Der alte Sünder

Illustrierte Filmbühne Nr. 1110 (E. S.) – Wiener Heurigen-Romantik, verknüpft mit diversen menschlichen Problemen eines wohlhabenden Schneiders, geben die Staffage ab für einen österreichischen Film, der ab 4. Oktober 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen ist.

Der (silberhaarige) alte Sünder Ferdinand Bauer (Paul Hörbiger), Modekönig von Wien, legt noch immer einen Walzer auf’s Parkett, dass die Jungen vor Neid erblassen. Doch der Lebemann richtet mit seinem lockeren Lebenswandel sein Modehaus zugrunde, seine drei Töchter Fritzi, Fanny und Franzi (Inge Konradi, Johanna Matz, Thea Weis) sind zunächst auch unfähig, den Laden über Wasser zu halten. Doch nach einigen Verwicklungen und späten Einsichten wird alles gut. Wer hätte das (nicht) gedacht? Dass der in den Revuestar Yvonne Farini (Susi Nicoletti) verschossene Modekönig am Schluss in den Armen seiner früheren Zuschneiderin Mizzi Hanak (Maria Andergast) landen wird, ist schon frühzeitig erkennbar. So geht der Film mit viel Wiener Schmäh‘ einem gemütlichen und glücklichem Ende entgegen, genauso wie im gleichnamigen Theaterstück von Martin Costa, in dem Paul Hörbiger bei diversen Auftritten ebenfalls die Hauptrolle spielt. Der alte Sünder weiterlesen

Engel im Abendkleid

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Zweite Weltkrieg scheint 1951 bei vielen Kinobesuchern vergessen und abgehakt. Reine Unterhaltung zählt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass so genannte gesellschaftliche Ereignisse die Menschen eher faszinieren: Im Iran und in Ägypten spiegeln Märchenhochzeiten eine heile Welt aus Tausendundeiner Nacht vor. Schah Resa Pahlewi, Herrscher auf dem Pfauenthron, heiratet die deutschstämmige Soraya, König Faruk von Ägypten die 17-jährige Narriman Sadek. Und genau zu solchen Ereignissen passen dann auch Unterhaltungsfilme wie Engel im Abendkleid.

Engel im AbendkleidEine der am meisten beschäftigen Nachwuchsschauspielerinnen im deutschen Nachkriegsfilm ist die in Chemnitz geborene Bruni Löbel. Sie spielt eine energische, junge Gerichtsvollzieherin, die angeblich eine große Erbschaft gemacht hat und deshalb bald von überaus penetranten Mitgiftjägern heimgesucht wird. Weil sich bald herausstellt, dass die vermeintliche Erbin einer Nerzfarn nach wie vor ein arme Schluckerin ist, verschwinden die Heiratswilligen flugs wieder aus ihrem Leben. Übrig bleibt nur Peter Harden (Rudolf Prack), der sich als jener Übeltäter entpuppt, der mittels eines fingierten Inserats den ganzen Wirbel um den vermeintlichen Millionenbesitz erst ausgelöst hat. Selbst mit einem Berg von Schulden belastet und Besitzer einer maroden Immobile, erobert er gleichwohl das Herz die Gerichtsvollzieherin. Das ist durchaus eine Geschichte, die sich mit Pfiff erzählen ließe, doch die Hand des ungarischen Regisseurs Ákos von Rátony kann dem Geschehen keinen rechten Schwung verleihen. Selbst die ansonsten immer bewährten Routiniers Rudolf Prack und Paul Kremp wirken ein wenig uninspiriert. Engel im Abendkleid weiterlesen

Eine Frau mit Herz

Illustrierte Filmbühne Nr. 1096 (E. S.) – Eine Frau mit Herz ist ein eher belangloser Film aus der deutschen Nachkriegszeit. Die Venus-Film der in München lebenden Schauspielerin Olga Tschechowa hat den Streifen produziert, ein Erfolg freilich wird es nicht, obwohl einige der zu dieser Zeit üblichen Verdächtigen mitspielen. Neben der Tschechowa selbst sind das Rudolf Prack – kurz zuvor mit „Schwarzwaldmädel” zu frischem Ruhm gekommen –, Gustav Knuth, Susi Nicoletti, Ursula Herking und Siegfried Breuer.

