Das goldene Tor

Illustrierte Filmbühne Nr. 126  (E. S.) – Mit den vielen Lichtspielhäusern in der Kaiserstraße, dem einstigen prächtigen Boulevard, der von der Frankfurter Innenstadt schnurgerade  zum Hauptbahnhof führt, hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Seit jeher liegen sie alle auf der Nordseite der Straße, dort wo die Hausnummern gerade sind. Auch die Hansa-Lichtspiele, in denen im Frühjahr 1947 der Paramount-Film Das Goldene Tor auf dem Programm steht.

Das goldene TorAn der Ecke zur Neuen Mainzer Straße liegt der Gloria-Palast (Hausnummer 28); er ist allerdings lange von den US-Amerikanern beschlagnahmt, in Richtung Hauptbahnhof schliessen sich das Hansa (Hausnummer 50), das Kaiser-Kino (Nr. 54), die Rex-Lichtspiele (Nr. 64) und die Lichtburg  (Nr. 74) an. Als erstes dieser Kinos hat die altehrwürdige Lichtburg schon im Juli 1945 wieder den Betrieb aufgenommen, die Schauburg in Bornheim beginnt ihre Arbeit im August, als drittes Lichtspiel-Theater folgt das Hansa am 19. Oktober 1945. Das Bahnhofsviertel ist eine üble Gegend, aber durch den Krieg sind viele Menschen abgebrüht und unempfindlich gegen den tristen Alltag. Der Schwarzmarkt blüht, es gibt eine extrem hohe Kriminalität, vor einigen Monaten hat ein Gangster auf der Flucht vier unbeteiligte Passanten und dann sich selbst erschossen. Um die Geschäftemacherei in den Griff zu bekommen, haben die Amerikaner an der Ecke Kaiser/Weserstraße eine Tauschzentrale eingerichtet. Deutsche verscherbeln hier ihre restlichen Wertgegenstände gegen Lebensmittel aus den USA.

In dieser unwirtlichen Gegend im Rotlicht-Milieu wirkt der Film eher betulich, aber auch er gehört zum „Programm” der Umerziehung”, mit der den deutschen Bürgern die Demokratie vermittelt werden soll. Der Rumäne Georges Iscovescu (Charles Boyer) erzählt (in Untertiteln) dem Regisseur Dwight Saxon seine Lebensgeschichte, damit dieser einen Film daraus machen kann. In einer Rückblende geht es im Grunde um eine so genannte Dreiecksgeschichte – eingebettet in eine Scheinehe. Zwei Frauen sind involviert: die amerikanische Lehrerin Emmi Brown (Olivia de Havilland), die er heiratet, um eine Genehmigung für den Aufenthalt in den USA zu erhalten, sowie seine alte Freundin und Tänzerin Anita Dixon (Paulette Goddard). Lange weiß der Rumäne nicht, für wen er sich entscheiden soll, am Ende aber „gewinnt” Emmi Brown.

Daten zum Film

Das Goldene Tor (Illustrierte Filmbühne Nr. 126 – zuvor erschienen als Nr. 35 des zweiten Jahrgangs) ist ein US-amerikanischer SW-Film der Paramount aus dem Jahr 1941 mit deutschen Untertiteln. Regie: Mitchell Leisen. – Darsteller: Charles Boyer (als George Iscovescu), Olivia de Havilland (als Emmi Brown), Paulette Goddard (als Anita Dixon). –  Uraufführung am 11. September 1941 in New York City, ab 26. September des gleichen Jahres in den Kinos der USA. In der US-Zone ab 26. Oktober 1946 im Einsatz. Gesehen vom Autor in den Hansa-Lichtspielen am 9. März 1947.