DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Musik

Clara Schumanns große Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 333 (E.S.) – Es ist nicht die große Lust an diesem biografischen Film, der mich im November 1949 in’s Bieberbau treibt. Vielmehr ist der Besuch einer Freikarte geschuldet. Denn es fehlt mir in dieser Zeit (noch) jeder Bezug zu der Musik von Robert Schumann, Johannes Brahms oder Franz Liszt – und auch die Liebe der Pianistin Clara Wieck zu Schumann erscheint mir zunächst als Darstellung bürgerlichen Miefs.

Clara neuUnter solchen Umständen ist es klar, dass die Geschichte um den begabten Komponisten Robert Schumann und der jungen Pianistin Clara Wieck, die sich nach der Heirat ganz seiner Musik und der ständig wachsenden Familie widmet, nicht besonders attraktiv erscheint – zumal das Leben der Protagonisten schon etwas über 100 Jahre zurückliegt. Gleichwohl gefällt mir der Film dann wesentlich besser als zunächst gedacht. Dem Kinopublikum wird der weit gespannte Lebensabschnitt der Hauptpersonen in glaubhafter und recht lockerer Form erzählt. Der weite Bogen reicht dabei von der mühsam erkämpften Hochzeit Clara Wieck mit Robert Schumann bis zu dessen Ende in geistiger Umnachtung.

Und er macht die Enge des bürgerlichen Haushalts ebenso deutlich wie die stets von finanzieller Not begleiteten Jahre. Katharine Hepburn (als Clara Wieck-Schumann) und Paul Henreid (als Robert Schumann) geben den Szenen Kraft und Profil – und machen auch neugierig auf Details ihres Lebens.

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Rhapsodie in Blau

Illustrierte Filmbühne Nr. 202 (E. S.) – Die Nazis mochten Jazzmusik nicht besonders und versuchten sie zwischen 1933 und 1945 auf Sparflamme zu halten und zu unterdrücken, ohne jedoch ein offizielles Verbot auszusprechen. Die deutschen Jazzer konnten ihre Lieblingsklänge aufgrund der Diktatur deshalb vor allem im Verborgenen genießen, dennoch gab es nach Kriegsende einen starken Nachholbedarf für diese Musik.

Rhapsodie in BlauViele Besessene versuchten nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den amerikanischen Offiziersklubs Fuß zu fassen, um sich dort an den Klängen der dort aufspielenden Bands zu erfreuen. Als dann 1948 der Film Rhapsodie in Blau in die Kinos kommt, ist das ein weiterer Schritt, um der jazzigen Musikgattung hier zum entsprechenden Stellenwert zu verhelfen. Dabei geht George Gershwins Bedeutung weit über den Jazz hinaus, hat er doch durch die Oper „Porgy and Bess”, durch  die Tondichtung „Ein Amerikaner in Paris”, einiger weitere Musicals sowie symphonischen Jazz wie der „Rhapsodie in Blue” die amerikanische Musikszene in vielen Stilrichtungen beeinflusst und mit geprägt. „Der Spiegel” sah in einer Besprechung nach der Aufführung des Films in Deutschland jedenfalls in Gershwin den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.”

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Adoptiertes Glück

Illustrierte Filmbühne Nr. 113 und 1221 (E. S.) – Die kesse norwegische Eiskunstläuferin Sonja Henie vergoldet ihr Talent schon seit 1936 in Revuefilmen – natürlich immer auf Eis – und der begabt-geniale Bandleader Glenn Miller gibt in diesen Jahren mit seinem berühmten Sound ebenfalls richtig Vollgas. In der Musical-Komödie Adoptiertes Glück sind beide zu sehen, Miller gibt dabei nicht nur den flotten, musikalischen Takt vor, sondern auch sein Debüt als Darsteller (Phil Corey).

Adoptiertes GlückAls der Film nach dem Zweiten Weltkrieg (1947) vom amerikanischen Militärverleih und der Export-Organisation der Verleiher (MPEA) in die deutschen Kinos gebracht wird, ist der Musiker schon seit drei Jahren verschollen. Als Todestag von Miller gilt der 15. Dezember 1944. An diesen Tag befindet sich der Musiker auf einem Flug von London nach Paris, wobei die kleine Maschine mit Glenn Miller an Bord über dem Ärmelkanal abstürzt. Über den Tod von Glenn Miller gibt es viele Theorien, wovon eine besagt, Millers Flugzeug sei von britischen Bombern getroffen worden, als diese sich auf dem Rückflug nach England ihrer überzähligen tödlichen Last – wie damals von den britischen Militärs aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben – vor der Landung in England „entledigt” hätten.

Doch wie auch immer es gewesen sein mag, bietet mir dieser Film zum ersten Mal den Genuss des legendären Miller-Klangs und gleichzeitig die Auftritte von Sonja Henie. Diese Filmshow und die Musik sind wie geschaffen dafür, um die schrecklichen Erlebnisse der vergangenen Jahre und die entbehrungsvolle Nachkriegszeit in den Hintergrund zu drängen.

