DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Operette

Hochzeitsnacht im Paradies

Illustrierte Filmbühne Nr. 931 (E. S.) – Anfang der Fünfziger Jahre schwappt eine Welle von deutschen Filmen in die Kinos, die nur dem Zweck dienen, die Menschen auf lockere Weise zu unterhalten. Einer dieser Streifen heisst Hochzeitsnacht im Paradies und ist die Verfilmung einer sehr erfolgreichen Operette von Friedrich Schröder. Die Frankfurter Premiere ist am 1. November 1950 im Metro im Schwan.

HochzeitsnachtDer Film der Produktionsfirma Meteor aus Wiesbaden im Verleih der Herzog-Film basiert auf der gleichnamigen Operette, die am 23. September 1942 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt worden ist und über 800 Aufführungen erlebt hat. Die Liedertexte zur Musik von Schröder stammen von Günter Schwenn und heissen unter anderem „So stell‘ ich mir die Liebe vor…“, „Es kommt auf die Sekunde an…“ und „Ein Glück, dass man sich so verlieben kann.“ Aus Frankfurter Sicht ist besonders die Mitwirkung von Fritz Rémond eine Attraktion. Rémond, der zunächst einmal in Prag und später in Bad Tölz als Schauspieler gearbeitet hat, kommt nach dem Krieg an die Städtischen Bühnen in Frankfurt und gründet auf Anregung von Zoodirektor Dr. Bernhard Grzimek 1947 das „Kleine Theater im Zoo“, in dem er bald auch Darsteller wie Louise Martina, Boy Gobert und Hans-Joachim Kulenkampff entdeckt und fördert. Rémond ist eigentlich ein Theatermann par exellence, aber er gefällt in seinem ersten Film auch in der Rolle als Impresario Brökelmann, der den immer von Frauen umschwärmten Film- und Revue-Star Pieter van Goos (Johannes Heesters) an der kurzen Leine und trotzdem bei Laune zu halten versucht.

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Gasparone

Illustrierte Filmbühne Nr. 714  (E. S.) – Rund fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges boomt die Kinobranche. Ein Filmtheater nach dem anderen öffnet seine Pforten. In Frankfurt werben zum Beispiel am 17. März 1950 schon wieder 33 Häuser für ihre Aufführungen. Es sind einige alte, aus den Trümmern wieder aufgebaute, aber auch viele ganz neu errichtete Spielstätten. Umso verwunderlicher ist es, dass auch kleine Wanderkinos noch ihr Publikum finden.

GasparoneVor allem in einigen der Frankfurter Stadtteile ist ein Nachholbedarf an leichter Unterhaltung nicht zu übersehen. Aus diesem einfachen Grund hat Rudolf Elias mit seinen Wanderkino, das er „Tournee-Lichtspiele” nennt, die Hoffnung, in den Stadtteilen ohne Kino Menschen für seine Vorführungen zu interessieren. Die ersten Vorstellungen Anfang März (zweimal in der Woche) veranstaltet er in der Turnhalle von Seckbach, danach führt sein Weg nach Oberrad und Kalbach. Dass bei einem solchen Unternehmen nur sehr leichte Kost auf dem Menüplan stehen kann, versteht sich fast von selbst. Zwar sind die alten Vorführgeräte und die Tonapparaturen durchaus auf der Höhe der Zeit, aber die Bestuhlung ist unmodern und auch die sonstige Atmosphäre in der nicht gerade modernen Turnhalle sind dann doch eher ein wenig trist und nüchtern. Da braucht es statt herzzerreißende Dramen dann doch besser flotte Unterhaltung, um die Besucher bei Laune zu halten. Der Operetten-Film Gasparone soll es richten.

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Der große Walzer

Illustrierte Filmbühne Nr. 517 (E. S.) – Es geht allerorten wirtschaftlich (und auch sonst) sichtlich aufwärts in Deutschland: In der Bundesrepublik wird Anfang des Jahres 1950 die Rationierung von Lebensmitteln (mit Ausnahme von Zucker) aufgehoben. In der DDR werden gleichzeitig die Preise für Lebensmittel um 28, die für Fertigwaren um 32 Prozent gesenkt. Die Unterhaltung nimmt immer breiteren Raum ein im Leben der Menschen. Und in den Kinos wird viel Musik gemacht. So zum Beispiel auch in dem MGM-Streifen Der große Walzer.

Der große WalzerDer Film mit dem Zeichen des brüllenden Löwen bringt mir im Jahr 1949 die erste Begegnung mit der beschwingt-phantasievollen Musik des Walzerkönigs Johann Strauss (Sohn), den seine Familie in Wien im wirklichen Leben gerne beim Kosenamen „Schani” ruft. Auch wenn die Handlung mit dem wirklichen Leben von Johann Strauss kaum etwas zu tun hat und außerdem ziemlich kitschig daherkommt, bleiben doch die vielen Melodien in den Ohren der Kino-Besucher hängen. Vor allem die beliebten „Geschichten aus dem Wienerwald” und der Walzer-Hit „An der schönen blauen Donau” werden für viele zu einer bleibenden Erinnerung. Allerdings hat die im Film mit viel „künstlerischer Freiheit” und breit erzählte und dargestellte  Lebensgeschichte von Strauss (Sohn) indessen nicht einmal in Ansätzen mit der Realität zu tun. Und das ist sehr schade. Aber es ist auch schwierig genug, Biografien dem wirklichen Leben nach zu empfinden, wäre das Publikum dann doch eher enttäuscht.

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Die Fledermaus

Illustrierte Filmbühne Nr. 506 (E. S.)  – Diese Geschichte des Films Die Fledermaus kann getrost als ziemlich  abenteuerlich bezeichnet werden. Einzelheiten dazu erfahre ich Januar 1950, als ich als frisch gebackener Mitarbeiter einer Frankfurter Tageszeitung zu einer Sondervorstellung in den Gloria-Filmpalast geschickt werde. Ein gewisser Johannes Heesters soll dort anwesend sein und erzählen… 

FledermausDas Gloria-Theater ist zu dieser Zeit noch von den US-Behörden beschlagnahmt und dient als Kino für die amerikanischen Soldaten in Frankfurt am Main. Gelegentlich werden auch deutsche Besucher eingeladen. In einer Vorpremiere (Preview) wird der Operettenfilm vor geladenem Publikum gezeigt, nachdem die bundesdeutsche Uraufführung für den Februar angesetzt ist. In Frankfurt soll der Streifen im großen Filmpalast starten. Johannes Heesters berichtet aus diesem Anlass vor Journalisten über den Werdegang des Streifens, der 1944 in Berlin und Prag in verbesserten Agfacolor-Farben gedreht worden ist, aber 1945 nicht mehr in die Kinos kommt und nach den Angriffen auf Berlin und der Kapitulation Deutschlands zunächst als verschollen gilt. Doch nachdem das Material von der Cutterin Alice Ludwig in den Trümmerhaufen der zerstörten Ateliers in Babelsberg ausgebuddelt wird, bearbeitet sie es für die gerade im Aufbau befindliche ostdeutsche DEFA. Danach wird der Streifen von der russischen Firma „Sovexport” in die Vereinigten Staaten exportiert, wo er sogar überaus erfolgreich und für längere Zeit am Broadway in New York gezeigt wird.

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