Der schwarze Reiter

Illustrierte Filmbühne Nr. 433  (E. S.) Wer sich außer für spannende Filme auch noch für Fußballspiele interessiert, muss als Frankfurter Ende Dezember 1949 ein paar bittere Pillen schlucken. Die Eintracht verliert nacheinander einige Spiele, was mehr oder weniger klaglos hingenommen wird. Doch dass darunter auch zwei deftige Niederlagen gegen die Kickers aus der Nachbarstadt Offenbach sind, schmerzt dann doch mehr als erwartet.

SchwarzerReiterErst schlagen die Kickers die „Adlerträger” im Punktspiel der Süddeutschen Oberliga am Bieberer Berg mit sage und schreibe 6:2 Toren, acht Tage später (am 2. Weihnachtsfeiertag) gibt es sogar am Bornheimer Hang – zu dieser Zeit ist es die Spielstätte der Eintracht – im Endspiel des Hessenpokals ein deftiges 1:4 gegen den ungeliebten Konkurrenten. Unter solchen Umständen kommt ein Kinobesuch gerade recht, um die Stimmung wieder zu heben. Das kann natürlich nur ein Western sein. Die Wahl fällt auf den Film Der schwarze Reiter, der alle Zutaten eines Wildwest-Streifens enthält. Sheriffs, Gangster im feinen Zwirn, Revolvermänner, Überfälle, Schiessereien, Barmädchen, Saloons, Viehdiebstähle und Landraub spielen eine wichtige Rolle, aber vor allem auch die Selbstlosigkeit einer nordamerikanischen Quäker-Familie.

Die Hilfsbereitschaft dieser Familie namens Worth ist das zentrale Thema des Streifens. Es geht nämlich darum, ob der angeschossene Revolvermann Quirt Evens (John Wayne) bei ihnen den Weg in ein gewaltfreies Leben zurück findet. Evans ist angeschossen worden und hat Unterschlupf bei der Quäker-Familie gefunden, die ihn selbstlos gesund pflegt. In dieser Situation verliebt er sich nicht nur in die liebliche Tochter Penepole (Gail Russell), sondern er stellt sein ganzes bisherigen Dasein in Frage.

Quirt Evans fasst nach langem Nachdenken schließlich den Entschluss, seinen Colt nicht mehr zu benutzen und ein neues Leben zu beginnen. Doch seine Absicht gerät fast zwangsläufig in’s Wanken, als er erneut mit schießwütigen Gangster konfrontiert wird. Am Ende aber können sich Penelope und der geläuterte Quirt Evans dann doch in die Arme sinken.

Obwohl der Film viele gängige Klischees bedient, ist er doch mehr als ein reiner Western der üblichen Art. Gleichwohl wirkt er zeitweise wie eine unverhohlene (und bezahlte) Werbebotschaft der Quäker. Doch sei’s drum: Immerhin hat der Film die trüben Gedanken über die Eintracht-Niederlagen vertrieben…

Daten zum Film

Der schwarze Reiter  (Illustrierte Filmbühne Nr. 433) mit dem Originaltitel The Angel and the Badman ist ein von John Wayne produzierter Western im Verleih der Republic Pictures aus dem Jahr 1947. In Deutschland wird der Film von der Motion Pictures Export Association (MPEA) vertrieben. Regisseur und Drehbuchautor ist James Edward Green, die Hauptrollen sind besetzt mit John Wayne (als Revolvermann Quirt Evans), Gail Russell (als Quäkerin Penelope Worth), Bruce Cabot (als Gangster Laredo Stevens), Harry Carey (als Marshal McClintock) und Irene Rich (als Mutter von Penepole). Richard Münch ist der Synchronsprecher von John Wayne.

US-Erstaufführung am 15. Februar 1947, in der Bundesrepublik gestartet 1949; in Frankfurt im Dezember im Eden gestartet; vom Autor gesehen an Weihnachten in den Kammer-Lichtspielen.