Die Frankfurter Erstaufführung ist am 9. Mai 1951 im Metro im Schwan, aber die Kritiker sind nicht angetan: „Das ist wirklich kein guter Film“, heisst es da zum Beispiel, und weiter: „Da quält sich der begabte Regisseur Rudolf Jugert mit einem Drehbuch herum, das sich mit einem geringen Aufwand an Einfällen zähflüssig bis zum Happy-End hinzieht.” Die Darstellung von Rudolf Prack wird als „holzschnitzartig” bezeichnet, und einige der Witzchen als „geschmacklos” eingestuft. Kein Grund also, sich den Film anzusehen, obwohl andere Rezensenten zu dem gegenteiligen Schluss kommen; sie schreiben, der Film sei nicht „ohne Stil, Leichtigkeit und vergnügliche Regieeinfälle”. Und die öffentliche Werbung natürlich – wie könnte es anders sein –, fabuliert sogar von einem „Feuerwerk lustiger Einfälle”. 14 Tage später gerate ich doch in Versuchung, mir diesen Film anzusehen. Der Grund: Das „Schwanen” in Bockenheim und „Die Kurbel“ im Nordend annoncieren den Auftritt der „3 Travellers”. Eine Frau mit Herz weiterlesen

Geheimwelle 505

Filmkritiker sind entsetzt (E. S.) – Kinobesuche Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre ergeben sich für den Autor nicht aus künstlerischen oder ähnlichen Erwägungen: Zugpferde sind vielmehr die großen Leinwandstars aus Hollywood und England. Sind sie einmal nicht in neuen Filmen zu sehen, nimmt man gerne auch mit biederer Hausmannskost aus Deutschland vorlieb oder lässt sich auch einmal wider besseres Wissen von einen eher zweifelhaften Streifen anlocken.

GeheimwelleEiner dieser Filme läuft Mitte April 1951 in der Frankfurter Scala. Obwohl die „Frankfurter Rundschau” in ihrer Kritik von einem wahren „Alptraum” geschrieben hat, sehe ich mir das britische Machwerk Geheimwelle 505 an. Don Stannard spielt darin einen gewissen Dick Barton, der als gewiefter Meisterdetektiv vorgestellt wird, der jedwede Situation voll im Griff hat und auch die aberwitzigsten Verbrechen verhindert. Weil zu dieser Zeit der Kalte Krieg zum politischen „Tagesgeschäft” gehört, sind auch die kommerziellen Filmemacher längst auf den Zug der Propagandafeldzüge aufgesprungen, ob in West oder Ost – je nach ideologischer Sicht. Auch die Werbung lässt sich nicht lumpen und spricht im Zusammenhang mit diesem Streifen von „einer menschenmordenen Waffe, gegen die die Atombombe nur ein Kinderspielzeug ist”. Geheimwelle 505 weiterlesen

Meine Herren Söhne

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Wenn ein paar  Lausbuben wie Lutz (Lutz Moik) und Lütte (Hans Nele) Hauptdarsteller eines Films sind, kann man getrost davon ausgehen, dass allerlei fällig ist. Auch in Meine Herren Söhne gelingt ihnen ohne Mühe , sämtliche Erwachsenen auf die sprichwörtliche Palme zu bringen. Der Film startet 1951 in Frankfurt in der Harmonie (Sachsenhausen) und in der Schauburg (Bornheim). Beide Kinos sind nur Nachaufführungstheater. Doch der kleinen Firma Türck, die die Verleihrechte von der Atlantik (AKA) übernommen hat, bleiben die großen Innenstadt-Häuser verwehrt. 

Meine Herren SöhneWenn das sympathische Lustspiel auch eher harmlos daherkommt – die Reprise ist von der Tobis 1944 in Brandenburg gedreht worden und im Februar 1945 uraufgeführt worden –, sind doch in den pädagogischen Aussagen auch Elemente der Erziehungsideologie des Dritten Reichs zu spüren. Das wird deutlich, als die zunächst nur schwer erziehbaren Buben eines verwitweten Gutsbesitzers nach einen verbissenen Nervenkrieg gegen die Tyrannei einer Wirtschafterin und nach dem Einzug einer jungen Hauslehrerin plötzlich „geläutert” und friedfertig werden. Damit entsprechen sie grob gesagt dem zu dieser Zeit geforderten Ideal einer positiven Entwicklung, zeigen Verantwortung und Gemeinschaftssinn für die Familie und das „Große und Ganze.”.

Diese Tendenz muss freilich nicht überbewertet werden, überwiegen doch die fröhlichen Elemente, was sicher auch Regisseur Robert A. Stemmle zu verdanken ist, der eine Fülle heiterer Szenen schafft, die Bubenstreiche auch lebendig und locker ineinander fügt und damit Ideologisches in den Hintergrund drängt. Meine Herren Söhne weiterlesen

Wiener Geschichten

Illustrierte Filmbühne Nr. 1048 und Filmkurier Nr. 3107 (E. S.) – In der Nachkriegszeit eröffnen in Frankfurt am Main zahlreiche Caféhäuser ihre Pforten. An die flüsterleise Stimmung in solchen Tortentempeln werde ich erinnert, als ich den Film Wiener Geschichten sehe, in dem es um die spezielle Wiener Caféhaus-Stimmung geht.

