Mein Freund Harvey

Illustrierte Filmbühne Nr. 1184 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspieltheater „Metro im Schwan” startet Mitte Juli 1951 ein Film, der mit seinem hintergründigem Humor den grauen Alltag vergessen lässt und in fast poetischer Weise die Herzensgüte eines spleenigen, aber gutmütigen Mannes in einer amerikanischen Kleinstadt zum Thema hat.

HarveyEin gewisser Elwood P. Dowd (James Stewart) lebt in Harmonie mit seinem überaus guten Freund und ständigen Begleiter. Wo auch immer der freundliche Mann hingeht, begleitet ihn dieser Freund. Außer Elwood Dowd merkt das freilich niemand im näheren Bekannten- und Freundeskreis, denn nur er selbst vermag den zwei Meter großen Harvey zu sehen; es ist ein weißer Hase, mit dem sich Dowd berät und austauscht und dieses Verhalten bringt seine Schwester Veta (Josephine Hull) fast zur Verzweiflung, denn wegen des skurrilen Auftretens fürchtet sie um die Heiratschancen ihrer Tochter Myrtle Mae (Victoria Horne) – schließlich vertreibt Elwood alle in Frage kommenden Kandidaten aus dem Haus. Danach wird im Verwandtenkreis erwogen, den im Grunde absolut harmlosen Elwood in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Mein Freund Harvey weiterlesen

Die Liebesabenteuer des Don Juan

Illustrierte Filmbühne Nr. 1080 (E. S.) – Friedrich Wollenberg, Besitzer des „Metro im Schwan” an der Hauptwache in Frankfurt, hat sich wieder einmal etwas Besonderes ausgedacht, als der Warner-Streifen Die Liebesabenteuer des Don Juan Premiere hat. Nicht gerade verwunderlich, denn Wollenberg ist stadtbekannt für seine außergewöhnliche Werbemaßnahmen.  

Die Liebesabenteuer des Don JuanAls der Film Anfang März 1951 vor seiner Erstaufführung in der Mainmetropole steht, ordert Wollenberg sage und schreibe 10 000 kleine Blumensträußchen bei einschlägigen Händlern, lässt die gleiche Zahl von winzigen Visitenkärtchen drucken, und fügt sie den Gebinde bei. Die Geschenke werden von Pagen in der Innenstadt verteilt. Auf den Kärtchen steht nicht viel, nur einige Worte: „Ihr Don Juan erwartet Sie. Telefon 34668!“ Es ist eine eigens eingerichtete Nummer für den Vorverkauf. Im Gefolge der Pagen rollt – wie die Zeitung „Frankfurter Rundschau” am 6. März zu berichten weiß –, ein von Ponys gezogener Wagen des Zoologischen Gartens durch die Stadt, der ebenfalls zur eingesetzten Werbekolonne gehört. Klappern gehört für den Kinozar einfach zum Handwerk. Es ist nicht überliefert, inwieweit die Aktion den Besuch des Kinos tatsächlich positiv beeinflusst hat, immerhin ist Hauptdarsteller Errol Flynn zu dieser Zeit auch ohne massive Werbung immer noch ein Kassenmagnet, obwohl sein Stern in der Heimat wegen diverser Alkoholprobleme bereits am Sinken ist. Die Liebesabenteuer des Don Juan weiterlesen

Vater der Braut

Illustrierte Filmbühne Nr. 1073 (E. S.) Diese Familienkomödie handelt von den vielfältigen Freuden und „Leiden” eines amerikanischen Vaters am Hochzeitstag seiner Tochter. Die Geschichte, die wahrscheinlich jeder Kinobesucher in dieser oder jener Form selbst schon einmal erlebt hat, ist warmherzig und mit Humor erzählt und die Szenen, in denen der Vater der Braut sowohl Stolz als auch zärtliche Gefühle zeigen darf, finden beim Publikum viel Anklang.

