Der Herr in Grau

Illustrierte Filmbühne Nr. 67  (E. S.) –  Es ist wahrlich nicht alles Gold, was glänzt bei den ausländischen Filmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten in die Besatzungszonen geschickt werden. Auch Der Herr in Grau aus England erfüllt kaum die Erwartungen und ist in seiner düsteren Schwermütigkeit – garniert mit Rückblenden – nicht unbedingt geeignet, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen.

Der Herr in GrauIm Frühsommer des Jahres 1948 – die seit langem geplante Währungsreform vom 20. Juni steht unmittelbar bevor – haben die Menschen noch viele Probleme zu lösen. Zum Beispiel wird in der Politik intensiv um Zahlungen zum Lastenausgleich gerungen, es werden Regeln gegen die Preistreiberei gesucht und es geht immer wieder darum, die totale Demontage wichtiger Betriebe zu verhindern. Unter solchen Umständen ist Der Herr in Grau zu unverständlich für das deutsche Publikum. Die Menschen sehnen sich in diesen schwierigen Zeiten – wie immer man das dieses Verhalten auch bewerten mag – eher nach leichter Unterhaltung als nach schwermütigen Dramen der viktorianischen Zeit und des 18. Jahrhunderts. Immerhin aber sind vier Top-Schauspieler des britischen Kinos auf der Leinwand zu sehen, was dann doch ein wenig versöhnt. James Mason, Margaret Lockwood, Phyllis Calvert und Stewart Granger. James Mason ist dabei als in einer seiner stärksten Darbietungen zu sehen, er beherrscht souverän den ganzen Film und stellt sowohl Margaret Lockwood, Phyllis Calvert und Stewart Granger, der hier seinen ersten großen Erfolg feiert, eindeutig in den Schatten.

Obwohl der Film die Kritiker in London nicht überzeugt, wird er in im Vereinigten Königreich  ein großer finanzieller Erfolg; hierzulande schwappt das Geld freilich bei weitem nicht so in die Kassen wie erhofft, was natürlich auch mit den realen deutschen Gegebenheiten zu tun hat.

Die Handlung des Films ist eher monströs. Als fieser Marquis of Rohan verführt James Mason die junge Abenteurerin Hester Shaw (Margaret Lockwood) – zugleich die beste Freundin von Rohans Gattin – treibt sie sogar zum Mord an dieser und peitscht später in einem Anfall von Sadismus seine Geliebte sogar zu Tode. In jeder Beziehung ein klarer Fall von Bösewicht.

Daten zum Film 

Der Herr in Grau (Filmbühne Nr. 67) ist ein englisches Melodram mit Thriller-Facetten der Gainsborough aus dem Jahr 1943 nach einer Romanvorlage von Eleanor Smith (mit deutschen Untertiteln). Unter der Regie von Leslie Arliss (u. a. auch Die Frau ohne Herz und Cornwall Rhapsodie) spielen Margaret Lockwood (als Abenteuerin Hester Shaw), James Mason (als degenerierter Marquis of Rohan), Helen Haye (als Lady Rohan), Phyllis Calvert (als Hester Shaw), Stewart Granger (als Peter Rokeby). Uraufführung ist am 6. August 1943 in London, die deutsche Erstaufführung im Februar 1946, in Frankfurt angelaufen am 11. Juni 1948 in den Scala-Lichtspielen in Frankfurt.