Die drei Musketiere

Illustrierte Filmbühne Nr. 494 (E. S.)  – Fechten als Sport ist nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack, viele Beobachter finden die Duelle auf der Planche sogar mehr als undurchsichtig und wenig attraktiv, wobei die Aktiven das selbst natürlich ganz anders sehen. Fechten im Film dagegen kann – wenn die Gefechte der Duellanten über Stühle, Bänke, Tische, Emporen, Kronleuchter und Treppen gehen – eine aufregende Angelegenheit sein.

Musketiere-neuKaum jemand weiß noch, dass der Fechtsport in den Besatzungszonen in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges verboten ist, was allerdings von den Fechtern fast ausnahmslos ignoriert wird. Nach Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates ist jedoch der Fechtsport für Deutsche untersagt, weil das Hantieren mit den Waffen als „militärische Übung” angesehen wird. Erst am 3. April 1950 geben die Alliierten – trotz der Gründung der Bundesrepublik Deutschland haben sie noch das Sagen in wichtigen Angelegenheiten – Grünes Licht für die Wiederzulassung des Fechtsports. Eine Maßnahme, die überfällig ist und vor allem auch von jenen Kreisen befürwortet wird, die bereits über die mögliche Gründung eines neuen Heeres nachdenken.

Anzeichen dafür häufen sich und Bundeskanzler Adenauer dreht in dieser Hinsicht am großen Rad. Da wäre ein Festhalten der Westalliierten am Verbot des Fechtens recht kontraproduktiv. Dass der Film Die drei Musketiere in dieser Zeit gestartet wird, ist natürlich reiner Zufall, doch der Streifen passt mit seinen glanzvollen Fechtszenen gut zu der neuen politischen Situation.

Als der MGM-Film am 8. September in Frankfurt (Bieberbau) anläuft, macht sich unsere Kino-Clique jedenfalls schleunigst auf den Weg, um die annoncierte Attraktion nicht zu verpassen. Wir schielen in dieser Zeit ohnehin auf die großen Stars des amerikanischen Films, die Wahl fällt deshalb nicht schwer. Und wir sind begeistert. Was für eine Pracht, was für eine Ausstattung! Das Spektakel  zieht uns mit seinen rasanten Szenen, seinem Tempo und seinen Farben in den Bann. Obwohl wir aus eigener Erfahrung der Bombenangriffe genau wissen, dass sich Krieg ganz anders abspielt als im Film gezeigt, lassen wir uns im Kino gut unterhalten.

Gene Kelly ist als D’Artagnan fabelhaft unterwegs, aber der Roman von Alexandre Dumas ist natürlich auch eine Steilvorlage für die Filmemacher. Der kesse, junge und ein wenig naive Abenteurer jedenfalls kommt aus der französischen Provinz nach Paris, wo er den schon ziemlich berühmten, aber nicht immer ganz korrekt handelnden drei Musketieren beitreten will. Athos (Van Heflin), Portos (Gig Young) und Aramis (Robert Cole) staunen nicht schlecht über den frech-selbstbewussten D’Artagnan und nehmen ihn unter ihre Fittiche.

So wird aus dem Trio ein Quartett. Mit dabei in dem unterhaltsamen Treiben, das durch seine brillanten Fechtszenen besticht, sind Vincent Price als undurchsichtiger Richelieu, Lana Turner als Lady de Winter sowie June Allison und Angela Lansbury. Dass D’Artagnan in die bei Hofe üblichen politischen Intrigen der Königsfamilie hineingezogen wird, in der es neben Hass, Liebe und Meuchelmord vor allem um viel Geld geht, ist dabei unvermeidlich.

Daten zum Film

Die drei Musketiere (Illustrierte Filmbühne Nr. 494) trägt den Originaltitel The Three Musketeers und ist ein US-Abenteuerfilm (Technicolor) von 1948 nach einem Roman von Alexandre Dumas. – Produktion: Sandro S. Berman (Loews) für Metro-Goldwyn-Mayer. Unter Regisseur George Sydney spielen Gene Kelly (als D’Artagnan), Gig Young (als Portos), Robert Cole (als Aramis), Van Heflin (als Athos), Lana Turner (als Lady de Winter) und Vincent Price (als Richelieu). – Weitere Mitwirkende sind June Allyson, Angela Lansbury, Frank Morgan, Reginald Owen. Die deutschen Sprecher sind O. E Hasse (Gene Kelly), Walter Süssenguth (Van Heflin), Arthur Schröder (Gig Young) Eva Vaitl (June Allyson), Ilse Steppat (Lana Turner).

Die Erstaufführungen sind am 19. und 20. Oktober 1948 in Los Angeles (USA-Start), 1. September 1950 (Bundesrepublik Deutschland), in Frankfurt ab 8. September 1950 im Bieberbau, 25. Januar 1987 (TV-Sendung, DDR).