Der Glöckner von Notre Dame

Illustrierte Filmbühne Nr. 29  (© E. S.) Im Jahr 1831 schrieb der französische Autor Victor Hugo die im 16. Jahrhundert unter König Ludwig XI. spielende Geschichte Der Glöckner von Notre Dame, die zu einem der Klassiker der Weltliteratur wurde und mehr als einmal verfilmt worden ist. In der RKO-Fassung von 1939 spielt Charles Laughton den weitgehend stummen Glöckner Quasimodo, Maureen O’Hara gibt die Esmeralda.

Glöckner von Notre DameAls der us-amerikanische Film am 3. Februar 1948 (zunächst mit einkopierten Untertiteln, ein Jahr später synchronisiert) in die deutschen Kinos kommt, hat er zwar den Charakter eines etwas gruseligen Horrorfilms, kann aber die zahlreichen Besucher nicht wirklich erschrecken. Sie haben zu viel zu tun beim Wiederaufbau des Landes und werden ohnehin täglich von diversen Sorgen heimgesucht, denn es hapert noch an Ecken und Enden. Und die Lage ist keineswegs rosig. In der britischen wie auch der amerikanischen Zone treten rund drei Millionen Angestellte und Arbeiter aus Protest gegen die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln in den Streik. Immerhin geht es anderswo vorwärts: Berlin wird zu dieser Zeit wieder an das internationale Telefonnetz angeschlossen. Auch die Kinoversorgung ist bereits gewährleistet. Die Filme, die von den amerikanischen Militärbehörden zur Vorführung freigegeben werden, sind zwar meistens schon älteren Datums, aber doch auch in vielerlei Hinsicht faszinierend – so wie Der Glöckner von Notre Dame eben.  Der Glöckner von Notre Dame weiterlesen

Die Waise von Lowood

Illustrierte Filmbühne Nr. 4  (E. S.) – Im Sommer 1947 wird der Film Die Waise von Lowood von der „Motion Pictures Export Association (MPEA)”, der großen Export-Organisation der Major Companies aus den USA, in Zusammenarbeit mit dem US-Militär in die deutschen Kinos gebracht. In den Hauptrollen sind Joan Fontaine  – sie hat gerade kurz vorher in dem Hitchcock-Drama „Rebecca” eine ähnliche Rolle gespielt – sowie Orson Welles zu sehen, doch die Zuschauer in Deutschland haben beim Kampf um das Überleben in der Nachkriegszeit noch ganz andere Sorgen als sich mit einem solch schwermütigen Stoff zu „vergnügen”. 

Waise von LowoodWohl deshalb wird der Film, der immerhin auf dem Roman „Jane Eyre”, einer Perle der Weltliteratur beruht, hierzulande nicht gerade zu einem finanziellen Erfolg und verschwindet bald schon wieder aus den Lichtspielhäusern. Auch in Frankfurt ist der Film inmitten der Trümmerberge nur kurz zu sehen. Dabei ist es eine aufwühlende, aber zugleich auch eine recht romantische Melodramatik, die den im Jahr 1847 erschienenen autobiografischen Roman der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë  – er ist zunächst unter dem männlichen Pseudonym Currer Bell im Verlag „Smith, Elder und Co.” herausgekommen – von der ersten bis zur letzten Seite innewohnt.

Denn nach einer ziemlich freudlosen Jugend in England kommt Jane Eyre als Erzieherin in das Schloss des herrischen Mr. Edward Rochester. Der Hausherr fühlt sich bald zu der intelligenten Gouvernante hingezogen, und auch sie entwickelt Zuneigung zu dem älteren Mann. Doch Rochester verbirgt ein düsteres Geheimnis, was die spröde Liebe der beiden ungleichen Menschen überschattet.

Die Dramatik wird offenbar, als Jane Eyre am Tage ihrer geplanten Hochzeit mit Rochester erfährt, dass dieser noch verheiratet ist und seine unheilbar geisteskranke und zudem gewalttätige Gattin verborgen hält. Die Waise von Lowood weiterlesen