Der Apfel ist ab

Illustrierte Filmbühne Nr. 249  (E. S.) – Es gibt auch nach dem Krieg unter den ersten neuen Filmen einige eher seltsame Exemplare. Einer davon ist Der Apfel ist ab und er wird nicht von jedermann goutiert und verstanden. Die täglichen Einspiel-Ergebnisse sind insgesamt eher bescheiden, die Menschen haben für diese Art satirischen Humors wohl noch nicht das rechte Verständnis. Der Film ist seiner Zeit voraus.

Der Apfel-ist-ab-neuIn dem Film von Helmut Käutner –  das Thema wurde von ihm und Kollegen schon 1935 für ein Kabarettprogramm verfasst –, liegt ein Apfelsaft-Fabrikant nach einem Suizid-Versuch im Koma und erlebt nun in seinen Träumen die Geschichte von Adam und Eva und dem berühmt-berüchtigten und verhängnisvollen Apfel als Spiegelbild seiner zahlreichen, eigenen Probleme im Liebesleben. Die Ausgabe Nummer 249 der „Illustrierten Filmbühne” (München) beschreibt das Ganze als einen „überaus heiteren Musikfilm, eine musikalische Komödie, in der der Zeigefinger anmutig (…) erhoben und dessen Lehren nicht geredet, sondern gesungen werden”, doch ändert dies nichts daran, dass dieser Film bei der Mehrheit der Kino-Interessierten zu dieser Zeit kein Wohlgefallen auslöst.

Einige Kritiker attestierten dem Film zwar, er sei eine „der ersten deutschen Nachkriegsproduktionen mit originellen, aus der Not der Zeit geborenen Ausstattungsideen”, doch urteilen andere, die ironisch-politische Persiflage sei zwar amüsant, von der Inszenierung her sei er aber nicht rundum überzeugend. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ kritisiert zum Beispiel, der Film habe nicht gezündet, er sei ein kabarettistisches (…) Märchen mit fadenscheiniger Hintergründigkeit. „Er ist mit Geist und Witz gemacht, auch mit Liebe und Laune, aber nicht — mit Herz, nicht mit Wärme.”

Und gerade das spielt Ende November 1948, als der Film in die Kinos kommt, durchaus eine wichtige Rolle. Denn obwohl die Währungsreform aus dem Sommer die Versorgungslage erheblich gebessert hat und sich am Horizont ein leichter wirtschaftlicher Aufschwung andeutet, mögen die Menschen dann doch eher deftigere Kost, wenn es um’s Lachen geht, und darum, die Alltagssorgen zu vergessen. Das ist auch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre durchaus zu verstehen.

Daten zum Film

Der Apfel ist ab (Illustrierte Filmbühne Nr.249) ist eine deutsche, komödiantische Literaturverfilmung aus  dem Jahr 1948 nach einer Vorlage von Bobby Todd, Helmut Käutner, Kurd E. Heyne. In dem von Helmut Käutner inszenierten Film spielen Bobby Todd (Adam Schmidt/Adam), Bettina Moissi (Eva Meier-Eden/Eva), Joana Maria Gorvin (Lilly Schmidt/Lilith), Arno Assmann (Dr. Lutz/Luzifer), Helmut Käutner (Prof. Petri/Petrus). Die deutsche Uraufführung erfolgt am 23. November 1948 im Hamburger Waterloo-Filmtheater. Gespielt am 8. Januar 1949 im Luxor am Hauptbahnhof.