Wiener Geschichten - nDiese besondere Wiener Atmosphäre ist natürlich nicht in eine Stadt wie Frankfurt zu übertragen, aber immerhin wird das neuartige „Wipra” zwischen Hauptwache und Römer in dieser Zeit zu einer Attraktion. Das im Erdgeschoss eines Trümmerhauses eingerichtete Etablissement nennt sich „Café der Tierfreunde”. Es gibt dort ein Papageien-Zimmer, einen Wintergarten mit Aquarien sowie Pinselohräffchen und Schimpansen zwischen all den geschäftigen oder ausruhenden Menschen. Auch alte Frankfurter Cafés haben den Betrieb wieder aufgenommen wie das dem Wipra gegenüberliegende Café Liebfrauenberg. Ende März 1950 eröffnet Heinrich Adam, bestens bekannt als Besitzer des alten Café Schneider an der Neuen Kräme, sein neues Domizil in der Kaiserstraße 12 (damals vorübergehend Friedrich-Ebert-Straße).

Direkt an der Hauptwache errichtet das traditionsreiche Berliner Kranzler eine Filiale. Das ist alles erfreut die Menschen, aber den berühmten Wiener Schmäh‘ sucht man natürlich vergebens. Den findet man dann eher im Film Wiener Geschichten, der auch durch Schlager wie „Der Wiener braucht sein Stammcafé“ und „Ja, das sind halt Wiener G’schichten“ Aufmerksamkeit erregt. Wiener Geschichten weiterlesen

Pikanterie

Illustrierte Filmbühne Nr. 1006 (E. S.) – Die Zeit zu Beginn der Fünfziger Jahre ist im deutschen Kinoleben von glanzvollen Premieren geprägt. Zu den überregionalen, aber auch regionalen Erstaufführungen werden die Stars von den Filmverleihern präsentiert, und auch Schnickschnack – wie etwa Modenschauen – gehören in vielen Fällen – und wenn es zum Film passt –, zur Promotion.

PikanterieIn Frankfurt am Main läuft zum Beispiel am Dienstag, 23. Januar 1951, im großen Filmpalast die Liebesromanze Pikanterie (nach dem Theaterstück von Franz Gribitz) an. Grund genug für Kinobetreiber Willy Colm und den Commerz-Filmverleih vorab und am Premierentag  kräftig die Werbetrommel zu rühren. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. So werden dem Publikum nicht nur hübsche Modellkleider des Salons Antoinette vorgeführt, auch  Irene von Meyendorff und Suzanne von Almassy präsentieren sich auf der Bühne des großen Kinos (1500 Plätze) dem Publikum, nachdem sie sich zuvor in der neuen Mokka-Stube des Kinos mit den Vertretern der örtlichen Presse über Gott und die Welt (und natürlich den Film) unterhalten haben. In dem geht es um die Liebe zwischen der jungen Witwe Hortense Clairmont (Irene von Meyendorff) und dem skandalumwitterten Schriftsteller Sascha Borotratz (Curd Jürgens). Ein durchaus gelungener Streifen, doch bei genauerem Hinsehen überstrahlen doch viele der altbekannten deutschen Kinoklischees die französisch angelegten Amouren. Pikanterie weiterlesen

Schön muss man sein

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Die Lustspiel-Welle schwappt Anfang der 50er Jahre immer mehr in die deutsche Kino-Landschaft. Neben rührseligen Heimatschnulzen haben auch so genannte Komödien, die doch nur kleine Klamotten sind, Hochkonjunktur. Einer dieser Filme heisst Schön muss man sein und stammt aus den Hamburger Realfilm-Studios. Frankfurter Erstaufführung ist am 2. August 1951 im Bieberbau.

