Die Seeteufel von Cartagena

Illustrierte Filmbühne Nr. 944 (E. S.) – Unter den Mitwirkenden dieses Piratenfilmes befindet sich ein höchst interessanter Name. Es handelt sich dabei um den weltbekannten österreichischen Komponisten Hanns Eisler, dessen Arbeiten einen weiten Bogen umfassen –  von Klavier- und Orchesterwerken über bekannte Arbeiterlieder, Kammermusik bis hin zu Bühnen- und Filmmusiken. 

SeeteufelHanns Eisler gilt als einer der engsten Weggefährten des Dramatikers und Lyrikers Bertolt Brecht. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und wegen seiner  kommunistischen Überzeugung muss Eisler während der 30er und 40er Jahre lange Zeit im Exil verbringen – zunächst in einigen europäischen Staaten, danach in Mexiko und in den USA. In Hollywood komponiert er auch die Musik zu einigen Filmen – vor allem, um die  finanziellen Schwierigkeiten in der Emigration zu überbrücken – darunter fällt auch die Mitarbeit an dem Piraten-Abenteuerfilm Die Seeteufel von Cartagena. Aber in der Anfangsphase des „Kalten Krieges“ zwischen West und Ost werden in den Vereinigten Staaten gegen ihn und auch seinen Bruder Gerhart Eisler 1947 die ersten Verfahren vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ durchgeführt. Seine politischen Überzeugungen führen zur Ausweisung Eislers aus den Vereinigten Staaten und zu seiner Rückkehr nach Europa. Von 1949 bis zu seinem Tod 1962 lebt Eisler im Ostteil Berlins, wo er die Meisterklasse für Komposition an der Akademie der Künste leitet. Eisler schreibt auch die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Die Seeteufel von Cartagena weiterlesen

Der Seeräuber

Illustrierte Filmbühne Nr. 873 (E. S.) – Ein farbenprächtiger und überdies hervorragend ausgestatteter Piratenfilm aus Amerika erreicht uns Anfang Dezember des Jahres 1950 im Frankfurter Filmpalast – er ist zudem eingebettet in einen Rausch von Technicolor-Farben, versehen mit glänzenden Dialogen, untermalt mit hinreißender Musik. Eine schillernde Ansichtskarte aus der „Traumfabrik“ Hollywoods: Der Seeräuber. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt das Karibische Meer.

Der SeeräuberDas hat Bedeutung für die Kinobesucher. Reisen ins Ausland gehören nach wie vor zu den geheimen Wunschträumen. Auch fünf Jahre nach Kriegsende sind aus finanziellen Gründen vor allem Urlaubsreisen nach Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und diverse  Badeorte an Nord- und Ostsee gefragt – obwohl es auch möglich ist, auch erstmals wieder ohne besonderen Anlass und mit geringem Aufwand an Formalitäten ins Ausland zu fahren. Doch noch fehlt das Geld in den Taschen der Bundesbürger, weshalb sich mancher Traum zunächst einmal im Kino erfüllt. Filme, die in fernen Ländern spielen, sind deshalb beliebt. Auch Der Seeräuber gefällt in dieser Hinsicht. Messerstechereien, blutige Duelle, elegante Fechtszenen, brutale Folterungen und natürlich eine romantische Liebesgeschichte prägen das turbulente Geschehen, in der auch der historisch tatsächlich existierende Gouverneur Henry Morgan eine Rolle spielt.

Morgan hat sich zuerst als berüchtigter Seeräuber Namen gemacht, ehe er im Jahr 1674 auf Grund einer Amnestie unverhofft zum Gouverneur von Jamaika mutiert ist. In dieser Eigenschaft lässt er seine einstigen Weggefährten gnadenlos verfolgen. Der Seeräuber weiterlesen

Unter schwarzer Flagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 850 (E. S.) – Ein Film, der wieder einmal für ein wenig Verwirrung sorgt. Unter schwarzer Flagge heisst der Streifen, der bereits 1948 vom Amerikanischen Militärverleih  (AFI) über die „Motion Pictures Export Association“ (MPEA) in englischer Sprache in deutschen Lichtspielhäusern zu sehen ist  – 1950 kommt er in einer synchronisierten Fassung erneut auf den Kino-Markt; diesmal vertrieben von der Prisma.

Unter schwarzer FlaggeAus diesem Grund gibt es – wie zu dieser Zeit häufiger geschehen – auch wieder einmal verschiedene Programme zum selben Film. Zunächst erscheint 1948 eine Ausgabe der Serie „Illustrierter Filmkurier“ in Berlin; der Schriftzug auf der Titelseite wird jedoch vom Logo „Filmbühne“ mit der Nr. 196  abgelöst. Als der Film zwei Jahre später bei der Ultra-Film in München synchronisiert worden ist, gibt es ein völlig neu gestaltetes  Programm, das als Nummer 850 der „Illustrierten Filmbühne“ an den Kinokassen feilgeboten wird. Ich selbst sehe beide Filme in einem gewissen Abstand: im Jahr 1947 in den Wall-Lichtspielen in Sachsenhausen die ursprüngliche Version, die neuere Fassung in deutscher Sprache später einmal in der Lichtburg am Frankfurter Hauptbahnhof. Unter schwarzer Flagge weiterlesen

Piraten im Karibischen Meer

Illustrierte Filmbühne Nr. 783  (E. S.) – Der 1. September 1951 ist für die Entwicklung der Kino- und Filmwirtschaft in der Bundesrepublik ein ziemlich interessantes Datum: Die Filmbewertungsstelle (FBW) der Länder nimmt in Wiesbaden ihre Arbeit auf. Ihre Aufgabe besteht darin, die von den Filmverleihern und Produzenten vorgelegten Kultur-, Dokumentar- und Spielfilme zu beurteilen. Und Filme, welche die Prädikate „wertvoll” oder „besonders wertvoll” erhalten, werden steuerlich begünstigt, was die Betriebskosten in den Kinos erheblich senken kann.

