Königin Christine

Illustrierte Filmbühne Nr. 1202 (E. S.) – Ende Dezember 1951 kommt im Frankfurter Bieberbau ein Klassiker der Filmgeschichte auf die Leinwand, der zu dieser Zeit schon 18 Jahre alt ist, in Deutschland am 24. Oktober 1934 seine deutsche Erstaufführung erlebt hat, und nun in einer neuen Synchronfassung von MGM noch einmal dem deutschen Publikum präsentiert wird.

Christine

Dass dieser ziemlich betagte Film noch einmal aus den Archiven geholt wird, liegt am allgemeinen öffentlichen Interesse, das der Schauspielerin Greta Garbo zu dieser Zeit entgegengebracht wird. Die Gazetten und einschlägigen Illustrierten sind immer wieder voller Geschichten über den schwedischen Star, der seinen letzten Film („Die Frau mit den zwei Gesichtern”) im Jahr 1941 gedreht hat. Gemunkelt wird von einem Comeback, die Rede ist von allerlei neuen Projekten, die Garbo ist trotz ihrer Scheu und Zurückgezogenheit auf Bildern mit dunkler Sonnenbrille präsent. Doch alle Pläne, nach langer Pause auf die Leinwand zurückzukehren, zerschlagen sich. Die Zeit der großen Diva ist vorbei. Dazu trägt auch das nachlassende Interesse der Hollywood-Gewaltigen entscheidend bei. Neue Filme wird es nicht mehr geben, aber alte aus den Archiven lassen sich immer noch gut vermarkten… Königin Christine weiterlesen

Liebesrausch auf Capri

Illustrierte Filmühne Nr. 1087 & DNF (E. S.) – Ohne nähere Einzelheiten über den Film „Liebesrausch auf Capri“ zu wissen, lockt doch der Titel in den Frankfurter Filmpalast. Denn Ende der Vierziger, auch noch Anfang der Fünfziger Jahre, ist in der Bundesrepublik ein Schlager in aller Ohren: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt…”

Liebesrausch auf Capri

Viele Interpreten haben das Lied von Gerhard Winkler (Text: Ralph Maria Siegel) schon gesungen, am bekanntesten ist in dieser Zeit die einschmeichelnde Version mit Rudi Schuricke. Doch das Paramount-Melodram Liebesrausch auf Capri hat nun rein gar nichts zu tun, mit dem schnulzigen Ohrwurm, obwohl es sich im Film durchaus um eine Romanze der außergewöhnlichen Art handelt – wenn auch mit ernsterem Hintergrund. Liebesrausch auf Capri weiterlesen

Toselli-Serenade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Im März 1947 ist eine kleine Notiz in den Tageszeitungen zu lesen, der zufolge Kronprinzessin Luisa von Sachsen-Florenz am 23. März als arme Blumenfrau in Brüssel verstorben ist. Ihre Urne, so ist zu lesen, werde im Kloster Hedingen in Sigmaringen, der Grablege der Fürsten von Hohenzollern, beigesetzt.

ToselliAn diese kleine Notiz werde ich erinnert, als fast auf den Tag genau fünf Jahre später, an Gründonnerstag, 22. März 1951, im Frankfurter Filmpalast ein so genannter „historischer Liebesfilm“ gezeigt wird. In den Nachmittagsvorstellungen läuft an diesem Tag noch der Film „Der Bandit und die Königin” mit Cornel Wilde, aber für 21.00 Uhr wird als besonderes Ereignis die Premiere des Films Toselli-Serenade annonciert. Die Zeitungsinserate versprechen großspurig das „klingende Dokument einer unmöglichen Liebe”. Damit nicht genug. Sie verheissen außerdem noch „den ersten weltbewegenden Liebesskandal und das erste weltbewegende Liebeslied dieses Jahrhunderts.” Große Worte fürwahr! Die Französin Danielle Darrieux und der Italiener Rossano Brazzi spielen das historische Paar. Im Anzeigentext liest sich das so: „Kronprinzessin Luise von Sachsen und Enrico Toselli in allem Glück und allem Leid, das ihnen das Schicksal vorzeichnete”. Der Film bezieht sich weniger auf das Leben des Komponisten Toselli, sondern in erster Linie auf die Liebesgeschichte und Ehe zwischen ihm und Prinzessin Luisa von Sachen-Florenz.

