Das Ei und ich

Illustrierte Filmbühne Nr. 191 (E. S.) – Der Inhalt des Film Das Ei und ich ist in wenigen Worten erzählt: Ein junges Ehepaar aus einer größeren Stadt in den USA stürzt sich in das Abenteuer, in ländlicher Umgebung im us-amerikanischen Bundesstaat Washington eine Hühnerfarm zu bewirtschaften.

Das Ei und ichDiese Komödie ist nach der autobiografischen Romanvorlage von Betty MacDonald gedreht worden und überaus sehenswert. Der hübsch gemachte Film basiert auf eigenen Erlebnissen der Autorin. Die von ihr 1945 veröffentlichte Geschichte ist in den USA ein Riesenerfolg und steht auf den Bestseller-Listen ganz oben. Und innerhalb eines Jahres werden über eine Million Bücher verkauft. Die Erlebnisse, die Betty MacDonald (Claudette Colbert) als junge Frau zusammen mit ihrem Mann Bob (Fred MacMurray) bei der Bewirtschaftung der einsam gelegenen Hühnerfarm hat, schreien geradezu nach einer Verfilmung, sind sie doch für die „Traumfabriken“ in Hollywood wie geschaffen für ein gutes Geschäft. Die Universal sichert sich schnell die Rechte, der Film über Hühner und Eier hat im April 1947 in Los Angeles Premiere. Das ist just zu jener Zeit, als in Frankfurt am Main rund um den Hauptbahnhof von den Schwarzhändlern für ein Ei rund 10 Mark verlangt werden, wenn es denn überhaupt welche im „Angebot“ der Schieber gibt.

Das sind düstere Zeiten, die bis zur Währungsreform am 20. Juni 1948 anhalten, aber auch danach gibt es längst noch nicht alles im Überfluss. Die Versorgungsprobleme halten durchaus noch an, was sich daran ablesen lässt, dass es Anfang August in München aus Protest gegen überhöhte Lebensmittelpreise zu Plünderungen in mehreren Geschäften und Ausschreitungen gegen Einzelhändler kommt.

Von solcherart Ereignissen bleiben die MacDonalds natürlich unberührt. Sie werden vor andere Herausforderungen gestellt. Während Bob MacDonald – er hat  seiner Frau nach der Hochzeit diese Farm als Geschenk zugemutet – sich vom ländlichen Leben mehr als begeistert zeigt, hat Betty erhebliche Schwierigkeiten, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Doch sie lässt sich nicht von großen oder gar tiefer gehenden psychologischen Probleme einfangen, sondern sie gewinnt dem ungewohnten Leben langsam eine heitere Note ab.

Aus der Beschreibung ihrer Alltagserlebnisse entsteht jenes Bild, dass uns Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg auch mit dem amerikanischen Alltagsleben vertraut macht. Dabei geht es nicht nur um die schönen Seiten des Farmerlebens, sondern auch Einsamkeit und die unendlich harte Arbeit. Das Ei und ich ist ein sehenswerter und einfacher Film mit viel Herz und Verstand – und stets mit einer heiteren Note.

Daten zum Film 

Das Ei und ich (Illustrierte Filmbühne Nr. 191) mit dem Originaltitel The Egg and I ist eine Literaturverfilmung der Universal Pictures aus dem Jahr 1947. Unter der Regie von Chester Erskine (auch als Produzent und am Drehbuch beteiligt) spielen Claudette Colbert (als Betty MacDonald) und Fred MacMurray (als ihr Ehemann Bob MacDonald) die Hauptrollen. Außerdem sind Marjorie Main, Percy Kilbride, Louise Allbritton sowie Richard Long mit dabei. – Die Premiere ist am 21. März 1947 in Los Angeles, Erstaufführung am 24. April 1947 in New York City, die deutsche Erstaufführung ist 1948 am 15. Juli in verschiedenen Städten der Bizone, ab 20. Juli  ist der Film auch in Frankfurt im Bieberbau zu sehen.