Der Jazztrompeter

Illustrierte Filmbühne Nr. 904 (E. S.) – Als der junge Jazzfan Emil Mangelsdorff im Jahr 1949 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankfurt  zurückkehrt, ist er überwältigt von der Entwicklung der Jazzmusik in Deutschland, wo der Bebop-Stil den bisher dominierenden, federnden Swing abgelöst hat. „Noch bevor ich diesen Stil auf dem Instrument spielen konnte, habe ich ihn gefühlt,” wird der später zu Ruhm gekommene Saxophonist Mangelsdorff später einmal sagen. 

JazztrompeterIn den zahlreichen Soldatenclubs der Amerikaner in und um Frankfurt  treten zu dieser Zeit viele deutsche „Jazzer“ auf, die schon in der Nazizeit – als diese Art Musik verboten war und nur heimlich gespielt werden durfte – ihrer Leidenschaft gefrönt hatten. Geld erhalten sie für ihre Auftritte bei den „Amis“ natürlich nicht, dafür aber unter Umständen eine Mahlzeit, manchmal auch Zigaretten oder Zucker. Das sind begehrte Artikel in diesen Zeiten, in dem ein kultureller Umbruch stattfindet. Begleitet wird der musikalische Trend von amerikanischen Filmen wie zum Beispiel „Rhapsodie in Blau“, oder “Tag und Nacht denk ich an dich“, die auch weniger Jazzverrückte mit dieser “andersartigen“ Musik vertraut macht. Einer dieser Filme heisst Der Mann ihrer Träume – ebenfalls auch bekannt als Der Jazztrompeter oder Rhythmus, Leidenschaft und Liebe.

In dem Streifen wird die Geschichte des Waisenjungen Rick Martin erzählt, der von dem schwarzen Musiker Art Hazard das Trompetenspielen erlernt. Das Ganze ist – recht frei interpretiert – dem Lebens des berühmten Jazztrompeters Bix Beiderbecke (Kirk Douglas) nachempfunden, wobei freilich weniger der Jazz als Musikrichtung als vielmehr das zerrissene Leben des jungen Mannes im Blickpunkt steht. Rick Martin (alias Beiderbecke) wird als ein Mensch beschrieben, der sich nicht anpassen kann (und will) und auf der vergeblichen Suche nach einem besonders hohen Trompetenton ist, der aber in Wirklichkeit gar nicht erreichbar ist. Da es ihm nicht gelingt, diesen Ton zu spielen, ertränkt er seine Verzweiflung in Alkohol…

In seinem Umfeld spielen seine Ex-Frau Amy North (Lauren Bacall) und die Bigband-Sängerin Jo Jordan (Doris Day) eine zentrale Rolle. Zu den Höhepunkten des Films zählt ein Trompentensolo des legendären Harry James. Regisseur Michael Curtiz, der im Rekordtempo immer wieder gängige Massenware produziert – alleine 1949, 1950 und 1951 macht er neun Filme –, liefert hier neben „Casablanca“ eine seiner besten Leistungen ab.

Daten zum Film

Der Mann ihrer Träume (Illustrierte Filmbühne Nr. 904) mit dem Originaltitel Young Man with a Horn und den deutschen Alternativ-Bezeichnungen Der Jazztrompeter sowie Rhythmus, Leidenschaft und Liebe ist ein Musikfilm der Warner Brothers aus dem Jahr 1949. Produzent ist Jerry Wald, als Regisseur fungiert Michael Curtiz. In den Hauptrollen sind Kirk Douglas (als Rick Martin), Lauren Bacall (als Amy North) und Doris Day (als Jo Jordan) zu sehen. Weitere Mitwirkende sind Hoagy Carmichael, Juano Hernandez, Jerome Cowan und Mary Beth Hughes. Deutsche Synchronsprecher: Erwin Linder (Kirk Douglas), Elisabeth Ried (Lauren Bacall). Die Synchronstimme von Doris Day ist nicht mir bekannt.  Der Film hat eine Länge von 101 Minuten. Am Drehbuch sind Carl Foreman und Edmund H. North beteiligt. Die Kamera wird von Ted McCord  bedient. Die Musik stammt von Ray Heindorf.

Premiere in den USA am 9. Februar 1950, in der Bundesrepublik Deutschland am 12. September 1950 in den Kinos; vom Autor gesehen in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt.