Das zauberhafte Land

Illustrierte Filmbühne Nr. 956 (E. S.) – Hollywood ist schon seit jeher ein Synonym für den Begriff „Traumfabrik“. Wie am Fließband werden in Los Angeles Filme hergestellt, und dabei echte oder vermeintliche Wünsche des Publikums erfüllt. Als ein klassisches Paradebeispiel für die Schaffung einer solchen Traumwelt gilt der MGM-Farbfilm Das zauberhafte Land aus dem Jahr 1939. 

Das Zauberhafte LandBesonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Kinder und Jugendliche soviel Hunger, Leid und Elend erlebt haben, ist ein solcher phantasievoller Märchenfilm wie geschaffen dafür, aus der harten Realität in eine prachtvolle Phantasiewelt entführt zu werden. Als der Streifen 1950 in die deutschen Kinos kommt, hat er noch kein bisschen Patina angesetzt.  Der Musical-Klassiker bietet jedenfalls bei seinem Erscheinen beste Unterhaltung. Vor allem das Lied „Over the Rainbow“ („Jenseits des Regenbogens“) ist als Ohrwurm unschlagbar und wird später einmal vom „American Film Institute“ auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gesetzt. Weil die Homosexuellen der USA in dem Lied die Widerspiegelung eigener Sehnsüchte nach einer toleranteren und besseren Welt sehen, wird es in den 70er Jahren zu einer Art Hymne für sie. Doch das liegt alles noch in der Zukunft. Denn als ich den Film Anfang der 50er Jahre in den Harmonie-Lichtspielen sehe, sind es vor allem tollen Farben und der traumhaft schöne Inhalt, der mich begeistert.

Die Hauptrolle der zwölfjährigen Dorothy Gale spielt Judy Garland, die bei der Produktion des Films allerdings schon 17 ist. Dorothy lebt in Kansas auf einer tristen und  staubigen Farm. In ihren Träumen erlebt sie eine andere und bessere Welt. Nach einem Tornado landet das Haus mit der schlafenden Dorothy und dem Hund Toto im farbenprächtigen Reich Oz. Doch Dorothy möchte gerne wieder nach Hause. Verzweifelt macht sie sich also auf den Weg in die Hauptstadt, wo der große „Zauberer von Oz“ lebt – nur er kann ihre Rückkehr nach Hause ermöglichen.

Beim Zauberer von Oz

Der Weg zum Zauberer wird zu einer Reise voller Gefahren und Abenteuer, doch findet Dorothy dabei neue Freunde und Verbündete: eine Vogelscheuche, die sich ein Hirn wünscht, einem Zinnmann, der so gern ein Herz hätte und einem ängstlichen Löwen, der mutig sein möchte. Zusammen erleben sie viele gemeinsame Abenteuer, ehe Dorothy wieder in ihrem Haus in Kansas aufwacht und sich erstaunt fragt: Waren diese Erlebnisse Wirklichkeit? Oder war das alles nur ein Traum? – Es war Hollywood, natürlich, es war die einlullende Traumfabrik!

Daten zum Film

Das zauberhafte Land (Illustrierte Filmbühne Nr. 956) mit dem Originaltitel The Wizard of Oz und dem weiteren deutschen Titel Der Zauberer von Oz ist eine musicalähnliche Literaturverfilmung mit Fantasy-Charakter der Metro-Goldwyn-Mayer aus dem Jahr 1939 – nach dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum. In dem 107 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Victor Fleming Judy Garland (als Dorothy), Frank Morgan (als Professor Marvel, der Zauberer von Oz), Ray Bolger (als Hunk/die Vogelscheuche), Bert Lahr (als der ängstliche Löwe Zek), Jack Haley (als Hickory/Zinnmann), Billie Burke (als die gute Hexe Glinda), Margaret Hamilton (Miss Gulch/die böse Hexe). Produzent des Films ist Mervyn LeRoy, das Drehbuch stammt von Noel Langley, Florence Ryerson und Edgar Allan Woolf. Die Kamera führt Harold Rosson, die Musik kommt von Herbert Stothart. Der Film erhielt 1940 Oscars für den Song „Over the Rainbow“ (Musik und Text) sowie für die beste Originalmusik (Herbert Stothart). Die deutsche Stimme von Judy Garland gehört Margret Leonard, Frank Morgan wird von Georg Thomalla gesprochen.

Welterstaufführung am 12. August 1939 in Ocowomowac (Wisconsin), 15. August Los Angeles, 17. August in New York City, USA-landesweit am 25. August 1939 gestartet. Deutsche Premiere 19. April 1951. Vom Autor gesehen in den Harmonie-Lichtspielen.