Dämonische Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 1042 (E. S.) – Just Scheu, Mainzer von Geburt, ist nach dem Krieg ein bekannter Mann bei Radio Frankfurt. Die Ratesendung „Doppelt oder nichts” mit ihm als Hauptperson geniesst hohe Popularität, Scheu ist aber auch Schauspieler, Romancier, Stückeschreiber, Schlagertexter. Und Ernst Nebhut, in Frankfurt lebend, ist nicht minder vielseitig. Manchmal lese ich in der Zeitschrift „Der Neue Sport” seine Glossen zum Fußball. Was ich (noch) nicht weiß, ist, dass Just und Nebhut eng zusammenarbeiten und Boulevard-Komödien sowie Filmdrehbücher schreiben…

Dämonisçhe LiebeDas erfahre ich erst, als ich Dämonische Liebe sehe, weil im Vorspann aufgeführt ist, dass der Film auf einer Vorlage der beiden Autoren beruht. Das Stück heisst „Der Teufel stellt Monsieur Darcy ein Bein”, ist Drama und Tragikomödie zugleich, und zeigt, wie der bisher überaus korrekte Pariser Bankkassierer Pierre Darcy (Paul Hörbiger) zusammen mit der geldgierigen, aber auch verführerischen Jaqueline (Margot Hielscher) auf einen Schlag zwei Millionen Francs verjubelt. Darcy hat das Geld unterschlagen, nur weil Jaqueline seinen Schlips bewundert hat. Wer glaubt’s wird selig, aber aus dem zu dieser Zeit üblichen „Diskretionsgründen” wird nicht mehr gezeigt. Erst am Abend erwacht Darcy aus seinem Liebesrausch und erkennt, dass er sein bisher so penibel geführtes Leben zerstört hat. Als er sich – entsetzt von seiner Tat – in seinem Stammcafé das Leben nehmen will, erscheint der Teufel in Gestalt des Gauners Poupoulle (Kurt Meisel) und gibt ihm die Chance, diesen Tag noch einmal zu erleben und es anders (und besser) zu machen. Doch auch der neue Tag verläuft wie der vorhergehende.

So richtig überzeugend ist das freilich nicht. Die Idee, dass ein Mensch, wenn ihm dazu Gelegenheit gegeben wird, auch ein zweites Mal die gleichen Fehler macht und in dieselben Abhängigkeiten verfällt, ist schon sehr fatalistisch. Noch unwahrscheinlicher erscheint es allerdings, dass ein so kreuzbraver und kleinbürgerlicher Kassierer sich durch eine leichtlebige junge Frau derart schnell aus der Bahnen werfen lässt. Das ist für mich als Zuschauer kaum glaubhaft.

Immerhin gefallen die männlichen Darsteller: Paul Hörbiger spielt die Augenblicke tiefer Betroffenheit über sich selbst mit starker Ausstrahlung, Kurt Meisel gibt den Verbrechertyp mit dynamischer, diabolischer Konsequenz, lediglich Margot Hielscher wirkt ein wenig blass in ihrer Rolle als leichtfertiges Mädchen. Auch die französischen Milieustudien sind nicht immer gelungen, manche Chargen-Darsteller überzeichnen die von ihnen geforderten Charaktere. Gleichwohl ist der Film einer der besseren in den Jahren nach dem Krieg.

Daten zum Film

Dämonische Liebe (mit dem Originaltitel: Der Teufel führt Regie) ist ein Drama nach dem Theaterstück „Der Teufel stellt Monsieur Darcy ein Bein“ von Just Scheu und Ernst Nebhut. Der Streifen ist eine deutsch-österreichische Gemeinschaftsproduktion der HMK (Hielscher-Meisel-Kollektiv) und der Helios-Film im Erstverleih der Nationalfilm. Hergestellt im Jahr 1950 in einer Länge von 86 Minuten. Unter der Regie von Kurt Meisel spielen Paul Hörbiger (als Bankkassierer Pierre Darcy), Margot Hielscher (als Jacqueline), Kurt Meisel (als Poupoulle), Leopold Rudolf (als Malbrand), Albert Strouhal (als Flamont).

Weitere Darsteller sind Ernst Waldbrunn,, Franz Böheim, Karl Günther, Gisela Wilke, Fritz Muliar und Karl Skraup. Als Produzenten fungieren Carl Szokoll und Helmuth Schönnenbeck, das Drehbuch verfassen Karl Peter Gillmann sowie Fred Andreas. An der Kamera steht  Helmuth Ashley, die Musik komponiert Friedrich Meyer. – Deutsche Erstaufführung am 11. Januar 1951, Frankfurter Premiere am 20. April 1951 im Bieberbau.