Vater der BrautWas den Film zuerst für die Amerikaner, und ein Jahr später für die europäischen Kinobesucher so interessant macht, ist eine Heirat, die es „im wirklichen Leben” gegeben hat. Die Hauptdarstellerin Elizabeth Taylor, ein ehemaliger MGM-Kinderstar von nunmehr 18 Jahren, hat nämlich am 6. Mai 1950 – rund einen Monat vor der Weltpremiere des Films – tatsächlich geheiratet, und zwar den Hotelbesitzersohn Conrad „Nick“ Hilton. Als der MGM-Streifen einen Monat später in die amerikanischen Kinos kommt, wirkt das Lustspiel fast wie ein überaus gezielt arrangierter Werbegag. Denn natürlich sind die Wochenschauen und die bunten Blätter der Regenbogenpresse nach der Heirat voll von Details der glanzvollen Hochzeit in Beverly Hills. Als der Streifen aber am 10. April 1951 in die deutschen Kinos kommt, ist das Paar schon wieder geschieden. Vor allem Conrads Hiltons Alkoholprobleme, die zu tätlichen Angriffen auf Elizabeth führen, sind der Grund für die schnelle Trennung. Abgesehen von dem Ende dieser „realen” Ehe sind die Parallelen zwischen den Produkten der „Traumfabrik” und dem wirklichen Leben für das Publikum reizvoll. Vater der Braut weiterlesen

Professor Nachtfalter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1070 (E. S.)  – Zur Frankfurter Premiere des Films Professor Nachtfalter am 23. Februar 1951 lässt sich die Direktion des Turmpalastes etwas ganz Besonderes einfallen: Zur Verlosung kommt unter dem Publikum ein Vespa-Motorroller, was der Tatsache geschuldet ist, dass auch Professor Wendler (Johannes Heesters) im Film auf einem jener schnuckeligen Zweiräder italienischer Provenienz unterwegs ist.

Professor NachtfalterAußerdem unternimmt der vor kurzem erst neu gegründete Vespa-Club aus Frankfurt am Premierentag ein Stadtrundfahrt, um dann am Eschenheimer Turm vor das Kino zu fahren, um danach dem Film geschlossen die Ehre eines Besuches zu erweisen. Diese durchaus hübsche Idee gefällt dem Publikum, noch mehr Spaß hat allerdings Helga Jockel aus Frankfurt-Ginnheim, denn mit der Nummer 008723 wird sie zur stolzen Besitzerin der ausgelobten Vespa. Das außerordentlich einfach konstruierte (und zu fahrende) Zweirad ist 1946 in Italien entwickelt worden  und findet erst im Jahr 1950 den Weg nach Deutschland. Auch der Herr Professor ist jugendlich-strahlend – wenn auch in der realen Wirklichkeit während der Aufnahmen schon 47 Jahre alt – und wird natürlich angehimmelt von seinen Schülerinnen im Mädchenpensionat am Bodensee. Professor Nachtfalter weiterlesen

Das zauberhafte Land

Illustrierte Filmbühne Nr. 956 (E. S.) – Hollywood ist schon seit jeher ein Synonym für den Begriff „Traumfabrik“. Wie am Fließband werden in Los Angeles Filme hergestellt, und dabei echte oder vermeintliche Wünsche des Publikums erfüllt. Als ein klassisches Paradebeispiel für die Schaffung einer solchen Traumwelt gilt der MGM-Farbfilm Das zauberhafte Land aus dem Jahr 1939. 

Das Zauberhafte LandBesonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Kinder und Jugendliche soviel Hunger, Leid und Elend erlebt haben, ist ein solcher phantasievoller Märchenfilm wie geschaffen dafür, aus der harten Realität in eine prachtvolle Phantasiewelt entführt zu werden. Als der Streifen 1950 in die deutschen Kinos kommt, hat er noch kein bisschen Patina angesetzt.  Der Musical-Klassiker bietet jedenfalls bei seinem Erscheinen beste Unterhaltung. Vor allem das Lied „Over the Rainbow“ („Jenseits des Regenbogens“) ist als Ohrwurm unschlagbar und wird später einmal vom „American Film Institute“ auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gesetzt. Weil die Homosexuellen der USA in dem Lied die Widerspiegelung eigener Sehnsüchte nach einer toleranteren und besseren Welt sehen, wird es in den 70er Jahren zu einer Art Hymne für sie. Doch das liegt alles noch in der Zukunft. Denn als ich den Film Anfang der 50er Jahre in den Harmonie-Lichtspielen sehe, sind es vor allem tollen Farben und der traumhaft schöne Inhalt, der mich begeistert. Das zauberhafte Land weiterlesen

Sein Engel mit den zwei Pistolen

Illustrierte Filmbühne Nr. 782 (M. F.)  – Spaß muss sein, Spaß sollte auch sein! Muss Mensch dafür Steuer zahlen, dass er lacht und sich auf die Schenkel schlägt vor Freude und sich köstlich amüsiert, wie etwa bei der Western-Parodie Sein Engel mit den zwei Pistolen? Die Frage taucht immer wieder auf, wenn es um die oft heiß umstrittene Vergnügungssteuer geht: – auch am Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre in der Bundesrepublik ist dies ein immer wieder diskutiertes Thema. 

