Der Weg nach Rio

Illustrierte Filmbühne Nr. 573 (E. S.) – Bing Crosby, Bob Hope und Dorothy Lamour sind ein schauspielerndes Dreigespann, das zwischen 1940 und 1952 bei der Paramount eine Serie von Filmen realisiert, die unter dem Begriff „Comedy Road Movie” in die Filmgeschichte eingehen. Alle Streifen tragen den gleichen Grundtitel (Road to… / Der Weg nach…), nur die Namen der Zielorte wechseln. Anfang Juni 1950 sehe ich mit Freunden im Roxy den Film Der Weg nach Rio.

Weg nach RioDiese vergnüglichen, aber insgesamt doch insgesamt eher anspruchslosen Filme gefallen unserem kleinen Kreis von jungen Filmbegeisterten. In den Jahren nach 1945 werden sehr viele amerikanische und britische Streifen nach Deutschland geschickt, die meist zu düster sind für die Generation gebeutelter Kinder, denen der Sinn ohnehin eher nach Lachen als nach Weinen steht. Als die ersten Filme dieser „Road Movies” in unsere Kinos kommen, machen sie uns wirklich viel Spaß, denn sie wirken auf uns wie eine Persiflage auf viele Dschungel- und Tarzan-Filme dieser Zeit. Die Bedeutung des Namens von Bob Hope ist uns allerdings nicht so recht bewusst, Crosby dagegen haben wir schon in dem Film „Die Glocken von St. Marien” gesehen. Der Weg nach Rio ist jedenfalls sehr flott und unterhaltsam und strapaziert auch die Lachmuskeln. In der spritzigen Handlung retten Bing Crosby und Bob Hope als blinde Passagiere auf einem Schiff eine attraktive Frau vor einer Gaunerin, die mit hypnotischem Klimbim die Leute ausnimmt. Der Weg nach Rio weiterlesen

Gefährliche Gäste

Illustrierte Filmbühne Nr. 564  ( E. S.) – Es ist höchst erstaunlich, wie sehr sich der deutsche Film wenige Jahre nach Ende des Weltkrieges in kaum zu überbietender Harmlosigkeit präsentiert. Auch der Hamburger Real-Film Gefährliche Gäste ist ein Musterbeispiel dafür. Einige Umstände bei der Produktion sind allerdings höchst dramatisch.

Gefährliche GästeEine sehr wichtige Rolle im Film spielen die drei Vagabunden „Boxer-Franz” (Hans Schwarz jr.), „Taschen-August” (Bobby Todd) und „Tango-Poldi” (Ludwig Röger). Doch noch bevor alle wichtigen Szenen „im Kasten” sind, stirbt plötzlich und unerwartet der als Kabarettist bekannte Röger. Geza von Cziffra, der Regisseur, improvisiert, in einigen noch zu drehenden Szenen muss ein Double eingesetzt werden. Doch Rögers Tod ist nicht das einzige Ungemach. Recht ausführlich berichten Tageszeitungen und Illustrierte kurz darauf, wie bei der Fahrt zu Außenaufnahmen in Travemünde das Auto mit Geza von Cziffra am Steuer und den Insassen Vera Molnar, Paul Kemp und Hannelore Morell verunglückt. Während Hannelore Morell und Ceza von Cziffra so gut wie unverletzt bleiben und Paul Kemp mit Rippenbrüchen davonkommt, erleidet Vera Molnar so schwere Verletzungen, dass sie erst nach langer Pause ihre gerade neu gestartete Filmkarriere fortsetzen kann.

Unter diesen schwierigen Umständen darf man von dem Film wohl nicht all zuviel erwarten, ohnehin ist es von der Konzeption her nur einer weiterer der zahlreichen deutschen Nachkriegsfilme mit durchschnittlichem Unterhaltungswert. Gefährliche Gäste weiterlesen

Sag die Wahrheit

Illustrierte Filmbühne Nr. 195 (M. F.) Es ist eine faustdicke Überraschung für die Zuschauer in der Scala in der Frankfurter Innenstadt. Im Sommer ’48 läuft dort der Film Sag die Wahrheit, als in der Nachmittagsvorstellung mitten im Film das Licht angeht. Was das wohl wieder bedeuten mag, fragen sich die Zuschauer insgeheim, denn in der Nachkriegszeit gibt es aus diversen Gründen immer mal wieder Störungen in den Kinos – doch bleiben sie nicht lange im Unklaren.

