist bereits ermordet worden, also schleicht sich Goddard in die Bande hinein, um als Undercover-Agent den großen Coup zu vereiteln. Inspektor Goddard weiterlesen

Rauschgiftbrigade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Anfang der Fünfziger Jahre ist Rauschgift noch nicht das große Thema in der Öffentlichkeit, wird in doch meist „gehobenen Kreisen” sowie dem Künstlermilieu zugeordnet. Doch am 28. Juni 1951 berichtet die Hamburger Wochenzeitschrift „Die Zeit“ von einem Drogenskandal an New Yorker Schulen.

Nachdem sich herausgestellt hat, dass an vielen Schulen mit Rauschgift  gehandelt wird, ordnet der für New York zuständige Gouverneur Dewey eine gründliche Untersuchung an. Die Ergebnisse sind erschreckend und lösen in den USA große Erregung aus. Der Präsident der Oberschulbehörde von New York nennt die Zahl von 1500 süchtigen Schülern und Schülerinnen an höheren Schulen, die zuständige Generalstaatsanwaltschaft spricht sogar von mindestens 5000 Betroffenen. Inoffiziell und unter der Hand kursieren sogar Gerüchte von 15 000 Abhängigen. Rund vier Wochen später läuft im Frankfurter Filmpalast der halbdokumentarische Film Rauschgiftbrigade, der sich just mit dem Thema befasst und ebenfalls in New York angesiedelt ist. Es wird geschildert, wie von einem amerikanischen Frachtschiff eine ganze Kiste Rauschgift verschwindet und das New Yorker Drogendezernat mit den Zollbehörden daran arbeitet, den Gangstern das Handwerk zu legen.

Die Wolkenkratzer der großen Stadt bilden eine faszinierende steinerne Kulisse für die Jagd. Fragen ergeben sich wie von selbst. Woher kommt plötzlich die große Menge des Rauschgiftes, wer betreibt das gewissenlose Geschäft? Die Beamten gehen den dunklen Wegen nach, versuchen die Schwachstellen ausfindig zu machen, ein gefährliches Doppelspiel erst bringt die Gangster zur Strecke. Menschen sind gleichwohl zu Schaden gekommen. Rauschgiftsüchtige sowieso, Informanten, Beamte und andere. Rauschgiftbrigade weiterlesen

Falschmünzer am Werk

Illustrierte Filmbühne Nr. 1027 (E. S.) – Anfang des Jahres 1951 tauchen in Frankfurt am Main und anderen westdeutschen Städten massenhaft gefälschte D-Mark-Scheine auf. Fast zeitgleich wird in der Nähe von Paris eine Druckerei ausgehoben, in der ähnliche Falsifikate hergestellt worden sind. Die kriminelle Realität setzt also eine intensive Zusammenarbeit deutscher und ausländischer Polizeiorgane auf die Tagesordnung.

Falschmünzer am Werk - Der Fall 7 A 9Dieses Thema wird auch in Der Fall 7 A 9 (Falschmünzer am Werk) behandelt. Der Film wird am 1. März in Frankfurt am Main (Eden-Lichtspiele) uraufgeführt. Dabei wird der Kampf gegen eine internationale Verbrecherbande gezeigt. Der Krimi orientiert sich dabei mit teilweise dokumentarischen Bildern an den zu dieser Zeit in Mode gekommenen amerikanischen Vorbildern („Der Todeskuß”, „Straße ohne Namen”, „Geheimagent T”, „Das Haus in der 92. Straße”). Weil nur 15 Tage nach der Premiere in Frankfurt das neu gegründete Bundeskriminalamt in Wiesbaden seine Arbeit aufnimmt, wirkt das Ganze wie ein begleitender Werbestreifen für das BKA. Das wird noch unterstrichen, als sich drei Tage vor der Filmpremiere Sachverständige der Kriminalpolizei, der Bank Deutscher Länder und Journalisten in Frankfurt in einer Sondervorstellung des Verleihs den Films ansehen.

Die Anwesenden sind sich darin einig, dass der Film über die Falschmünzer- und Autoschmuggler-Bande bei Verzicht auf Sensationseffekte sehr realistisch ist. Die Teilnehmer der Besprechung verlangen sogar, in Frankfurt eine Beratungsstelle einzurichten, um vor allem Kassierer von großen Warenhäusern und Industriefirmen über Falschgeld ausreichend zu informieren. Immerhin seien bei guter Sachkenntnis „Blüten” auch von Laien schnell zu erkennen. Falschmünzer am Werk weiterlesen

Straße ohne Namen

Illustrierte Filmbühne Nr. 757 (E. S.) – Im Jahr 1950 kommen einige Gangsterfilme in der Bundesrepublik Deutschland zur Vorführung, die mit dokumentarischem Charakter und reportageähnlichem Stil die harte Verbrechensbekämpfung in den USA zum Inhalt haben, darunter befinden sich auch „Geheimagent T”, „Der Todeskuss“, „Das Haus in der 92. Straße”, oder Straße ohne Namen.