PistolenAls ob es nicht schon schlimm genug wäre, für einen Kinobesuch diesen eher seltsamen Steuer-Obulus berappen zu müssen, setzt die gerade kurz zuvor gegründete „Spitzenorganisation der Filmwirtschaft“ noch einen drauf und fordert Ende April 1951 – genau zu der Zeit, als ich den Film in der Scala sehe – von den Zuschauern einen zusätzlichen „Filmgroschen”, dessen Erlös dann den Produzenten, den Kinobesitzern und auch den Verleihern zufließen soll. Und dabei knabbert die Filmbranche – trotz einiger herber Verluste bei hektisch und schlecht gemachten Filmen – nicht gerade am Hungertuch, dreht Filme wie am Fließband, zahlt satte Gagen an so genannte Stars und Sternchen, und ist auch bei ihrer Außendarstellung mit viel Prunk und glanzvollen Premieren und bei Filmbällen nicht gerade zurückhaltend. Prachtvolle Kinos schießen derweil wie Pilze aus dem Boden, so dass es irgendwie grotesk erscheint, mit einem Zuschlag dieser angeblich „kränkelnden” Filmbranche wieder auf die Beine zu helfen. Doch das weit verbreitete kapitalistische Motto: „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren”, gilt auch zu dieser Zeit. Sein Engel mit den zwei Pistolen weiterlesen

Der Mustergatte

Illustrierte Filmbühne Nr. 737 (E. S.) – Der Beginn der frühen Fünziger Jahre ist in der Bundesrepublik Deutschland gekennzeichnet von sehr durchschnittlicher und  ziemlich leichter Filmkost; der ungebremsten Verleihwut der acht mächtigen US-Companies setzen die deutschen Produzenten – in finanzieller Hinsicht fast immer ziemlich klamm – meist nur noch konventionelle Massenware entgegen, die auch einer weit verbreiteten Stimmung im Land entgegenkommt. 

MustergatteDie Adenauer-Ära hat gerade begonnen. Und trotz der geplanten Wiederbewaffnung und dem damit verbundenen Widerstand vieler dagegen („Ohne mich”-Standpunkt), haben die Menschen gleichwohl auch Lust auf Unterhaltung. Auch die so genannten gesellschaftliche Ereignisse interessieren mehr und mehr und prägen die vier Wochenschauen: Die Wahl der „Miss Germany” Susanne Erichsen ebenso wie die Verlobung des Schahs von Persien mit Fürstentochter Soraya oder die Hochzeit des Filmstars Elizabeth Taylor mit dem Erben des Hotelkönigs Hilton. In den Kinos sind derweil zahlreiche eher belanglose deutsche Titel aufgetaucht, auch viele Unterhaltungsfilme aus der Kriegs- und Vorkriegszeit – so genannte Reprisen – schmücken die Programme der Lichtspielhäuser.

Unter diesen Filmen befindet sich auch der bereits 13 Jahre alte Klassiker Der Mustergatte. Darin geht es um die Ehepaare Margret und William Bartlett (Leni Marenbach, Heinz Rühmann) sowie Doddy und Jack Wheeler (Heli Finkenzeller, Hans Söhnker). Barlett ist fast krankhaft pedantisch, Wheeler in Bezug auf weibliche Wesen überaus leichtsinnig. Beide Frauen sind deshalb unzufrieden mit ihren Rollen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Motiven: Margret Bartlett leidet unter ihrem überkorrekten und langweiligen Mann und will sich scheiden lassen, Doddy Wheeler hingegen macht sich ständig Sorgen wegen der „Weibergeschichten” ihres Angetrauten. Der Mustergatte weiterlesen

Ich war eine männliche Kriegsbraut

Illustrierte Filmbühne Nr. 695 (E. S.) – Als der Centfox-Film Ich war eine männliche Kriegsbraut am 21. April 1950 im „Metro im Schwan“ in Frankfurt Premiere hat, will ich unbedingt dabei sein. Immerhin ist die groteske Roadmovie-Groteske in den Regionen Rhein-Neckar und Rhein-Main gedreht worden. Grund genug, sich schon am ersten Tag ins Kino zu setzen.

