Hafen des Lasters

Illustrierte Filmbühne Nr. 698 (E. S.) – Als ich im Jahr 1951 in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Süd den Spielfilm Hafen des Lasters sehe, werde ich an einen vierwöchigen Besuch in Hamburg erinnert. Meine Bekannten haben sich einen Spaß daraus gemacht, mich trotz meines jugendlichen Alters auf die Reeperbahn zu schleppen und mir dort genüsslich die „sündigste Meile der Welt” vorzuführen.

HafenTrotz leichter Beklemmungen hat mich das Vergnügungsviertel in St. Pauli fasziniert. Die „verruchte” Atmosphäre mit den glitzernden, tanzenden Lichtern, die laute Musik, die düsteren Kneipen, und die vielen Tanzetablissements sind mir ebenso in guter Erinnerung geblieben wie der sehr verstohlene Blick zu den leicht bekleideten Frauen in der Herbertstraße. Aber auch der nahe Hafen, in dem die Frachter aus aller Welt ihre Ladung löschen, die gewaltigen Kräne an den Kais, das hektische Treiben der Hafenarbeiter, die abgemusterten und vorübergehend  arbeitslosen Seemänner auf dem Weg von den Schiffen zum Hamburger Kiez – das sind doch sehr beeindruckende Bilder.

Ähnliches erwarte ich natürlich von einem Film, der als Hafen des Lasters firmiert. Doch von einem Hafen nach St. Pauli-Muster ist nichts zu sehen, der von der Verleihfirma Warner Bros. für Deutschland gewählte Titel für den Gangsterstreifen ist schlicht irreführend. Das amerikanische Original mit der knappen Ortsbezeichnung Key Largo ist treffender und präziser, noch besser ist der spätere Fernseh-Titel Gangster in Key Largo. Hafen des Lasters weiterlesen

Fantomas

Illustrierte Filmbühne Nr. 595 (E. S.) – An diesen Film erinnere ich mich nur noch ungenau. Vor allem habe ich mir auf dem Filmprogramm nicht notiert, in welchem Kino ich diesen Reißer gesehen habe. Wahrscheinlich trieb der überaus unartige Herr Fantomas sein Unwesen auf der Leinwand der Harmonie-Lichtspiele in Frankfurt-Sachsenhausen. Immerhin eines meiner Lieblingskinos, aber diese Feststellung treffe ich ohne Gewähr.

FantomasRelativ harmlos beginnt in der „Illustrierten Filmbühne” Nummer 595 die Beschreibung des Films. Erzählt wird dabei die Geschichte eines Verbrechers, der die Welt beherrschen will – es wirkt alles wie eine Parabel auf frühere und noch kommende Diktatoren. Der Text lautet: “Fantomas, der geheimnisvolle Verbrecher, ‘Fürst der Schrecken’ genannt, ist tot – so glaubt man. Seine Tochter Helene kann endlich den Mann heiraten, den sie liebt, Fandor, den Journalisten. Kaum haben die jungen Leute das Rathaus verlassen, da entdeckt man die Leiche des Bürgermeisters… Fantomas, in der Maske des ermordeten Bürgermeisters, hat die ungültige Trauung vollzogen.” Doch danach geht es in der Filmhandlung erst richtig los. Der Pariser Bösewicht setzt viele Hilfsmittel ein, um seine gewalttätigen Ziele zu erreichen. Die Einsätze von Hubschraubern und weiteren  elektronischen Hilfsmittel aller Art  stimmen das Publikum schon auf die moderne, technisch geprägte Zukunft hin.

Die weiteren Zutaten sind Erpressung, Gift, Todesstrahlen… Kommissar Juve (Alexander Rignault) und Journalist Fandor (Andre La Gall) vernichten zwar am Ende des Films den Gangster Fantomas (Marcel Herrand), gleichwohl fühlt sich niemand wirklich sicher. Ist Fantomas wirklich tot? Fragen über Fragen. Fantomas weiterlesen

Rauschgift an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 554 (E. S.) – In deutschen Kinos läuft im März 1950 der Film Rauschgift an Bord, in dem es um Werkspionage und eine zwischen Irland, England und Schweden operierende Drogenbande geht. Die wichtige  Hauptfigur heißt David Grant (Robert Newton), der eingeschleust wird, um die Drahtzieher dingfest zu machen.

Rauschgift an BordDoch man darf nicht alles für bare Münze nehmen, was über die Leinwände flimmert. Auch bei diesem Film wird ein wenig getrickst, um das deutsche Publikum nicht zu „vergraulen”. Im Originalfilm Night boat to Dublin geht es nämlich – wie der Autor erst später erfährt –keineswegs nur umDrogengeschäfte, sondernum einen etwas naiven schwedischen Atomforscher namens Hansen, der vor den Versuchen der Nazis, ihn auszuspähen, geschützt werden soll. Im Grunde ist die „Modifizierung” des Themas unnötig und überflüssig, denn spätestens seit den Abwürfen der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 mit Hunderttausenden von Toten ist den Menschen in aller Welt klar, dass bei einer solch verheerenden Wirkung der Bomben alle anderen im Krieg befindlichen Staaten (auch Deutschland) daran interessiert sind, sich schnellstens mit der Wirkungsweise und Konstruktion dieser Vernichtungswaffen vertraut zu machen – und zwar nicht nur ausschließlich über wissenschaftliche Kanäle, sondern auch über Spionageaktionen. Rauschgift an Bord weiterlesen

Der dritte Mann

Illustrierte Filmbühne Nr. 512 (E. S.) – In der turbulenten Zeit, in der sich die Konfrontation der politisch-militärischen Ost-West-Blöcke verstärkt, der Korea-Krieg im Fernen Osten seine düsteren Schatten vorauswirft und in der Bundesrepublik (Organisation Gehlen, später BND) und in der DDR (Ministerium für Staatssicherheit) die jeweiligen Nachrichtendienste ihre Strukturen aufbauen, ist ein Film wie Der dritte Mann prädestiniert dafür, die Konflikte zweier Gesellschaftssysteme zu thematisieren, auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime (Orson Welles) verunreinigtes Penicillin verschiebt.

Der dritte MannDoch der Thriller geht durch die Auftritte der Protagonisten auch in eine politische und durchaus propagandistische Richtung und bettet sich damit ein in den Kalten Krieg der Supermächte und ihrer jeweiligen Verbündeten. Das kommt vor allem zum Ausdruck, weil sich die durch den Major Calloway (Trevor Howard) repräsentierten Briten in der Viersektoren-Stadt sich als die hilfsbereiten und guten Menschen darstellen dürfen, die Offiziere und Soldaten der Sowjetunion dagegen nur tumbe Gesellen sind, die dem üblen Gangster und Mörder Harry Lime in ihrem Sektor Unterschlupf gewähren und seine kriminellen Machenschaften schützen. Nur diese gewollt einseitige Betrachtung macht die Handlung in dieser Form jedoch erst möglich und den dritten Mann zu einem außergewöhnlichen Film. Der finale Erfolg beruht aber vor allem auf der Musik von Anton Karas, der bislang in Wiener Heurigen-Lokalen als Zither-Spieler ein eher karges Einkommen hat. In dieser Musik liegt ohne Zweifel für viele  Zuschauer – und das über die Jahre hinweg – die eigentliche Faszination des Films. Der dritte Mann weiterlesen