Das doppelte Lottchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1009 und DNF Nr. 384 (E.S.) – Der Film Das doppelte Lottchen wird in Frankfurt später an als in anderen deutschen Städten gezeigt. Der Grund ist simpel. Der an Weihnachten laufende Zeichentrick-Film „Bambi” wird im Bieberbau so gut besucht, dass eine Verlängerung unumgänglich ist. Weil aus Vertragsgründen danach auch erst noch „Rasputin” über die Leinwand flimmern muss, wird  die Frankfurter Premiere vom 12. Januar 1951 den auf 26. Januar 1951 verschoben.

Das doppelte LottchenDie Bieberbau-Direktion hat sich zusammen mit dem National-Filmverleih wieder einmal etwas besonderes ausgedacht, um auf den Start des Films aufmerksam zu machen. In Zeitungsberichten werden Zwillinge alter Altersstufen aufgefordert, sich für die Premiere anzumelden. In der 17.00-Uhr-Vorstellung sind dann auch unzählige dieser Paare zwischen fünf und 65 Jahren als „Begleitmusik” im Kino versammelt. Sie sehen einen schönen Unterhaltungsfilm nach einem Roman von Erich Kästner.

Die Handlung, über dessen Handlung die „Illustrierte Filmbühne” informiert: „In einem Ferienheim in den Alpen treffen sich zwei zehnjährige Mädchen, die einander zum Verwechseln ähnlich sind. Das eine, lebhaftere und braungelockte, heißt Luise Palfy und kommt aus Wien,. Das andere, stillere und bezopfte, heißt Lotte Körner und kommt aus München. Die erste Bestürzung, die sich bei Luise bis zur Wut steigert, weicht allmählich einer zärtlichen Freundschaft,, in deren Verlauf die beiden Kinder entdecken, dass sie Zwillinge sein müssen. Von nun an suchen sie, unermüdlich und doch vergeblich, das Geheimnis ihres Lebens zu entschleiern.”

Für die Zwillinge ergeben sich nun natürlich einige wichtige Fragen. Zum Beispiel: 

„Warum haben sich die Eltern vor etwa acht Jahren getrennt? Warum hat man sie ‚halbiert‘? Warum ließ man sie glauben, sie seien Halbwaisen? Luises Abenteuerlust, noch mehr aber die unbändige Sehnsucht beider Kinder nach der bisher vorenthaltenen Hälfte ihrer Welt führen zu einem ebenso verwegenen wie nahe liegenden Plan und zu dessen Ausführung: Luise fährt als Lotte zur Mutter nach München und Lotte als Luise zu Kapellmeister Palfy, dem Vater, nach Wien. Sie wollen die Eltern wieder zusammenbringen.”

Das Vorhaben gelingt. Natürlich gib es viele Komplikationen, aber die kleinen Verschwörerinnen meistern alle Hürden. Wer hätte das auch nicht erwartet? Dabei kommen die Pointen sehr gut an, nicht aufdringlich, sondern behutsam und in’s Herz gehend. Einzelne Szenen wirken rührend, ohne in’s Sentimentale abzugleiten.

Und am Ende spürt man, dass das Buch nicht nur für Kinder geschrieben worden ist, sondern vor allem die Erwachsenen angeht. Dazu trägt auch der von Erich Kästner selbst gesprochene Kommentar bei, der die märchenhafte Hintergründigkeit des Themas noch unterstreicht und doch jeden Anflug von Kitsch vermissen lässt. Ein sehenswerter Film.

Daten zum Film

Das doppelte Lottchen (Illustrierte Filmbühne Nr. 1009 und Das Neue Filmprogramm Nr. 384) ist eine Literaturverfilmung aus der Bundesrepublik Deutschland (1950). Nach dem Roman von Erich Kästner, hergestellt ist der Streifen von Produzent Günther Stapenhorst für die Carlton-Film (Erstverleih: National-Film) in einer Länge von 105 Minuten. Erich Kästner hat auch das Drehbuch verfasst, die Regie führt Josef von Baky. in den wichtigsten Rollen sind Jutta Günther (als Lotte), Isa Günther (als Luise), Antje Weisgerber (als Frau Körner), Peter Mosbacher (als Opernkapellmeister Palfy), Auguste Pünkösdy (als Resi) und Liesl Karlstadt (als Frau Wagenthaler) zu sehen.

Weitere Darsteller sind Senta Wentgraf, Inge Rosenberg, Gaby Philipp, Hans Olden, Rudolf Rhomberg, Walter Ladengast und Gustav Waldau. Die Musik ist von Prof. Alois Melichar, musikalische Untermalung durch die Münchener Staatsoper. An der Kamera stehen Franz Weihmayr und Walter Riml.

Erstaufführung am 22. Dezember 1950 in mehreren deutschen Städten, Frankfurter Erstaufführung am 26. Januar 1951 im Bieberbau.