Mänliche KriegsbrautDie Außenaufnahmen sind von Regisseur Howard Hawks und seinen Mitarbeitern  auf dem Neckar bei Heidelberg , im nördlichen Kraichgau sowie auch in Schwetzingen, Mannheim und Frankfurt am Main aufgenommen worden. Weil ich die Dreharbeiten aufgrund einer Abwesenheit verpasse, – sonst bin ich möglichst immer dabei, wenn in Frankfurt Filmaufnahmen gemacht werden –, will ich nun doch im Kino einen Blick auf die Stadt werfen, werde aber enttäuscht, weil die einzelnen Schauplätze kaum zu erkennen sind. Die Frankfurter Szene ist nur kurz und unauffällig und selbst für Alteingesessene kaum wahrnehmbar. Immerhin entschädigt der Film dann für dieses entgangene Vergnügen. Es ist eine witzige übermütige Parodie auf den Bürokratismus beim amerikanischen Militär geworden. Am eigenen Leib erfahren hat dies der französische Offizier Henri Rochard, der nach seiner Einreise in die Vereinigten Staaten und nach seiner Heirat seine kuriosen Erlebnisse mit der Militärbürokratie aufgeschrieben hat. Ich war eine männliche Kriegsbraut weiterlesen

Nur meiner Frau zuliebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 674 (E. S.) – Die Frankfurter Innenstadt ist durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört, die Trümmerberge aber sind 1950 weitgehend beseitigt. Doch es gibt Streit zwischen Einwohnern, Politikern und Städteplanern über den zukünftigen Weg. Einige wollen die alten Straßen und Gassen wieder aufbauen, andere plädieren für einen Neuaufbau.

Nur meiner Frau zuliebeDoch weil der Streit nicht so schnell und ohne weiteres beigelegt werden kann, wird zunächst einmal ein Baustopp für die ganze Innenstadt verhängt. Das verschlimmert die Wohnungsnot der Bevölkerung und ruft manche Spekulanten auf den Plan, die auch noch von einem Gesetz profitieren, das Bauherren die Möglichkeit einräumt, von ihren zukünftigen Mietern so genannte „Baukosten-Zuschüsse“ zu kassieren. Zwar soll dieses Geld über die Mietabrechnung zurückgezahlt werden, aber dabei geht nicht immer alles korrekt zu. Doch nicht nur die Kriegsverlierer in Deutschland haben mit Wohnungsnot zu kämpfen, auch bei den Siegern im fernen Amerika ist der Wohnraum – vor allem in den Metropolen – äusserst knapp bemessen. In New York wohnt zum Beispiel der Werbetexter Jim Blandings (Cary Grant) mit seiner Familie in einer mehr als kleinen, engen Wohnung, in der sich alle gegenseitig über den Haufen rennen. Irgendwann hat Blandings die Nase voll von dem Getümmel und erwirbt ohne nachzudenken, ein Haus auf dem Land. Nur meiner Frau zuliebe, wie er sich selbst einredet. Nur meiner Frau zuliebe weiterlesen

Der Millionär

Illustrierte Filmbühne Nr. 322  (E. S.)  – Einer der ersten Filme, die 1947 in die Lichtspielhäuser kommen, ist eine deutsche Komödie: sie heisst knapp Der Millionär. Das Lustspiel handelt von dem Postboten Leopold Habernal, der nach einer Erbschaft zum reichen Mann wird, aber entgegen aller Erwartungen seiner Mitmenschen weiter unverdrossen seine Postsendungen austrägt. Es ist das Hohelied vom braven Mann.

Der MillionärIn den ersten Monaten nach dem Krieg beschäftigen also nicht nur zahlreiche „Trümmerfilme” die eifrigen deutschen Filmemacher, es wird auch schon wieder recht emsig am Lustspiel-Genre gearbeitet – wenn in diesem Fall auch nur indirekt. Denn es handelt sich bei diesem belanglosen Streifen nicht um eine Nachkriegsproduktion, sondern um einen Überhang-Film aus der Zeit vor der deutschen Kapitulation. Die Münchener Bavaria hat das Stück von November 1944 bis in den Januar 1945 gedreht, für eine Uraufführung reicht es in den letzten Kriegsmonaten nicht mehr. Die Defa in Ost-Berlin vollendet den Streifen, danach genehmigen die Besatzungsbehörden aller Zonen die Vorführung, darunter auch in Frankfurt.

Der Film wirkt freilich irgendwie recht ambivalent. In der Nazi-Zeit, als ganz Europa schon in Schutt und Asche versunken ist, soll diese mehr als seichte Unterhaltungsware die Menschen zum Durchhalten animieren, zwei Jahre später dient er unter anderen politischen Voraussetzungen dazu, der Bevölkerung das schwierige Leben im Deutschland der Nachkriegszeit wenigstens filmisch zu versüßen. Der Millionär weiterlesen