Vier Federn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Ein wegen seines Austritts aus der Armee von seinen Ex-Kameraden und seiner Braut wegen „Feigheit” gedemütigter britischer Offizier zeigt während des Mahdi-Aufstands im Sudan (1898) größeren Mut als seine moralischen Richter: Das ist der Inhalt eines britischen Films, der viele Fragen aufwirft.

Vier FedernAls Anfang November 1950 im Frankfurter Turmpalast Vier Federn anläuft, fragt die  „Frankfurter Rundschau” ein wenig irritiert, ob die Vorführung dieses Films in Deutschland zu dieser Zeit unbedingt nötig ist. „Darüber lässt sich streiten”, stellt die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. November fest. Das Blatt verweist darauf, dass die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft” (FSK) in Wiesbaden die Vorführung noch vor kurzem abgelehnt hat und dann doch überraschend und nach einigen Schnittauflagen die Freigabe erteilt hat. Auch Angehörige der Frankfurter Jugendorganisation „Die Falken“ fragen nach dem Sinn dieses Films, der die distanzlose Verherrlichung von soldatischem Ethos in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Immerhin erfolgt die Aufführung zu einer Zeit, in der in der Bundesrepublik intensiv über die bevorstehende Wiederbewaffnung gestritten wird. Doch es bleibt nicht nur bei rhetorischen Fragen. „Die Falken“ jedenfalls verabreden sich zu einer Protestaktion, gehen als große Gruppe in die 18-Uhr-Vorstellung am Sonntag und verlassen mitten während der Vorstellung mit Pfiffen und lautem Gepolter das Kino am Eschenheimer Turm. Vier Federn weiterlesen

Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen. Tokio Joe weiterlesen

Der Verrat des Surat Khan

Illustrierte Filmbühne Nr. 961 (E. S.) – Der Warner-Streifen Der Verrat des Surat Khan ist Mitte April 1950 im Frankfurter Filmpalast zu sehen – und es ist ein durch und durch zwiespältiger Film: Auf der einen Seite die Verharmlosung britischer Kolonialgeschichte, pathetische Glorifizierung des Heldentodes, andererseits spektakuläre Bilder, die zu den ausgefeiltesten der Filmgeschichte zählen dürften.

Der Verrat-des-Surat-KhanUnverhohlen wird der Krieg verherrlicht, der „Heldentod“ als eine durchaus ehrenwerte Sache dargestellt. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Millionen Toten wirkt der Film zu dieser Zeit deshalb eher ein wenig befremdlich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden hat an dieser Tendenz freilich nichts auszusetzen. Anfang der Fünfziger Jahre entspricht das auch durchaus dem Zeitgeist in der Bundesrepublik. Abgesehen von diesem Aspekt überzeugen die mehr als kunstvoll arrangierten Actionszenen. Regisseur Michel Curtiz greift dabei auch beim zweiten großen Film von Errol Flynn nach dem erfolgreichen „Captain Blood“ („Unter Piratenflagge“) mit Bravour und Geschick in die Trickkiste Hollywoods. Der Spielleiter erweist sich dabei als Meister seines Faches, insbesondere bei der Anordnung spektakulärer Szenen. Eine groß angelegte Leopardenjagd, untermalt vom Dröhnen unzähliger Trommeln und der großartigen Filmmusik Max Steiners, die Erstürmung eines Forts, kreischende Frauen und brüllende Kinder –  das hinterlässt einen starken Eindruck und weist hin auf die meisterliche Hand von Kameramann Sol Polito. Der Verrat des Surat Khan weiterlesen

Wem die Stunde schlägt

Illustrierte Filmbühne Nr. 789 (E. S.)  – Am 11. Januar 1951 startet um 18 Uhr in Frankfurt in einer Festvorstellung in deutscher Erstaufführung und dazu auch noch in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus dem In- und Ausland Wem die Stunde schlägt nach einem Roman von Ernest Hemingway. Der noch frische Turmpalast ist Schauplatz der Premiere dieses Films, in dem Paramount einige Ereignisse während des Spanischen Bürgerkrieges thematisiert; die Hauptrollen spielen Ingrid Bergman und Gary Cooper. 

Wem die Stunde schlägtDas Datum ist zwar eher zufällig zustande gekommen, doch ist dieser Tag politisch gesehen von historischer Bedeutung. An diesem 12. Januar 1951 tritt die UN-Konvention über die „Verhütung und die Bestrafung von Völkermord“  in Kraft, nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York bereits zwei Jahre zuvor (genau am 9. Dezember 1948) das Dokument als Resolution Nr. 260 der Generalversammlung vorgelegt hat. Es ist eine interessante, wenn auch nur theoretische  Frage, wie die Staaten der Welt – wäre die Konvention zu dieser Zeit schon in Kraft gewesen – auf die Vorgänge in Spanien reagiert hätten, als zwischen Juli 1936 und April 1939 die demokratisch gewählte Volksfrontregierung der Zweiten Spanischen Republik von rechtsgerichteten Putschisten unter Führung von General Franco gestürzt wurde. Wem die Stunde schlägt weiterlesen

Trommeln am Mohawk

Illustrierte Filmbühne Nr. 544 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspiel-Theater Roxy läuft am 31. März 1950 der Centfox-Film Trommeln am Mohawk an. Es ist eine Story, die nicht nur zum geschichtlichen Ursprung der Vereinigten Staaten von Nordamerika führt, sondern auch zur US-Politik im Westen Deutschlands in der Nachkriegszeit.

