Das Ding aus einer anderen Welt

Illustrierter Filmkurier, Wien (E. S.) – Dieser Film ist einer der ersten so genannten Schocker, der im Jahr 1951 in deutschen Kinos (und auch in Frankfurt) zu sehen ist. Erstaufführung in Deutschland und der Mainmetropole ist am 26. Oktober 1951 im Metro im Schwan, das bei seiner Programmgestaltung ansonsten eher auf Unterhaltungsfilme jeder Coleur sowie Melodramen und Monumentalschinken spezialisiert ist. 

Das-DingDie Konjunktur für Filme über Aliens nimmt mit Das Ding aus einer anderen Welt ihren Anfang. Vier Jahre zuvor (am 24. Juni 1947) hat im realen Leben der  amerikanische Pilot Arnold nach seinen eigenen Angaben neun rotierende Flugobjekte gesichtet. Und wenige Tage nach dieser Beobachtung von Arnold stürzen dann in der Nähe von Roswell in New Mexiko einige Metallteile vom Himmel. Obwohl ein US-General namens Ramey erklärt, bei diesen Trümmern handele es sich nur um die Überreste eines Wetterballons, wird ihm keineswegs geglaubt. In dieser Zeit nimmt auch der Kalte Krieg zwischen West und Ost Fahrt auf. Die Stimmung ist gereizt, es wird viel von einer äußeren Bedrohung gesprochen. Kein Wunder, dass Bewohner aus Roswell glauben, Außerirdische seien gelandet.

Die UFO-Legende ist damit jedenfalls geboren und schwappt in nächster Zeit aus den USA auch nach Europa über. Der Film nimmt das viel diskutierte Thema auf und lässt nahe einer Forschungsstation am Nordpol ein Raumschiff abstürzen. Als die Bewohner das Vehikel sprengen, wird eine übergroße, aber ansonsten durchaus menschenähnliche Gestalt entdeckt und in die nahe gelegene Forschungsstation gebracht. Als das Eis rund herum zu schmelzen beginnt, befreit sich das Ding und macht Jagd auf die Menschen in der Station.

Erst als die Wissenschaftler erkennen, dass es sich bei dem Lebewesen um eine Art Pflanze handelt, die sich von Blut ernähren muss, sehen sie die Möglichkeit, das „Ding” durch gezielte Elektroschocks zur Strecke zu bringen. „Was macht man mit Gemüse?” fragt einer der Männer und ein anderer gibt die Antwort: „Man kocht es”. So geschieht es, und der Film endet mit der Botschaft, dass jedwede Eindringlinge von außen zu besiegen sind. Das ist durchaus als politische Warnung an reale politische Gegner zu verstehen.

Obwohl ich mit meinen Freunden – wir gehen fast immer als Gruppe in  neue Filme – ziemlich beeindruckt bin und wir eher vorsichtig von der Innenstadt nach Sachsenhausen zurücklaufen (man bedenke, dass Frankfurt immer noch schattenwerfende Ruinenlandschaft ist), mag sich Dieter Fritko, der Kritiker der Frankfurter Rundschau, auf den wir immer viel geben bei seinen Urteilen, mit dem Gesehenen nicht so recht anfreunden. Er nennt „Das Ding“ etwas spöttisch ein Dingsda, „das mit Krallenhand und Roboterhaupt nur Unfug stiftet:

„Aber bis es soweit ist, muss der durch eine allzu bombastische Reklame auf hohe Spannungstouren gebrachte Zuschauer viele photographierte Dialoge und lehrhafte Szenen über sich ergehen lassen. Zwei Damen und einige Sarkasmen dienen der Auflockerung. Dass zwischendurch zwei zwei Wissenschaftler von dem unheimlichen Gast aus dem Jenseits getötet werden, beeinträchtigt die muntere Schlagfertigkeit der Überlebenden nicht.”

Sein abschliessende Fazit wird dem Film auch nicht ganz gerecht, wie wir finden. Bilanzierend schreibt der Kritiker:

„Dieser Film überzeugt nicht. Er bietet weder phantastische Utopie noch gegenwartsnahe Forschungsprobleme, noch kribbelnde Gruselei á la Frankenstein.” 

Wir sehen das anders. Vor allem auch, weil Dieter Fritko den stark unterschwellig-politischen Tenor des Films ignoriert. Und der ist sogar uns Jugendlichen nicht entgangen…

Daten zum Film

Das Ding aus einer anderen Welt (Illustrierter Filmkurier Wien) mit dem Originaltitel The Thing from Another World ist ein us-amerikanischer Film der RKO aus dem Jahr 1951. In dem 83 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Christian Nyby (unter Mitwirkung von Produzent Howard Hawks) die Darsteller Kenneth Tobey (als Capt. Patrick Hendry), Margaret Sheidan (als Nikki Nicholson), James Arness (als „Das Ding“), Robert Cornwaithe (als Dr. Carrington) die wichtigsten Rollen. Weiter sind  Douglas Spencer (Ned Scott), James R. Young (Lt. Eddie Dykes),  Sally Creihgton (als Mrs. Chapman), William Self (als Corporal Barnes) und Dewey Martin (als Expeditionsleiter) zu sehen. Das Drehbuch schreiben Charles Lederer und Ben Hecht, die Kamera führt Russell Harlan, die Musik komponiert Dimitri Tiomkin. Wichtigste deutsche Synchronstimmen kommen von Renate Barken (Margaret Sheridan), Ernst Wilhelm Borchert (Kenneth Toby), Alfred Balthoff (Douglas Spencer)sowie Klaus Schwarzkopf (Dewey Martin).

Premiere des Films am 6. April 1951 in den USA, dort landesweite Verbreitung ab 29. April 1951, deutsche Erstaufführung am 26. Oktober 1951 (u. a. im Metro im Schwan in Frankfurt am Main), dort am gleichen Tag gesehen vom Autor.