Der gebrochene Pfeil

Das neue Filmprogramm (E. S.) Eine echte Überraschung wird den Kinobesuchern Ende September 1951 im Frankfurter Filmpalast geboten, als der Film Der gebrochene Pfeil anläuft. Erstmals wird in diesem amerikanischen Western ein realistischeres Bild der Indianer gezeigt als das bis dahin der Fall ist. 

Der-gebrochene-PfeilRegisseur Delmer Daves präsentiert uns mit viel anerkennenswertem Ernst und gebührender Fairness den berechtigen Kampf der Apachen in Arizona gegen die unaufhaltsam vordringenden weißen Eroberer. Immerhin sind zu dieser Zeit (1870) schon vier Fünftel des nordamerikanischen Territoriums den Indianern abgejagt worden, doch in Arizona leisten die Apachen-Stämme unter ihrem Häuptling Cochise (Jeff Chandler) noch heftigen Widerstand. Gegen die aufmüpfigen „Rothäute“ wie die Ureinwohner stets rassistisch abqualifiziert werden, soll deshalb eine militärische Expedition eingesetzt werden, letztendlich mit dem Ziel, die Indianer auszurotten. Doch auf beiden Seiten gibt es Männer, die den absehbaren, blutigen Krieg vermeiden wollen. Dazu gehören der Regierungsbeauftragte General Howard (Basil Ruysdael) sowie der Trapper Tom Jeffords (James Stewart). Jeffords, der die Sitten der Apachen aus eigener Anschauung kennt, hat er doch zeitweise bei ihnen gelebt und ist mit der Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) verheiratet, gelingt es schließlich, sowohl Cochise als auch Howard zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl es immer wieder blutige Zwischenfällen gibt, bei denen auch Jeffords indianische Frau stirbt, wird der Friede schließlich erreicht.

Der Film ist einigermaßen um historische Wahrheit bemüht und zeichnet erstmals nicht nur das übliche negative Bild der Indianer, wie es bis zu dieser Zeit immer wieder in Western erschienen ist. Es schimmert durch, dass die Ureinwohner Nordamerikas nur ihre berechtigten Interessen vertreten. Vor allem die Haltung Cochise, der ein gegebenes Wort unter allen Umständen hält und dessen persönliche Integrität sich auch bei Verrat aus den eigenen Reihen bewährt, wirft ein völlig anderes Licht auf die Haltung der Indianer.

Natürlich ist der Film nur ein Versuch, ein genaueres und faireres Bild von den Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Indianern zu zeichnen; unterschwellig bleiben gewisse Vorbehalte gegen die Indianer bestehen. Doch allein die Absicht, den indianischen Standpunkt zu verstehen (und auch zu tolerieren), erfordert in Amerika der Fünfziger Jahre durchaus Mut. Immerhin kommt es auch bald in einigen folgenden Western zu einem differenzierteren Blick auf die Indianer. Dazu gehörte vor allem auch der Film „Fluch des Blutes“ von Antony Mann, der nur zwei Monate nach dem Start von Der gebrochene Pfeil in den USA uraufgeführt wurde.

Daten zum Film

Der gebrochene Pfeil (Das Neue Filmprogramm, Klemmer-Verlag Mannheim) trägt im Original den Titel Broken Arrow und ist eine Western-Literaturverfilmung (nach einem Roman Elliott Arnold) der 20th Century Fox aus dem Jahr 1950. Die Regie in dem 93 Minuten langen Film führt Delmer Davis, das Drehbuch schreibt Michael Blankfort, Produzent ist Julian Blaustein. In den wichtigsten Rollen agieren  James Stewart (als Fallensteller Tom Jeffords), Jeff Chandler (als Häutling Cochise), Debra Paget (als Indianerfrau Sonseeahray), Basil Ruysdael (als General Howard), Will Geer (als Ben Slade). Außerdem wirken mit: Joyce MacKenzie, Arthur Hunnicutt, Raymond Bramley, Jay Silverheels, Jack Lee (Boucher) und Robert Adler. Die Kamera wird von Ernest Palmer geführt, die Musik kommt von Hugo Friedhofer. Die deutschen Synchronstimmen gehören zu Ernst Fritz Fürbringer (James Stewart), Erika Georgi (Debra Pagat) und Curt Ackermann (Jeff Chandler).

Erstaufführung am 21. Juli 1950 in den USA, am 6. September 1951 in der Bundesrepublik Deutschland, am 18. September 1951 im Filmpalast in Frankfurt.