Da trieft das Schmalz aus jedem belichteten Meter Film, doch die Realität und der teilweise doch sehr kitschige Inhalt klaffen meilenweit auseinander. Liebe, Krankheit, Verzicht und Tod werden in unwirklichem Gartenlauben-Stil zusammengepantscht, so dass die wichtige historische Rolle der Kronprinzessin als unabhängige, sich gegen alle Konventionen durchsetzende Frau nicht gewürdigt wird. Toselli-Serenade weiterlesen

Die Abenteuerin

 Illustrierte Filmbühne Nr. 243 (E. S.) – Irgendwie geht es fast immer um’s Geld. Und nicht nur um Liebe. In der Ausgabe der  Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” von Heiligabend, 24. Dezember 1948, sucht eine überaus gesunde und schlanke Bauerntochter einen Holzfachmann zum Heiraten, und offeriert ein zum Hof gehörendes Sägewerk als Zugabe. Gleich nebenan stehenden die Kinoanzeigen und dort wird kräftig für den Film Die Abenteuerin geworben. Und diese Abenteuerin sucht nun ebenfalls einen Mann – allerdings hat sie im Gegensatz zur Bauerntochter außer ihrem Aussehen nichts zu bieten.

Die AbenteuerinAus diesem Grund hält die attraktive Claire Ledeaux (Marlene Dietrich) Ausschau nach einem gut betuchten Mann. Und sie findet ihn in Gestalt des reichen Bankiers Charles Giraud (Roland Young). Dass am Ende dann aber der eher arme Mississippi-Kapitän Robert Latour (Bruce Cabot) das Rennen macht, ist nur der Liebe geschuldet. Als Claire am Tag der geplanten Hochzeit den Bankmenschen verlässt und mit Robert Latour auf dessen Dampfer davon schippert, wirft sie ihr Brautkleid erleichtert in den Mississippi. Wieder einmal: Ende gut, alles gut! Die geläuterte Claire fährt in eine finanziell ungewisse, aber gleichwohl von Liebe geprägte Zukunft. Eine überaus ansehnliche Romanze rund um Orleans, angereichert mit vielen komödiantischen Elementen geht mit einem Happyend zu Ende. Wer hätte das nicht geahnt. Der Vorhang fällt… Die Abenteuerin weiterlesen

Cornwall Rhapsodie

Illustrierte Filmbühne Nr. 169 (E. S.) – Die wunderschönen Gegenden Englands sind schon früh in den deutschen Kinos zu bewundern: wenn auch nur im guten, alten Schwarz-Weiß-Look, aber immerhin. Die Cornwall Rhapsodie, deren Originaltitel Love Story lautet, kommt bereits etwa ein Jahr nach dem Ende des Krieges (16. April 1946) in die Kinos der britischen und später der amerikanischen Besatzungszone.

Cornwall RhapsodieDer Londoner Streifen wirkt in der Scala ein wenig  schwülstig und die ganze Geschichte melodramatisch überhöht. Der im Film immer noch andauernde Zweite Weltkrieg  – das Produktionsjahr des Gainsborough-Films ist 1944 – spielt eine zentrale und wichtige Rolle. Dargestellt wird die Romanze zwischen einem langsam erblindenden, ehemaligen englischen Fliegeroffizier und einer durch ein Herzleiden dem Tode nahen Pianistin. Die englischen Stars dieser Zeit sind die Protagonisten der Handlung, die sich zwischen Liebesfilm und einem Drama nicht so richtig zu entscheiden vermag, und oft in Kitsch abzugleiten droht. Aber die Stars Margaret Lockwood, Patricia Roc und Stewart Granger geben der Geschichte einen gewissen Kick. Vor allem die  Landschaftsaufnahmen Englands sind – untermalt mit herausragender und effektvoller Musik – mehr als beeindruckend. All dies lässt die Düsternis der Trümmerland ringsum wenigsten für eineinhalb Stunden in den Hintergrund treten, obwohl die Steilküsten durchaus vergleichbar sind mit so mancher Ruine in Frankfurt. Cornwall Rhapsodie weiterlesen