Schön-muss-man-seinIrgendwie entsprechen diese Filme dem herrschenden Zeitgeist. Sechs Jahre nach Kriegsende sind höchst melodramatische und dazu schnulzenhafte oder seicht unterhaltende Streifen aus Deutschland alltäglich geworden. Sie entsprechen der Stimmungslage der Menschen, die die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Das drückt sich auch in den optimistischen, modischen Gepflogenheiten aus. Die Farben rot und weiß dominieren im Sommer auf den Straßen, obwohl die textile Versorgungslage auf dem Bekleidungssektor bei weitem noch nicht perfekt ist. Es gibt in der noch jungen Bundesrepublik allerdings schon wieder Stoffe in allen Preislagen, außerdem unterstreichen modische Accesoires jeder Art den damenhaften Chic. Weil die Konfektion gleichwohl noch etwas unterentwickelt ist, haben Schnittmusterhefte – zum Beispiel die „Sogra-Schnitte“, das „GeJo Modenblatt“ oder „Der neue Schnitt“ – Hochkonjunktur. Diese Zeitschriften werden zu begehrten Arbeitsjournalen in den Wohnungen. Auch Schneiderinnen, die in’s Haus kommen, sind selbstverständlich, viele Frauen nähen sich ihre Kleider aber auch selbst, wobei sie sich auch Anregungen aus locker-leichteren Filmen holen. Schön muss man sein weiterlesen

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd!

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Kino Bieberbau an der Hauptwache startet am 9. März 1951 der Film Auf der Alm, da gibts koa Sünd!, in dem Maria Andergast (Mariandl) den von Komponist Hans Lang geschriebenen gleichnamigen Schlager singt. In dem Streifen geht es um den Ferienaufenthalt von 40 unehelichen Kindern in einem heimeligen Ort in Tirol und der Gamskogelalm, den die Erzieherin Kitty Schröder gegen den störrischen Bürgermeister erstreitet.

Auf-der-AlmIrgendwelche „Sünden“ auf dieser abgelegenen Hochalm sind natürlich schon von vorne herein ausgeschlossen, auch wenn es die üblichen und spitzfindigen Verwicklungen in diversen Liebesangelegenheiten geht. Ansonsten aber geht es eher deftig zu, die Kinder spielen gleichwohl eine wichtige Rolle. In der Nachkriegszeit gibt es einige Filme, die sich mit dem Thema von in Not geratenen Kindern befassen. Auch die Idee des Österreichers Hermann Gmeiner, verwaisten und verlassenen Kindern ein neues Zuhause zu geben, mag dabei Einfluss gehabt haben. Gmeiner hat 1949 den Verein „SOS-Kinderdorf“ gegründet und in Imst in Tirol das erste Kinderdorf  errichten lassen. Es erscheint allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der Film in irgendeiner Beziehung zum Wirken Anliegen Gmeiners  steht. Dazu ist der Streifen zu oberflächlich, zu kommerziell auf Kassenerfolg angelegt. Der Grund ist sehr simpel: Heimat- und Schnulzenfilme jedweder Art überfluten zu dieser Zeit die deutschen Kinos, der Blick auf den Kassenerfolg von „Schwarzwaldmädel“ ruft jede Menge Nachahmer auf den Plan. Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd! weiterlesen

Insel der zornigen Götter

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Die Darbietung des Films Insel der zornigen Götter ist nicht besonders aufregend, der Inhalt eher schlicht. Der französische Abenteurer André Laurence (Louis Jourdan) heiratet in Polynesien die Häuptlingstochter Kalua (Debra Paget), was unter den Eingeboren nicht nur viel Unruhe auslöst, sondern die zornigen Götter wohl auch zu einem Vulkanausbruch veranlasst. 

Insel-der-zornigen-GötterDas ist beängstigend, aber für den Ablauf der Handlung auch bitter nötig, denn bis dahin zieht sich der melodramatische Konflikt nur träge über die Leinwand. Doch als das Spucken des Berges einsetzt, werden die Inselbewohner nicht nur in tiefen Schrecken versetzt, sie erwägen auch, die gerade frisch verheiratete Kalua zu opfern, um die Götter zu besänftigen. Dieser Vorgang ist allerdings nur Staffage für das eigentliche Ziel des Films, nämlich immer wieder romantische Bilder der Südsee mit passenden und einlullenden Melodien zu präsentieren. Weil das Melodram außerdem in prächtigen Technicolor-Farben feilgeboten wird, wird die eher einfältig-exotische Handlung vom Publikum auch goutiert. Auch die Werbung zielt darauf ab. In einer Kinoanzeige der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR) heisst es am Tag der Frankfurter Erstaufführung: „Eine Erzählung aus dem traumschönen Paradies der Südsee mit noch nie gezeigten Bildern von einem Vulkanausbruch.“ Dabei sind Vulkanausbrüche nicht unbedingt dazu geeignet, positive Stimmung zu verbreiten. Wenige Wochen vor der Premiere des Films in den USA ist zum Beispiel am 17. Januar 1951 der bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte „Lamington“ in Papua-Neuguinea ausgebrochen  und hat fast 3000 Menschen in den Tod gerissen. Insel der zornigen Götter weiterlesen