Das Bad auf der Tenne

Illustrierte Filmbühne Nr. 107  (E. S.) – Neben den vielen ausländischen Filmen kommen 1947 auch immer mehr so genannte „Reprisen” in die Kinos. Das sind deutsche Filme aus der Nazi-Zeit, die von den alliierten Militärbehörden bei der „demokratischen Zurück-Umerziehung” der Bevölkerung als „unbedenklich” eingestuft und zur Vorführung wieder freigegeben werden.

Bad auf der TenneEiner davon ist der recht derbe Tobis-Schwank Das Bad auf der Tenne. In der ersten März-Woche läuft er im Union-Theater im westlichen Frankfurter Vorort Sindlingen. Es ist der fünfte deutsche Agfacolor-Farbfilm nach Frauen sind doch bessere Diplomaten, Das große Spiel, Die goldene Stadt und Münchhausen. Weil im Februar 1947 wegen der brutalen Kälte die Lichtspielhäuser in Frankfurt kurzzeitig geschlossen werden, um Heizmaterial zu sparen, strömen umso mehr Menschen nach der Wiedereröffnung am 18. Februar in die wenigen vorhandenen Kinos. Es sind dies im Zentrum nur die Schauburg, und das Apollo (beide in Bornheim) sowie die Lichtburg und das Hansa-Kino (in der Kaiserstraße). In den Stadtteilen sind die Zoo-Lichtspiele im Ostend, das Harmonie in Sachsenhausen und das Titania in Bockenheim geöffnet. Ausserdem wird in den weiter entfernten Stadtteilen Fechenheim, Höchst, Sindlingen, Rödelheim, Eckenheim und Bonames schon wieder gespielt. Und nach der bisherigen Flut von amerikanischen, britischen und französischen Streifen gibt es nun also auch wieder deutsche Filme in den Kinos.

Zwar liegt die deutsche Nachkriegsproduktion noch am Boden, aber die Militärbehörden geben nicht ohne Grund Grünes Licht für die Reprisen aus dem „Dritten Reich” – sie spüren, dass das deutsche Publikum mit vielen der ausländischen Produktionen (meist noch mit Untertiteln) wenig anfangen kann, wollen es aber durchaus bei Laune halten.

Und es ist auch klar, dass Das Bad auf der Tenne keine Bedenken bei den alliierten Filmoffizieren weckt. Der Streifen spielt im niederländischen Bauernmilieu von Flandern um das Jahr 1700. Antje, die Frau des Bürgermeisters, bekommt von ihrem Wiener Verehrer Satorius einen Badetrog als Geschenk, was allerdings den geballten Neid der anderen Bauersfrauen hervorruft. Deshalb wird Anje in der Komödie von ihrer Nachbarschaft zum Gespött des Dorfes gemacht. Völlig unbedenklich also.

Daten zum Film

Das Bad auf der Tenne (Illustrierte Filmbühne Nr. 107 – zuvor erschienen als Nr. 17 des zweiten Jahrgangs) ist ein deutscher Farbfilm aus dem Jahr 1943 (Tobis) unter der Spielleitung von Volker von Collande. – Darsteller: Will Dohm (als Bürgermeister Hendrick), Heli Finkenzeller (als seine Frau Antje), Richard Häussler (als Wiener Galan Satorius), weitere Mitwirkende sind u. a. noch: Gisela von Collande, Wilfried Seyferth, Paul Henckels, Claus Holm.– Gesehen vom Autor in den Union-Lichtspielen in Sindlingen Anfang März 1947