PiratenDer Film Piraten im Karibischen Meer, den ich eine Woche zuvor in Preungesheim im  Frankfurter Norden in der Nachtvorstellung sehe, hat aber keines dieser Prädikate erhalten: – schon deshalb nicht, weil die Institution ihre Tätigkeit noch gar nicht aufgenommen hat; allerdings ist auch kaum anzunehmen, dass der Streifen bei den Juroren aufgefallen wäre, handelt es sich schließlich doch „nur“ um ein spannendes Abenteuer-Spektakel, wenn auch mit einer für ein solches Genre glänzenden Besetzung (John Wayne, Ray Milland, Paulette Goddard und Susan Hayward). Einzelheiten des Geschehens auf der Leinwand sind dem Autor jedoch kaum noch in Erinnerung – John Wayne als Bösewicht zu sehen, ist ohnehin ein seltenes Vergnügen. Immerhin steht der Mann nach 80 mehr oder weniger unbedeutenden B-Filmen (Ausnahmen: „Höllenfahrt nach Santa Fe” und „Das Haus der sieben Sünden”) zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang seiner Weltkarriere.

Auf die vielen raubeinigen „Helden” in Western, Kriegsfilmen und anderen Streifen ist er aus diesem Grund noch nicht festgelegt. Gleichwohl ist hier ein Abenteuerfilm über räuberische Piraten und ihr wildes Leben an der amerikanischen Ostküste entstanden, der sehr kurzweilig ist. Piraten im Karibischen Meer weiterlesen

Unter Piratenflagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 747  (E. S.) – Fünf lange Jahre ist das so genannte „Reichssportfeld” im Frankfurter Stadtwald bereits von den US-Militärbehörden für eigene Zwecke beschlagnahmt gewesen und in Victory Park umbenannt worden, als nach und nach immer mehr Teilbereiche des Stadion wieder für die deutsche Bevölkerung freigegeben werden – als letztes im Sommer 1950 das von den Frankfurtern so sehr geschätzte Schwimmbad.

Unter PiratenflaggeDieser Vorgang ist durchaus erfreulich. Denn die sehr lapidare Feststellung, dass es in Deutschland zu dieser Zeit warm ist, wäre gewiss maßlos  und ziemlich untertrieben: Es ist gnadenlos heiss! Die Temperaturen steigen fast überall auf satte 30 Grad; in München werden Anfang Juli sogar knapp 35 Grad gemessen. Eigentlich keine Motivation für einen Kinobesuch. Gleichwohl zieht es mich aber in den Filmpalast in der Innenstadt. Dort wird seit dem 4. Juli der Abenteuerfilm Unter Piratenflagge gezeigt. Als Stars werden Errol Flynn und Olivia de Havilland offeriert. Der Seeräuber-Streifen, den wir hier vorgesetzt bekommen, hat zu dieser Zeit jedoch schon satte 15 Jahre auf dem Buckel (die Premiere war 1935 in den USA).

Nach fünf eher belanglosen und in Vergessenheit geratenen Filmen war Captain Blood  – so der amerikanische Originaltitel – Flynns erster großer Erfolg, der zugleich eine Konjunktur der Piratenfilme auslöste. Doch als sich im Sommer ‘50 der elegante Draufgänger Flynn vor unseren Augen über die große Leinwand kämpft, ist er im wirklichen Leben gezeichnet von Alkoholsucht und Drogenkonsum, so dass sich seine Karriere dem Ende zuneigt. Unter Piratenflagge weiterlesen

Der Herr der sieben Meere

Illustrierte Filmbühne Nr. 32 (E. S.) – Als im Frühjahr 1948 der Seeräuber-Film Der Herr der sieben Meere in die deutschen Kinos kommt, ist es nicht nur ein spannend-spektakuläres Abenteuer-Drama, sondern – wahrscheinlich von den Warner-Studios eher unbeabsichtigt – auch ein durchaus politischer Streifen, wobei Drehbuchautor Howard Koch und Regisseur Michael Curtiz einige diskrete Fingerzeige auf die Situation von 1940 liefern.

Herr der sieben MeereImmerhin lässt sich der Anspruch auf die Weltherrschaft des spanischen Königs Philipp zweifellos auch als Hinweis auf Adolf Hitler interpretieren, währenddessen die britische Regentin Elizabeth zunächst einmal eine  taktisch motivierte Beschwichtigungspolitik betreibt, eine Haltung, die sich später auch zeitweise in der Tätigkeit von Winston Churchill wieder findet. Es geht in dem mit glanzvollen Seegefechten und harten Enter-Szenen ausgestatteten Film also um harte Politik – letztlich um die totale Beherrschung der Weltmeere, was insbesondere auch wirtschaftlichen Konflikte zwischen Spanien und England hervorruft. Zwar herrscht offiziell Frieden zwischen diesen Staaten, doch der Schein trügt. Die Spanier rüsten ihre Flotte auf und bereiten sich unverhohlen auf einen Krieg gegen die Insel vor, England hält sich noch zurück, lässt aber viele seine Kapitäne als Seeräuber fungieren. Der Herr der sieben Meere weiterlesen