TrommelnWas der us-amerikanische Filmverleih in seiner Pressearbeit suggeriert, ist freilich oberflächlich. Die Werbeleute stellen in ihren Botschaften vor allem die „Kampfszenen zwischen Indianern und Farmern” in den Vordergrund oder kaprizieren sich ganz auf Mitteilungen dieser Art: „Wenn der Schlachtruf der Indianer gellt, (dann) werden Erinnerungen an die Zeiten Karl Mays wach.” Der Streifen scheint also einer der üblichen Western zu sein, in denen wild geritten, geschossen und mit den Fäusten zu Werke gegangen wird. Tatsächlich aber geht es um mehr. Zwar stehen Kämpfe zwischen den Farmern und Indianern im Mittelpunkt, aber da der Film im Jahr 1776 spielt – wenige Monate zuvor hat der Kampf der 13 verbündeten Kolonialstaaten Nordamerikas um die Unabhängigkeit von der britischen Krone begonnen – spielt auch dieser blutige Krieg (von 1775 bis 1783) eine zentrale Rolle. Es geht also um ein Stück wichtiger amerikanischen Geschichte, das nach 1945 auch den Deutschen in vielen Facetten vermittelt werden soll.

Deshalb entstehen in den Großstädten der amerikanischen Zone auch schnell die ersten Amerika-Häuser (offiziell: United States Information Center). Die Einrichtung gehört zum Programm der Militärbehörden, um nach zwölf Jahren Nazi-Herrschaft ihre eigenen Ideale von Demokratie, Kultur und Politik nach Deutschland zu transportieren. Trommeln am Mohawk weiterlesen

Korvette K-225

Illustrierte Filmbühne Nr. 93  (E. S.) –Es ist ziemlich irritierend: Gerade erst sind die Schrecken des Krieges und der Bombardements vorbei, da schicken die Amerikaner bereits im August 1945 einen Kriegsfilm in die wenigen Kinos, die in der US-Zone bereits wieder ihre Pforten geöffnet haben. Korvette K-225 erzählt von den Auseinandersetzungen eines US-Kriegsschiffes mit deutschen U-Booten. Ein Jahr später läuft der Film unter anderem auch in der Harmonie in Sachsenhausen.

KorvetteDas Irritierende dabei ist ja, dass ganz Frankfurt noch in Trümmern liegt und das Leben nur langsam wieder in Gang kommt. Nicht jedermann darf zu dieser Zeit von außerhalb in die Stadt ziehen. In einer schriftlichen Verordnung vom 23. August 1945 teilt der von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum allen mit, dass „wegen der Wohnungsnot die Rückkehr von Familien und Einzelpersonen, die früher in Frankfurt gewohnt haben, sowie der Zuzug nach Frankfurt bis auf weiteres verboten (ist).” Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen. Wer z.B. im Versorgungssektor tätig ist (ärztliche Versorgung, Ernährung, Bekleidung) darf auf schnellere Genehmigung hoffen; auch Baufachkräfte aller Art sind vom Zuzugsverbot nicht unbedingt betroffen.

Gleichwohl geht alles nur schleppend voran. Zeitzeuge Walter H. berichtet: „Obwohl mein Vater – damals Mitte fünfzig – Handwerksmeister ist, dauert es ein knappes Jahr, ehe unsere Familie als Ausgebombte die Genehmigung erhält, aus dem Westerwald nach Frankfurt zurück zu kehren.” Seltsam ist es also schon, dass die Amerikaner in diesem Chaos so schnell nach der Kapitulation wieder einen Kriegsfilm über die Leinwände flimmern lassen. Korvette K-225 weiterlesen

Abenteuer in Panama

Illustrierte Filmbühne Nr. 81  (E. S./M. F.) – Humphrey Bogart begegnet vielen deutschen Kinogängern zum ersten Mal im Jahr 1947 in Frankfurt in dem Film Abenteuer in PanamaAcross the Pacific, wie der Originaltitel heisst, läuft schon in synchronisierter Fassung, die politischen Akzente sind selbst für unbedarfte Jugendliche durchschaubar, allerdings gefällt vielen davon auch das abenteuerlich-exotische Milieu, in der die Handlung spielt.

Abenteuer in PanamaIn den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 haben die sogenannten „Kaiserlichen Luftstreitkräfte der japanischen Marine“ die Pazifikbasis der USA in Pearl Harbor auf Hawaii überraschend angegriffen, was zum offiziellen Kriegseintritt der USA im Zweiten Weltkrieg führt. Solche Ereignisse werden von den Studio-Filmemachern in Hollywoods Traumfabrik durchaus gerne propagandistisch unterstützt und dienen dazu, innerhalb der Vereinigten Staaten in der Bevölkerung positive Verhaltensweisen für den Kriegseintritt zu erzeugen. Bei diesen Voraussetzungen ist der Konflikt zwischen den USA und Japan im Grunde genommen das zentrale Thema der 97 Leinwand-Minuten. Der unehrenhaft aus der US-Armee entlassene Hauptmann Rick Leland (Humphrey Bogart) soll dabei vom japanischen Spionagedienst angeworben werden – was jedoch eher zweifelhaft erscheint, ist Leland doch in jeder Minute des Films seine wirkliche und „patriotische” Gesinnung im Gesicht abzulesen. Abenteuer in Panama weiterlesen