Echo der Jugend

Illustrierte Filmbühne Nr. 90  (E. S.) – Eine winzige Anzeige in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ wirbt Anfang März 1947 für die Aufführung des Films Echo der Jugend in den Zoo-Lichtspielen am Alfred-Brehm-Platz. Mit dem daraufhin folgenden Filmbesuch hat es für einige Schüler eine besondere Bewandtnis.

Echo der JugendDer Filmtitel sagt den meisten Schülern in der Frankensteiner Schule rein gar nichts, die lockenden Werbeworte „Geschichte einer großen Frauenliebe” klingen in den Ohren der Jungens allerdings eher verlockend. Die Anfangszeiten im Kino selbst sind irgendwie komisch, denn es wird an jedem Tag  gespielt, aber nur um 13,45 und um 15.00 Uhr. Die erste Vorstellung kommt wegen des Unterrichts und des weiten Weges von Sachsenhausen bis in das Frankfurter Ostend für einen Besuch nicht in Frage, also machen sich einige Schüler für die Aufführung am Nachmittag auf den Weg. Das hat seinen guten Grund. In der Schule wird neuerdings Englisch unterrichtet und Lehrer Heinz Martin empfiehlt dazu als unterstützende Maßnahme den Besuch von englischsprachigen Filmen. Ob das was hilft? Keine Ahnung. Im Unterricht wird bisher nur ein hübsches und sehr melodisches Kinderlied geübt:

„My Bonny is over the ocean, my Bonny is over the sea. My Bonny is over the ocean, o bring back my Bonny to me!“ 

Oh, wie gefühlvoll! Es ist von einem unbekannten Autor, wird viel an Lagerfeuern von Jugendgruppen zu Klampfen und Gitarren zum Besten gegeben, viele international bekannte Interpreten haben es immer wieder gesungen. Und irgendwie passt dieses Lied zum Thema des Films.

Weil Echo der Jugend schon Ende 1945 vom Amerikanischen Militärverleih im Rahmen der „demokratischen Umerziehung der deutschen Bevölkerung” (Reeducation) in die Kinos gebracht wird, läuft er noch in Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Eine alt gewordene Lehrerin möchte nach vielen Jahren ihren einstigen Lieblingsschüler sprechen, der vor der Wahl zum US-Präsidenten steht. In der Zeit, in der sie in der Washingtoner Hotelhalle auf die Begegnung wartet, erinnert sie sich in einer langen Rückblende an viele Begebenheiten von damals. Eine durchaus gefühlvolle Darbietung, wie die Schüler meinen – aber zur Verbesserung der englischen Sprache trägt sie nicht bei.

Daten zum Film

Echo der Jugend (Illustrierte Filmbühne Nr. 90 – zuvor erschienen als Nr. 1 des zweiten Jahrgangs) ist ein 20th Century Fox-Film aus dem Jahr 1941 in Schwarz-Weiß mit deutschen Untertiteln nach einer Erzählung von Philipp Dunning und Philo Highley unter Regie von Henry King. Die Darsteller sind Claudette Colbert (Nora Trinell), John Payne (Dan Hopkins), Ann Todd, Jane Seymour, Sheppard Strudwick. – Weltpremiere am 25. Dezember 1941 in den USA, in der US-Zone seit November 1945 im Einsatz. InFrankfurt zu sehen Anfang März 1947 in den Zoo-Lichtspielen.