DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Wissenschaft

Das Herz muss schweigen

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Als ich 1950 eine Röntgenuntersuchung über mich ergehen lassen muss, mache ich mir so meine Gedanken über das „Röntgen”. Ich weiß natürlich, dass der griffige Begriff von dem Arzt Conrad Röntgen abgeleitet ist, doch ich stelle mir immer wieder mal vor, der Entdecker dieser Strahlen hätte vielleicht schlicht Schulze oder Müller geheissen. Man geht mal zum „Schulzen” oder zum „Müllern”. Oder der Arzt sagt: „Wir machen mal eine Schulzenaufnahme!”. Es wäre kaum auszudenken…

Das Herz muss schweigenAn meine eigene Untersuchung – abgeschirmt mit dicker Bleiplatte – werde ich einige Monate später erinnert, als ich im Frankfurter „Metro im Schwan” den Film Das Herz muss schweigen sehe. Der Streifen ist in den letzten Monaten der Nazi-Herrschaft gedreht worden, nur wenige Zuschauer können das Drama Ende 1944 und Anfang 1945 in Wien und Berlin noch in den Kinos sehen. Nach dem Ende des Krieges verschwinden die Kopien in den Archiven der Alliierten und werden als Reprisen 1950 von der Deutschen London-Film wieder in die Kinos gebracht. Filmhistoriker streiten später darüber, ob Das Herz muss schweigen aufgrund seiner Diktion als Propaganda für den „Opfer-Gedanken” des „Dritten Reiches”, als Durchhaltefilm oder einfach nur als ein Drama, das zufällig in der Nazi-Endzeit hergestellt worden ist, zu bewerten ist. Sich „für eine (gute) Sache zu opfern” – in diesem Fall dem medizinischen Fortschritt –, verbunden mit viel Ethos und Pathos prägt jedenfalls die 92 Minuten.

Im Mittelpunkt steht dabei die Arbeit mit Röntgengeräten. Um das dramatische Geschehen rankt sich im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts eine konfliktreiche Liebesromanze und schwere Erkrankungen, hervorgerufen durch den sorglosen Umgang mit den gefährlichen Strahlen.

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Louis Pasteur

Illustrierte Filmbühne Nr. 6  (E. S./M. F.) – Als in den Jahren zwischen 1945 und 1947 von den zuständigen US-Militärbehörden erste US-Filme in die aufgebauten oder neu eröffneten deutschen Kinos gebracht werden, sind viele Biographien weltberühmter Persönlichkeiten darunter, so zum Beispiel über die Radiologin und Nobelpreisträgerin Marie Curie, den Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison, den US-Präsidenten Abraham Lincoln, den Mediziner und Entdecker Dr. Paul Ehrlich und nicht zuletzt auch über den französischen Chemiker Louis Pasteur, von dem hier die Rede sein wird.

PasteurVielleicht waren ja solche Filme über Forscher und Mediziner in dieser Zeit deshalb so beliebt, weil sie zahlreichen Menschen Hoffnung gaben in einer Zeit, in der einerseits nicht nur die wichtigen Dinge des täglichen Lebens an allen Ecken und Enden fehlten, sondern andrerseits auch die medizinische Versorgung zu wünschen übrig ließ. Und auf dem überaus „rührigen“ Frankfurter Schwarzmarkt gab es natürlich das eine oder andere zu kaufen, zum Beispiel war Insulin eine überaus gefragte Ware, aber viele Diabetiker konnten es sich einfach nicht leisten, die exorbitant hohen illegalen Preise zu zahlen. Auch zahlreiche andere Medikamente wurden verscherbelt. Weil die US-Militärbehörden Penicillin zwar gegen Geschlechtskrankheiten, nicht aber für andere Behandlungen zur Verfügung stellten, wurden auf den Straßen rund um das Bahnhofsviertel – wie die Journalisten Richard Kirn und Madlen Lorei in ihrem Buch „Frankfurt und die drei wilden Jahre“ berichten – satte 1000 Mark für drei Ampullen verlangt; ob es sich dabei um reines oder gepantschtes Penicillin handelte – wie später im berühmten Film Der dritte Mann – konnte kaum jemand nachprüfen.

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