Sag die WahrheitEin Mann mit Hut und Mantel tritt vor die Leinwand, begrüsst die Besucher mit einem vernehmlichen „Hallo” und gibt sich dann als Gustav Fröhlich zu erkennen. Dass der Hauptdarsteller so plötzlich hereinschneit, ist ungewöhnlich, werden doch Auftritte von bekannten Schauspielern in der Regel durch die Filmverleiher und Theaterbesitzer lange geplant und meist lautstark annonciert. Doch diesmal ist das Ganze eine überaus private Angelegenheit. Gustav Fröhlich hat an diesem Tag in der Frankfurter Innenstadt zu tun, kommt zufällig an der Scala vorbei und sieht die Plakate von Sag die Wahrheit. Er bittet den Theaterleiter um eine kurze Unterbrechung, die dieser natürlich liebend gerne zusagt. Fröhlich plaudert einige Minuten mit den Zuschauern und verabschiedet sich dann vom gut gelaunten Publikum. Dieser Kurzauftritt versöhnt die Zuschauer vielleicht auch ein wenig, denn der Streifen ist nicht gerade eine Glanzleistung der Produktionsfirma, obwohl die Idee durchaus einen gewissen Pfiff hat. Sag die Wahrheit weiterlesen

Das Bad auf der Tenne

Illustrierte Filmbühne Nr. 107  (E. S.) – Neben den vielen ausländischen Filmen kommen 1947 auch immer mehr so genannte „Reprisen” in die Kinos. Das sind deutsche Filme aus der Nazi-Zeit, die von den alliierten Militärbehörden bei der „demokratischen Zurück-Umerziehung” der Bevölkerung als „unbedenklich” eingestuft und zur Vorführung wieder freigegeben werden.

Bad auf der TenneEiner davon ist der recht derbe Tobis-Schwank Das Bad auf der Tenne. In der ersten März-Woche läuft er im Union-Theater im westlichen Frankfurter Vorort Sindlingen. Es ist der fünfte deutsche Agfacolor-Farbfilm nach Frauen sind doch bessere Diplomaten, Das große Spiel, Die goldene Stadt und Münchhausen. Weil im Februar 1947 wegen der brutalen Kälte die Lichtspielhäuser in Frankfurt kurzzeitig geschlossen werden, um Heizmaterial zu sparen, strömen umso mehr Menschen nach der Wiedereröffnung am 18. Februar in die wenigen vorhandenen Kinos. Es sind dies im Zentrum nur die Schauburg, und das Apollo (beide in Bornheim) sowie die Lichtburg und das Hansa-Kino (in der Kaiserstraße). In den Stadtteilen sind die Zoo-Lichtspiele im Ostend, das Harmonie in Sachsenhausen und das Titania in Bockenheim geöffnet. Ausserdem wird in den weiter entfernten Stadtteilen Fechenheim, Höchst, Sindlingen, Rödelheim, Eckenheim und Bonames schon wieder gespielt. Und nach der bisherigen Flut von amerikanischen, britischen und französischen Streifen gibt es nun also auch wieder deutsche Filme in den Kinos. Das Bad auf der Tenne weiterlesen

Peter Voss, der Millionendieb

Illustrierter Filmkurier Nr. 3360 a (E. S.)  – Peter Voss, der Millionendieb wird im Herbst 1946erstmals gezeigt, aber erst im August 1950 in Frankfurt am Main. Karl Anton hat das Unterhaltungsstück zwar schon von September 1943 bis März 1944 noch bei der alten „Tobis” abgedreht, aber der Film ist wegen des Krieges nicht mehr aufgeführt worden. 

Peter VossNach der Kapitulation fällt das Material in Berlin in die Hände der Alliierten und wird von sowjetischen Offizieren an die gerade in der Gründung befindliche „DEFA“ zur Bearbeitung und Vorführung übergeben. Der Film wird allgemein als unpolitisch eingestuft, obwohl er zu jener Art von Unterhaltung gehört, die von den Nazis immer gerne gesehen worden ist, um den Menschen inmitten der Kriegswirren eine heile Welt vorzugaukeln und sie auf diese Weise zum „Durchhalten” zu animieren. Im Jahr 1946 ist das Publikum jedoch schon längst mit anderen Problemen beschäftigt und werkelt intensiv am Wiederaufbau des Landes, was sich auch an den positiven Wirtschaftsmeldungen ablesen lässt. Zum Beispiel teilt In Frankfurt die amerikanische Militärregierung mit, dass im zurückliegenden Monat bereits wieder Waren im Wert von insgesamt 1,64 Millionen US-Dollar aus ihrer Zone ins Ausland exportiert worden sind.

Der Aufschwung kommt also in Gang, auch wenn überall noch die Holzvergaser herumfahren. Bei solchen Vorzeichen geht es dann um reine Unterhaltung. Allerdings hat kaum jemand real so viel Geld in den Taschen wie im Film fiktiv vorhanden ist. Dafür geht es – wie so oft bei Ufa, Tobis oder Terra in jenen Jahren – auch auf Grund der Romanvorlage höchst international und weltläufig zu. Peter Voss, der Millionendieb weiterlesen