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Paganini

Illustrierte Filmbühne Nr. 52  (E. S.) – Ehrlich gesagt, habe ich noch nichts von Nicolo Paganini gehört, als ich im Sommer 1948 vor den Wall-Lichtspielen ein Plakat zu diesem Film betrachte. Gleichwohl interessiere ich mich für das Programm, aber nicht wegen des Geigers, sondern wegen der Hauptdarsteller Stewart Granger und Phyllis Calvert. Die beiden englischen Stars sind nach einigen anderen Filmen Idole an unserer Schule.

PaganiniDoch beim Betrachten der Schaukästen klingelt es bei mir. Habe ich nicht erst vor einigen Wochen in der Zeitung von einem mordenden Geigenspieler gelesen? Die Erinnerung an den Raub ist freilich nur dunkel im Gedächtnis geblieben, kein Wunder, denn zuviel Kriminelles ist in diesen höchst unsicheren Zeiten an der Tagesordnung; aber doch: ein Kellner ist es gewesen, der in der Frankfurter Innenstadt wegen einer kleinen Handvoll Schmuck seine alte Vermieterin erschlagen hat, womit er ohne Zweifel das Sprichwort: „Wo man singt, dort lass’ Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder”, dann doch ein klein wenig ad absurdum geführt hat. Mit Paganini hat das freilich alles nichts zu tun. Erst der Film gibt mir Auskunft über den italienischen Teufelsgeiger. Jetzt weiß ich, dass  Paganini – ist nicht schon der Namen Musik in unser aller Ohren? – ein begnadeter italienischer Geigenvirtuose und Gitarrenspieler ist. Trotz seines unattraktiven Erscheinungsbildes – aufgrund von verschiedenen Krankheiten wirkt er eher leicht verwachsen und unansehnlich – wird er durch seine außergewöhnliche musikalische Begabung und seiner faszinieren Technik bereits früh zu einer Legende.

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Schrammeln

Illustrierte Filmbühne Nr. 39  (E. S.) – Schon bald nach dem Ende des Weltkrieges haben in Frankfurt wieder zahlreiche Weinstuben in den Trümmern der Stadt geöffnet. Riart’s Bodega” am Dom ist eine erste Adresse, in der Petersstrasse empfängt das kleine „Juliette” seine Gäste, der „Brückenkeller” an der Obermain-Brücke kredenzt „gepflegte Weine und Unterhaltungsmusik”, in derReblaus in Sachsenhausen klimpert ein immer übertrieben gut aufgelegter Mann sowohl rheinische Schunkel-Lieder als auch Wiener Heurigen-Melodien.

SchrammelnUnd überall in diesen Lokalen – noch ist das knappe Angebot an Speisen und Getränken überschaubar –  ist auch ein kräftiger Schuss Schrammel-Musik dabei. Sie steht unsichtbar auf den noch dürftigen Speisenkarten. Doch was ist das nun eigentlich, diese Schrammel-Musik? Sie gilt Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts als typische Wiener Volksmusik und erhält ihren Namen nach den Geigen spielenden und auch selbst komponierenden Brüdern Johann und Josef Schrammel. Die beiden haben zusammen mit Anton Strohmayer (Gitarre) und Georg Dänzer (Klarinette) ganz Wien im Sturm erobert. Die Männer gelten neben Johann Strauß (Vater und Sohn) als wichtige Repräsentanten der leichteren Musik in Österreich. Deshalb ist es unvermeidbar, dass aus ihrer Lebensgeschichte der Film Schrammeln gemacht wird. Neben dem beachtlichen musikalischem Erfolg werden auch frühere finanzielle Not und  Streitigkeiten zwischen den Beteiligten ausgiebig abgebildet. Als der Film in den Harmonie-Lichtspielen gezeigt wird, strömt das Publikum in Scharen in’s Kino. Die gespielte Musik ist so recht nach dem Geschmack der Menschen in der Nachkriegszeit, um bei gefühlsduseligen Weinliedern Not und Elend der vergangenen Jahre zu vergessen.

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Wir machen Musik

Illustrierte Filmbühne Nr. 25  (E. S.) – Die Frankfurter Lichtburg liegt am Ende der Kaiserstraße und direkt am Hauptbahnhof. Das führt dazu, dass es nach dem Krieg in dem Kino keine starr eingerichteten Anfangszeiten gibt, sondern zwischen 10 und 22 Uhr ein ununterbrochenes Kommen und Gehen der Besucher möglich ist. Das bringt natürlich viel Unruhe in den Saal, ist aber für die  Bahnreisenden sehr angenehm, denn in andere Züge umzusteigen, kann zu dieser Zeit wegen der schlechten Verbindungen zeitraubend sein.

Wir machen MusikAllerdings stört es mehr als sonst, wenn ein Musikfilm auf dem Programm steht, weil die Schatten werfenden Besucher die Aufmerksamkeit stören. Das ist der Fall bei Wir machen Musik, der hier im Sommer 1948 zu sehen ist – Herstellungsjahr war 1942, der Film ist also schon sechs Jahre alt – und in dem es schlicht um das Thema Liebe, Ehe, Eifersucht und schließlich auch der unvermeidlichen Versöhnung mit Happyend zwischen dem Ehepaar Ilse Werner (junge Musikschülerin) und Victor de Kowa (Komponist) geht.

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