Clara Schumanns große Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 333 (E.S.) – Es ist nicht die große Lust an diesem biografischen Film, der mich im November 1949 in’s Bieberbau treibt. Vielmehr ist der Besuch einer Freikarte geschuldet. Denn es fehlt mir in dieser Zeit (noch) jeder Bezug zu der Musik von Robert Schumann, Johannes Brahms oder Franz Liszt – und auch die Liebe der Pianistin Clara Wieck zu Schumann erscheint mir zunächst als Darstellung bürgerlichen Miefs.

Clara neuUnter solchen Umständen ist es klar, dass die Geschichte um den begabten Komponisten Robert Schumann und der jungen Pianistin Clara Wieck, die sich nach der Heirat ganz seiner Musik und der ständig wachsenden Familie widmet, nicht besonders attraktiv erscheint – zumal das Leben der Protagonisten schon etwas über 100 Jahre zurückliegt. Gleichwohl gefällt mir der Film dann wesentlich besser als zunächst gedacht. Dem Kinopublikum wird der weit gespannte Lebensabschnitt der Hauptpersonen in glaubhafter und recht lockerer Form erzählt. Der weite Bogen reicht dabei von der mühsam erkämpften Hochzeit Clara Wieck mit Robert Schumann bis zu dessen Ende in geistiger Umnachtung.

Und er macht die Enge des bürgerlichen Haushalts ebenso deutlich wie die stets von finanzieller Not begleiteten Jahre. Katharine Hepburn (als Clara Wieck-Schumann) und Paul Henreid (als Robert Schumann) geben den Szenen Kraft und Profil – und machen auch neugierig auf Details ihres Lebens.

Recht glaubhaft erscheinen auch die Darstellungen der Schumann-Schüler Brahms (Robert Walker) und Liszt (Henry Daniell). Von der Kritik gelobt wird am Tag nach der Frankfurter Premiere die musikalische Darbietung.

Die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“, die ich stets nach Filmkritiken durchstöbere, schreibt zum Beispiel: „Vor allem ist dieser Film voll der wunderschönsten Musik, gespielt vom Symphonie-Orchester der MGM unter Leitung von William Steinberg. Kompositionen wie die Träumerei und von Schumanns Widmung oder das Wiegenlied von Brahms werden gut interpretiert.“

Der Film hat jedenfalls erreicht, sich sowohl mit dem Leben der Komponisten als auch mit ihrer Musik zu beschäftigen.

Daten zum Film

Clara Schumanns große Liebe (Illustrierte Filmbühne Nr. 333) trägt den Originaltitel Song of Love und ist eine 115 Minuten lange biografische Literaturverfilmung der MGM aus dem Jahr 1947. Unter Regie des Produzenten Clarence Brown spielen Katharine Hepburn (als Clara Wieck-Schumann), Paul Henreid (als Robert Schumann) und Robert Walker (als Johannes Brahms) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind Henry Daniell (als Franz Liszt) und Leo G. Carroll (als Professor Wieck). Das Drehbuch verfassen Ivan Tors, Irma von Cube, Allen Vincent und Robert Ardrey. Die Kamera bedient Harry Stradling. Der Film ist untermalt mit Kompositionen von Johannes Brahms, Franz Liszt und Robert Schumann. Die deutsche Stimme von Katharine Hepburn gehört Eva Vaitl.

Erstaufführung am 9. Oktober 1947 in den USA, deutsche Premiere im Mai 1949 in mehreren deutschen Städten. In Frankfurt angelaufen im Bieberbau am 18. November 1949.