Straße ohne NamenAlle diese Streifen werben mit direkter und indirekter Finanzierung für die Arbeit des FBI oder des Schatzamtes in den Vereinigten StaatenAuch für die gesamtpolitische Situation in der Bundesrepublik Deutschland sind diese Filme mehr als nützlich. Denn in den Bundesländern ist eine Diskussion über eine zentrale und damit bessere Arbeit der gesamten deutschen Polizeiorgane im Gange. Auch die Vorbereitungen für die Planung und Schaffung des neuen Bundeskriminalamtes (BKA) laufen auf Hochtouren, obwohl die Einrichtung dieser Behörde wegen der generellen Zuständigkeit der Länder für die Polizeiarbeit noch mehr als umstritten ist. Gleichwohl wird geplant, das BKA im Stadtstaat Hamburg einzurichten, weil das dort befindliche „Kripo-Amt“ zuletzt in der „Verbrecherbekämpfung” (vor allem in der vormaligen britischen Zone) eine führende Rolle gespielt hat.

Noch im Oktober 1950 wird im Bonner Kabinett für die Hansestadt plädiert, doch im Frühjahr 1951 kommt dann die Wende und die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden wird als endgültiger Standort für das neue Bundeskriminalamt ausgewählt. Straße ohne Namen weiterlesen

Geheimagent T

Illustrierte Filmbühne Nr. 555 (E. S.) – Diese Polizeinachricht macht auch in Deutschland Schlagzeilen und lässt überall aufhorchen: Am 17. Januar 1950 erbeuten neun mit Faschingsmasken verkleidete Männer bei einem dreisten Einbruch in das Gebäude einer Geldtransport-Firma in Boston sage und schreibe 1,5 Millionen US-Dollar, was zu dieser Zeit – es ist etwa eineinhalb Jahre nach der Währungsreform –  der Summe von rund 6,3 Millionen D-Mark entspricht.

Geheimagent TDas ist ganz gewiss ein dickes Ding und die großen Schlagzeilen der Presse verkünden: „Der bisher größte Überfall dieser Art.” Die Aufregung ist also entsprechend groß, denn wenn es um’s Geld geht, versteht der Mensch keinen Spaß, wo auch immer das sein mag. Und auch das mächtige Schatzamt der Vereinigten Staaten von Amerika mag es nicht sonderlich, wenn sich Banditen mit Druckerpressen oder Prägemaschinen ausrüsten, um falsche Dollarscheine oder Hartgeld unter die Leute zu bringen. Solche Falschmünzerei wird auf das heftigste bekämpft. Um die Drahtzieher schnappen und bestrafen zu können, setzten die US-Behörden eigens Geheimagenten ein. Einem von ihnen wird dann in dem Gangsterfilm Geheimagent T ein Denkmal gesetzt.

Das ist ein Krimi der besonderen Art; er gehört zum Genre des „Film noir”, setzt aber noch andere Akzente, weil er auf einem authentischen Fall in Los Angeles beruht. Obwohl der Film zunächst nur die üblichen Klischees für einen Krimi zu liefern scheint, wird es immer mehr zu einer höchst dokumentarischen, spannenden und realitätsnahen Reportage. Geheimagent T weiterlesen

Rauschgift an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 554 (E. S.) – In deutschen Kinos läuft im März 1950 der Film Rauschgift an Bord, in dem es um Werkspionage und eine zwischen Irland, England und Schweden operierende Drogenbande geht. Die wichtige  Hauptfigur heißt David Grant (Robert Newton), der eingeschleust wird, um die Drahtzieher dingfest zu machen.

