Das zauberhafte Land

Illustrierte Filmbühne Nr. 956 (E. S.) – Hollywood ist schon seit jeher ein Synonym für den Begriff „Traumfabrik“. Wie am Fließband werden in Los Angeles Filme hergestellt, und dabei echte oder vermeintliche Wünsche des Publikums erfüllt. Als ein klassisches Paradebeispiel für die Schaffung einer solchen Traumwelt gilt der MGM-Farbfilm Das zauberhafte Land aus dem Jahr 1939. 

Das Zauberhafte LandBesonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Kinder und Jugendliche soviel Hunger, Leid und Elend erlebt haben, ist ein solcher phantasievoller Märchenfilm wie geschaffen dafür, aus der harten Realität in eine prachtvolle Phantasiewelt entführt zu werden. Als der Streifen 1950 in die deutschen Kinos kommt, hat er noch kein bisschen Patina angesetzt.  Der Musical-Klassiker bietet jedenfalls bei seinem Erscheinen beste Unterhaltung. Vor allem das Lied „Over the Rainbow“ („Jenseits des Regenbogens“) ist als Ohrwurm unschlagbar und wird später einmal vom „American Film Institute“ auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gesetzt. Weil die Homosexuellen der USA in dem Lied die Widerspiegelung eigener Sehnsüchte nach einer toleranteren und besseren Welt sehen, wird es in den 70er Jahren zu einer Art Hymne für sie. Doch das liegt alles noch in der Zukunft. Denn als ich den Film Anfang der 50er Jahre in den Harmonie-Lichtspielen sehe, sind es vor allem tollen Farben und der traumhaft schöne Inhalt, der mich begeistert. Das zauberhafte Land weiterlesen

Sindbad, der Seefahrer

Illustrierte Filmbühne Nr. 803 (E. S.) – Nach den vielen Bemühungen in den ersten Nachkriegsjahren, kulturell etwas zu bewegen und auch im Kino und Film  neue Wege zu beschreiten, konsumieren die Menschen 1950 überwiegend Heiteres, was aber nicht unbedingt immer Gutes sein muss. Schnulzen feiern große Erfolge, und gesteigertes Interesse finden auch „gesellschaftliche Ereignisse“ wie etwa die Wahl der ersten Miss Germany, die Heirat von Hollywood-Star Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton oder die Verlobung des Schahs von Persien mit Soraya im Oktober, was ja nichts anderes ist als die Ankündigung einer „Traumhochzeit“.

SindbadDrei Monate nach der Verlobung geht dann im Februar 1951 das „Hochzeitsmärchen“ tatsächlich über die Bühne. Kein Wunder, dass in dieser Zeit besonders all die bunt schillernden Fabrikate aus Hollywood gefragt sind, in denen die pracht- und geheimnisvolle orientalische Märchenwelt eine Rolle spielen. Unter diesen Umständen hat es auch der Film Sindbad, der Seefahrer – westdeutsche Premiere ist am 18. August im Frankfurter Bieberbau – leicht, ein großes Publikum zu finden. Denn anders als bei manchen der vielen deutschen Produktionen dieser Zeit darf trotz mancher   Übertreibungen von unbeschwerter Unterhaltung gesprochen werden. Die vielfältigen Abenteuer von Sindbad (Douglas Fairbanks jr.), der sich auf der Suche nach verborgenen Schätzen befindet und sich zugleich auch um die Zuneigung der schönen Prinzessin Shireen (Maureen O’Hara) bemüht, sind für die meisten Besucher kurzweilige Unterhaltung. Warum auch nicht? Sindbad ist schließlich ein verflixter Teufelskerl. In jeder noch so schwierigen Lebenslage weiß er sich zu helfen und aus prekären Situationen zu befreien. Geld? Das braucht er nicht! Sindbad, der Seefahrer weiterlesen

Die roten Schuhe

Illustrierte Filmbühne Nr. 565 (E. S.) – Der britische Film Die roten Schuhe, der zu Weihnachten 1949 im Frankfurter Lichtspieltheater Bieberbau an der Hauptwache gezeigt wird, ist ein britischer Tanzfilm nach Motiven des Märchens von Hans Christian Andersen, in dem die erst 22-jährige Tänzerin und Schauspielerin Moira Shearer ihre Karriere beginnt. 

