Der Hofrat Geiger

Illustrierte Filmbühne Nr. 302  (E. S.) – Der südliche Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hatte seit vielen Jahren zwei Lichtspielhäuser: Die Harmonie in der Dreieichstraße am Lokalbahnhof und das „Wall“ – nur wenige hundert Meter entfernt in der Wallstraße. Nach dem Krieg aber boomt das Kino-Geschäft und so entstehen schnell weitere Spielstätten. Als drittes Lichtspieltheater im Süden der Stadt beginnt die Filmbühne im früheren Schwanthaler Hof in der Nähe der Schweizer Straße Anfang März 1949 ihren Betrieb.

Der Hofrat GeigerFilm-Lustspiele haben zu dieser Zeit durchaus ihre belebende Konjunktur, wollen die Menschen doch ihre Alltagssorgen möglichst schnell verdrängen. Und immerhin gibt es in dieser Hinsicht positive Nachrichten. Ab 1. März wird in den drei westlichen Besatzungszonen die Fleischration  m 100 Gramm auf 500 Gramm (monatlich!) erhöht. Zugleich wird in Teilen der britischen Zone die Rationierung von Tabak aufgehoben. Zu solchen Meldungen passen heitere Leinwand-Erlebnisse wie etwa der österreichische Spielfilm Der Hofrat Geiger mit Paul Hörbiger, Maria Andergast, Hans Moser und Waltraud Haas. Neben dem Herr Hofrat steht dabei vor allem die blutjunge Mariandl im Mittelpunkt, und immer wieder wird in der Filmhandlung der gleichnamige Schlager intoniert, der – lieblich vorgetragen von Maria Andergast – schon seit der Wiener Erstaufführung 1947 in den Radios mächtig Furore macht und  vielen kleinen Mädchen den Vornamen Marianne einträgt. Obwohl der Film eher seicht daherkommt und viel gezielte Werbung für die Wachau betreibt, hat er auch noch einen interessanten politischen Aspekt.

Das gleichnamige musikalische Lustspiel von Martin Costa wurde nämlich bereits im Jahr 1942 in Prag uraufgeführt, doch als Urheber wird der Name Franz Füssel angegeben, da Costa in der Nazi-Zeit mit einem Berufsverbot belegt worden ist. Erst nach Kriegsende darf Martin Costa seine Autorenschaft öffentlich machen, als das Stück im Mai 1945 im Theater in der Josefstadt in Wien ins Programm aufgenommen wird.

Neben dem Schwarzwaldmädel in Deutschland aber ist Der Hofrat Geiger ein Klassiker des Heimatfilms, der Ende der Vierziger Jahre das wieder erstandene Kinogeschehen prägt. Mit über 2,5 Millionen Besuchern allein bis 1951 ist er auch wirtschaftlich einer der erfolgreichsten Filme der Nachkriegszeit.

Daten zum Film 

Der Hofrat Geiger (Illustrierte Filmbühne Nr. 302) ist ein österreichischer Film nach einer Vorlage von Martin Costa, hergestellt von der Willi Forst-Produktion im Jahr 1947. Regisseur ist Hans Wolff, als Darsteller fungieren Paul Hörbiger (als Hofrat Geiger), Hans Moser (als sein Faktotum Ferdinand Lechner), Maria Andergast (als Marianne Mühlbauer, Mutter von Mariandl), Waltraut Haas (als Mariandl), ferner spielen noch Herrmann Erhardt, Louis Soldan, Josef Egger. Die Musik stammt von Hans Lang. Es war der erste Film von Waltraut Haas.

Die Uraufführung des Filmes ist in Wien bereits am 19. Dezember 1947, für die Bundesrepublik geht er in München erst ein Jahr später am 19. November 1948 an den Start, an Weihnachten des gleichen Jahres läuft er in Frankfurter Erstaufführung im Bieberbau. Die Besitzerin der Filmbühne hat sich den Film zur Eröffnung ihres Kinos am 5. März 1949 ausgesucht, dort gesehen vom Autor am 6. März.