Rauschgift an BordDoch man darf nicht alles für bare Münze nehmen, was über die Leinwände flimmert. Auch bei diesem Film wird ein wenig getrickst, um das deutsche Publikum nicht zu „vergraulen”. Im Originalfilm Night boat to Dublin geht es nämlich – wie der Autor erst später erfährt –keineswegs nur umDrogengeschäfte, sondernum einen etwas naiven schwedischen Atomforscher namens Hansen, der vor den Versuchen der Nazis, ihn auszuspähen, geschützt werden soll. Im Grunde ist die „Modifizierung” des Themas unnötig und überflüssig, denn spätestens seit den Abwürfen der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 mit Hunderttausenden von Toten ist den Menschen in aller Welt klar, dass bei einer solch verheerenden Wirkung der Bomben alle anderen im Krieg befindlichen Staaten (auch Deutschland) daran interessiert sind, sich schnellstens mit der Wirkungsweise und Konstruktion dieser Vernichtungswaffen vertraut zu machen – und zwar nicht nur ausschließlich über wissenschaftliche Kanäle, sondern auch über Spionageaktionen. Rauschgift an Bord weiterlesen

Die Spur des Falken

Illustrierte Filmbühne Nr. 83  (E. S.) – Im Jahr 1946 läuft im Rahmen des von den amerikanischen Militärbehörden installierten Filmverleih-Programms der Motion Pictures Export Association (MPEA) auch der Film Die Spur des Falken an. Die Hauptrolle des hartgesottenen Privatdetektivs Sam Spade ist Humphrey Bogart auf den Leib geschneidert und die sehr spannende Story mit der Jagd nach einer kostbaren antiken Figur passt so recht in die Frankfurter Nachkriegszeit, in der ebenfalls alles versilbert wird, was nur irgendwie die Lebensverhältnisse verbessern kann.

Spur des FalkenNatürlich ist die übergroße Mehrheit der Menschen durchaus sehr ehrenwert geblieben in dieser schwierigen Zeit und versucht sich tagtäglich irgendwie ehrlich durch die Widrigkeiten des Lebens zu schlagen, aber gleichwohl tummeln sich zwielichtige Gestalten – wie auch im Film – in der Gegend um den Hauptbahnhof, der Schwarze Markt blüht, immer wieder gibt es Razzien, kleine und große Händel; Schiebereien sind ohnehin an der Tagesordnung, die Kriminalität ist hoch, Tauschgeschäfte bestimmen den Kampf der Bevölkerung. Und viele teure Wertsachen wie etwa Kameras, Silberbesteck, Porzellan, Teppiche und ähnliches – soweit sie die Fliegerangriffe überhaupt unbeschädigt überstanden haben – werden entweder auf den dunklen Straßen unter der Hand verhökert oder in der gerade neu eröffneten offiziellen Tauschzentrale der Amerikaner an der Ecke Weser- und Kaiserstraße gegen Nahrungsmittel eingetauscht.

Genau in diese Atmosphäre passt Die Spur des Falken, der einerseits nüchtern, aber auch mit Zynismus und einer Portion hintergründigem Humor angereichert ist. Die Frankfurter Nachkriegssituation passt dazu wie die Faust auf’s Auge… Die Spur des Falken weiterlesen

Der grüne Finger

Illustrierte Filmbühne Nr. 62  (E. S.) – Die hier erzählte Geschichte ist simpel, denn ein Polizeipräfekt agiert höchstpersönlich als Chef einer Einbrecherbande. Doch hat der Mann die Rechnung ganz ohne den gescheiten Privatdetektiv Paul Temple gemacht, der mit Nachdenken und feiner Kombinationsgabe den skrupellosen Sheriff zur Strecke bringt. Das Ganzeist eine „Räuberpistole” namens Der grüne Finger und versehen mit den üblichen und gängigen Zugaben des Genres.

Der grüne FingerDer Autor Francis Durbridge ist in England zu dieser Zeit schon ein recht etablierter Schriftsteller. 1938 hat er für die BBC den Paul Temple erfunden, der fortan als Krimi-Autor und brillanter Hobbydetektiv zusammen mit seiner Frau Steve Trent in zahllosen Hörspielen seine Fälle löst. Auch in Deutschland sind Ende der Vierziger und in den Fünfziger Jahren Paul Temples Geschichten im Radio zu hören; sie sind spannend erzählt, zeichnen sich oft durch den typisch britischen Humor aus und schließen auch übelste Kaschemmen als Schauplätze nicht aus. Manche dieser Storys werden in England auch verfilmt, so zum Beispiel auch das Hörspiel „Send for Paul Temple” (Der grüne Finger). Von Temple, seiner Radiokarriere und seinen überaus geschickten Ermittlungen hat sich freilich noch nicht viel herumgesprochen, so dass viele Frankfurter (und auch der Autor) zum ersten Mal mit dem Detektiv bei der Frankfurter Erstaufführung des Films im Roxy (am 7. Januar 1949) konfrontiert werden. Als ich diesen Film sehe, ahne ich nicht, dass der Autor und Erfinder in Deutschland später noch Fernsehgeschichte schreiben wird. Der grüne Finger weiterlesen