Der Schatz der Sierra Madre

Illustrierte Filmbühne Nr. 383  (E. S.) – Mexiko, in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts: Der heruntergekommene Abenteurer Dobbs (Humphrey Bogart) schürft mit seinen Kumpanen Curin (Tim Holt) und Howard (Walter Huston) in der heißen Sierra Madre nach Gold. Je mehr sie ausbuddeln, umso stärker wird die Gier und das gegenseitige Misstrauen – und sie verlieren alles.

SchatzSierraMadreEine  Leihbücherei im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ist in den ersten Nachkriegsjahren täglich Treffpunkt vieler Schüler, die sich dort für kleines Geld Abenteuer- und Kriminalromane ausborgen. Hier nimmt der Filmbesuch von Der Schatz der Sierra Madre seinen Anfang. Zahlreiche Geschichten von Zane Grey und Max Brand über den Wilden Westen, dazu Krimi-Serien von Hermann Hilgendorff (FBI-Agent Jack Kelly, Inspektor Percy Brook) sind zu dieser Zeit die  beliebten Renner. Herr Zaun, der freundliche Besitzer des Ladens, macht eines Tages auf den Roman „Der Schatz der Sierra Madre” von B. Traven aus dem Jahr 1927 aufmerksam, der gerade in einer Neuauflage bei ihm angeliefert worden ist. Es ist eine gute Empfehlung, viele von uns lesen das Buch, was bald daran zu erkennen ist, dass auf der vorletzten Seite die Rubrik der Ausleihdaten überquillt.

Auch  fasziniert der mysteriöse Traven, weil niemand weiß, wer sich hinter den Pseudonym in Wahrheit verbirgt und darüber ein großes Rätselraten herrscht. Als dann der gleichnamige Film in die deutschen Kinos kommt, ist der Besuch geradezu Pflicht, zumal Humphrey Bogart – inzwischen ist er durch andere Filme für uns zu einem Begriff geworden – eine der Hauptrollen spielt.

Dieser Klassiker des Abenteuergenres zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie schnell und unvermittelt die Jagd nach Reichtum und Besitz die zwischenmenschlichen Beziehungen zerstören kann. Dabei bleibt die Erzählweise des Films von Regisseur John Huston eigentlich eher schlicht, doch werden die Charaktere und deren Schwächen bei der vermeintlichen Sicherung ihres materiellen Besitzes scharf gezeichnet. Die literarische Vorlage von B. Traven, dessen Bücher in Deutschland von den Nazis verboten worden sind, bietet Huston jedenfalls die Möglichkeit, die drei Abenteurer bei ihrer Goldsuche in der mexikanischen Sierra Madre hervorragend zu porträtieren.

Am überzeugendsten ist der Film in der Phase, in der Misstrauen, Besitzgier und Neid die ursprünglich durchaus vorhandene Vertrauensbasis der Männer überwuchert und schließlich gänzlich zerstört. Als auch noch  der mühselig gewaschene Goldschatz sich verflüchtigt, verlässt der Film (wie zuvor natürlich auch der Roman) das reine Abenteurertum und wird zum gesellschaftskritischen Thema, das fast immer bei Traven eine zentrale Rolle spielt.

Daten zum Film 

Der Schatz der Sierra Madre (Illustrierte Filmbühne Nr. 383) mit dem Originaltitel Treasure of Sierra Madre ist ein Abenteuerfilm der Warner Bros. aus dem Jahr 1947 nach einem Roman von B. Traven. Das Drehbuch schrieb John Huston, der auch Regie führt. Als Hauptdarsteller sind Humphrey Bogart (als Dobbs), Walter Huston (als Howard) und Tim Holt (als Curtin) im Einsatz. Regisseur John Huston und Ann Sheridan (als Passantin) sind in kleinen Nebenrollen zu sehen. Die deutschen Stimmen gehören Carl Raddatz (Bogart), E. W. Borchert (Tim Holt), Konrad Wagner (Walter Huston). Der Film erhält zahlreiche Auszeichnungen, darunter bei den Filmfestspielen in Venedig 1948 den Preis für die beste Musik (Max Steiner), drei Oscars im Jahr 1949 für die beste Regie (John Huston), für den besten Nebendarsteller (Walter Huston) und das beste Originaldrehbuch (John Huston).

Erstaufführungen: 24. Januar 1948 (USA), 14. Januar 1949 (Bundesrepublik), Frankfurter Premiere Ende November 1949 (Filmpalast). 3. Januar 1964 (DDR).