RoteSchuheDie Zuschauer verlassen das Kino, das eigentlich für solch einen phantastischen Film gar nicht geschaffen ist, beeindruckt. Es ist ein wenig schade, dass der Film nicht im nahe gelegenen und pompöseren Metro im Schwan läuft, das zur Weihnachtszeit eröffnet hat. Den Turm-Palast und Europapalast gibt es zu dieser Zeit auch noch nicht, der Filmpalast an der Konstablerwache schätzt andere Themen. Das Andersen-Märchen von den roten Schuhen, die denjenigen, der sie an seinen  Füßen trägt, auf immer und ewig und bis zum Tod tanzen lässt, bietet genug Stoff für tragische Momente. Eric Pressburger und Michael Powell, die wieder als Produzenten, Regisseure und Autoren auftreten, haben damit jedenfalls ein Meisterwerk des Ballettfilms geschaffen, wobei auch die Kamera, die Montage und die Technicolor-Farben auf’s Trefflichste harmonieren. Doch nebenbei bemerkt hat der Film nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen politischen Hintergrund, bei dem einige der männlichen Film-Protagonisten im Blickpunkt stehen. Die roten Schuhe weiterlesen

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Illustrierte Filmbühne Nr. 523 ( E. S./ M. F.) – „Gesellschaftliche Ereignisse“ nehmen 1950 immer breiteren Raum in der Bundesrepublik ein und drängen wichtige Themen wie die  Remilitarisierung in den Hintergrund. In den immer bunter und schriller werdenden Illustrierten sowie den Wochenschauen werden die Wahl der Miss Germany (Susanne Erichsen), die Verlobung des Schahs von Persien mit der Fürstentochter Soraya oder die Heirat des Hollywood-Kinderstars Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton recht umfangreich präsentiert.

SchnewittchenDie Kinowelt wird indessen in dieser Zeit von zahlreichen Zeichentrick-Filmen geprägt. Innerhalb weniger Monate starten in Frankfurt drei Walt Disney-Streifen. Da ist zuerst im Februar 1950 Schneewittchen und die sieben Zwerge an der Reihe,  Weihnachten des gleichen Jahres ist das süße, sentimental anrührende Bambi in den Kinos präsent und zu den Osterfesttagen 1951 wird Pinocchio auf die Leinwände geworfen. Alle drei Filme starten im Bieberbau an der Hauptwache. Weitere werden bald folgen… In allen Fällen wird vom RKO-Verleih so getan, als seien die Produktionen neueren Datums. So lautet denn ein Werbeslogan für Bambi in der „Frankfurter Rundschau” am 22. Dezember 1950: „Der Schöpfer der Farbfilmwunder präsentiert sein neuestes Werk!” Doch Bambi ist schon acht Jahre alt, Schneewittchen stammt sogar schon aus dem Jahr 1937, Pinocchio schließlich ist 1940 produziert worden. Gleichwohl spielt dieses Alter keine große Rolle, denn alle diese Filme sind für die Kino-Enthusiasten attraktiv und durch die Zeichentrick-Technik zeitlos genug, um auch nach Jahren noch die Besucher in ihren Bann ziehen. Schneewittchen und die sieben Zwerge weiterlesen

Die Schöne und das Biest

Illustrierte Filmbühne Nr. 262  (E. S.) – Cocteau! Jean Cocteau? Das sagt uns nichts, als wir die Plakate des Film Es war einmal… betrachten. Und Jean Marais? Auch er ist eine unbekannte Größe. Doch der Film gefällt und sehr – es ist eine Mischung zwischen Fantasy und Abenteuer und für uns Jugendliche in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg etwas völlig Neues und Ungewohntes.

Es war einmalIn der Illustrierten Filmbühne (Nr. 262), die wir an der Kinokasse kaufen, lesen wir, dass für den französischen Dichter, Maler und Filmregisseur Jean Cocteau dieser tolle Film „ein Gedicht (ist), das von der Kamera geschrieben wird.” Diese Einschätzung hat gewiss etwas für sich. Der Fantasy-Film ist tatsächlich außergewöhnlich. Sowohl für uns (und wohl auch für das deutsche Publikum) ist das Gesehene eine ganz und gar neue Erfahrung, zumal in schwierigen Zeiten, da es für jeden Einzelnen noch genug Probleme im Nachkriegsalltag gibt. Es ist also schön, sich im Kino von den Bildern einfangen zu lassen und sich märchenhaften Illusionen hinzugeben. Auch wenn wir Cocteau – auch nach diesem Filmbesuch – noch immer nicht wirklich kennen und seine künstlerische Bedeutung natürlich nicht einordnen und beurteilen können, sind wir doch höchst angetan von den faszinierenden Bildern auf der Leinwand. Der deutsche Name Es war einmal scheint uns allerdings wenig glücklich, wo doch der Film im Original La belle et la bête genannt wird: Die Schöne und das Biest. Dieser Titel ist genauso voller Poesie wie der ganze Film. Die Schöne und das Biest weiterlesen