Tromba

Illustrierte Filmbühne Nr. 372 (E. S.) – Im Frühjahr 1944 wird Frankfurt am Main von verheerenden Bombenangriffen der Alliierten heimgesucht. Am 18., 22. und 24. März, werfen britische und amerikanische Flugzeuge viele tausend Spreng- und Brandbomben auf die Stadt. Die Innenstadt wird fast völlig zerstört. Doch auch Stadtteile und Vororte sind betroffen. Viele Tote sind zu beklagen.

TrombaAuch die Elisabethenstraße, in der unsere Familie gewohnt hat, brennt völlig nieder, und wir werden schließlich in den rauen Westerwald evakuiert. Neben den unzähligen Häusern und Gebäuden wird im westlichen Stadtteil Griesheim auch das kleine Filmtheater „Die Neue Lichtbühne” ein Raub der Flammen. Das ist angesichts des allgemeinen Infernos nicht wirklich wichtig, doch an die dramatischen Vorgänge dieser Tage werde ich fünf Jahre  später erinnert, als ich in der „Frankfurter Rundschau” eine kleine Notiz entdecke, in der von der Wiedereröffnung dieser „Neuen Lichtbühne” berichtet wird. Das Kino ist an einem neuen Platz – wo einst die Turnhalle der TG Griesheim stand – wieder aufgebaut worden. Zur Premiere wird dort dann am 1. Oktober 1949 das deutsche Zirkusdrama Tromba gezeigt. Der Film hat seine Frankfurter Erstaufführung (in Anwesenheit der Schauspielerin Gardy Granass) im Luxor und in der Scala bereits im Juli hinter sich gebracht, jetzt taugt er sogar noch für eine Stadtteil-Premiere.

Die Handlung ist schnell erzählt. Der heroinabhängige Dompteur Kurt Tromba kehrt nach längerer Abwesenheit zu seinem alten Zirkus zurück, was zu dramatischen Ereignissen führt und schließlich zu seinem tragischen Tod führt, weil er zuletzt die Tiere nur noch im hypnotischen Morphiumrausch zu dirigieren vermag. Als Tromba jedoch diese Kraft verliert, wird er von seinen Tigern zerfleischt. Obwohl der Film von Schuld und Sühne berichtet, wirkt  er auf die Besucher manchmal fast zu reißerisch.

Gleichwohl sind es vor allem die Darsteller, die dem Streifen Profil verleihen. René Deltgen ist einerseits männlich-hart, manchmal fast brutal-überzeugend in seinem Auftreten, andererseits aber auch hilflos und bedauernswert in der nicht beherrschbaren Sucht. Angelika Hauff sprüht als eifersüchtige Trapez-Künstlerin vor Temperament; Gustav Knuth, Hilde Weissner und Grethe Weiser werfen die routinierte Erfahrung vieler Filme in die Waagschale. So bleibt der Film trotz einiger Schwächen doch überaus spannend und sehenswert.

Daten zum Film

Tromba ist ein Zirkusstreifen der camera-Produktion aus dem Jahr 1949. Unter der Regie von Helmut Weiss spielen in dem 97 Minuten langen Film René Deltgen  (als Tigerdompteur Kurt Tromba) und Angelika Hauff (als Trapez-Künstlerin Ola Orlando) die Hauptrollen. Außerdem sind Hilde Weissner (als Zirkusdirektorin Teresa Kronbeck), Gustav Knuth (als Artist Ernesto Spadoli), Gardy Granass  (als Sportstudentin Gardy Kronbeck) und Grethe Weiser (als Kneipenwirtin und ehemalige Schulreiterin Cläre Vets) zu sehen. In einer weiteren Rolle: Adrian Hoven. Produzent ist Georg Richter, das Drehbuch schreiben Elisabeth Zimmermann und Helmut Weiss. An der Kamera steht Werner Krien.

Bundesdeutsche Erstaufführung am 1. Juli 1949; ab 3. März 1950 in den Kinos der DDR. Frankfurter Premiere am Freitag, 22. Juli im Luxor und Scala. Erster Film in der Neuen Lichtbühne in Frankfurt-Griesheim ab 1. Oktober 1950.